Auge mit höchster Spannung auf die Thüre gerichtet , während ihre Wangen noch blässer wurden und ihr Busen sich unter ihrer wachsenden Aufregung angstvoll hob und senkte . Denn abermals kam es die Treppe hinauf , wieder schritt es den Gang entlang , wieder näherte sich Jemand mit raschem Schritte dieser Thüre , und diesen Schritt , den kannte sie . Mit beiden Händen fuhr sie sich nach dem Kopfe , nach dem Herzen , als sich draußen eine Hand auf den Drücker legte . Jetzt öffnete die Thüre sich , jetzt trat er ein ! Und wie sie sich erhob , wie sie hoch aufgerichtet vor ihm stehen blieb , da wich auch aus seinen Wangen ihm das Blut , und wider seinen Willen erschreckend über die Verheerung , welche die kurze Spanne Zeit in dieses Weibes hoher Schönheit angerichtet hatte , rief er , die Hände wie zur Abwehr gegen sie erhoben : Eleonore - Sie hier ? Indeß sein Anblick , der Ton seiner Stimme schienen sie zu beruhigen ; gleichviel , was er auch sagte , sie sah , sie hörte ihn doch ! Sie ließ sich auf den Sessel niederfallen , ihre Arme sanken schlaff herab , und mit einer Weichheit , welche gegen ihre bisherige Gewaltsamkeit noch auffallender erschien , sagte sie , während ihr Auge auf ihm ruhte : Und wo soll ich denn sonst sein ? Die furchtbare Wahrheit ihres Tones machte ihn fassungslos . Wie er auch gewohnt war , sich zu beherrschen und seine Worte zu erwägen , dieses Mal wußte er nicht , was er damit that , als er noch einmal die Frage aufwarf : Wie kommen Sie hierher ? Was wollen Sie , Eleonore ? Was ich will ? - Dich sehen ! gab sie ihm zur Antwort , und als habe sie jetzt alles erreicht , was sie wünsche und begehre , stützte sie das Haupt auf ihre Hand und blieb schweigend sitzen . Unentschlossen , was er thun solle , ging der Abbé in dem engen Raume auf und nieder . Draußen rief der harte , lang anhaltende Ton einer Glocke die Gäste des Hauses zur Tafel ; auf den Treppen , auf den Gängen wurde es lebhaft ; laute , lachende Stimmen erklangen und verhallten und wurden durch neues Sprechen und durch fröhliches Lachen ersetzt . Innen war es todtenstill . Endlich schien der Abbé seiner wieder Meister geworden zu sein . Er trat an die Erschöpfte heran , nahm sie bei der Hand und sagte : Sie sind krank , Eleonore ! Und dies ist nicht der Ort , an dem wir einander wiedersehen , einander Rede stehen können . Ermannen Sie Sich ! ein Wagen soll sofort zu Ihren Diensten sein . Lassen Sie mich Sie nach Ihrer Wohnung hingeleiten , dort .... Sie hob ihre mächtigen Augen zu ihm empor , und langsam mit dem Haupte nickend , rief sie : Ja , ich bin krank , sehr krank ! Wie soll ich auch leben ohne meine Seele , die Du mir entwendet hast ? Wie soll ich leben , wenn Du Dich mir entziehst , der Du mir alles zu ersetzen angelobtest , was ich um Dich verloren und verlassen habe ? Wollte ich nicht leben , um Dich zu sehen , ich wäre lange , lange schon gestorben ! Die Thränen , welche sie bis dahin mühsam zurückgehalten hatte , brachen jetzt hervor ; sie verhüllte ihr Antlitz . Der Abbé , da er sich von ihr nicht beobachtet sah , schloß , vom Schmerze überwältigt , seine Augen . Dann fuhr er sich mit der Hand flüchtig über die bleich gewordene Stirne , und sich zu ihr niedersetzend , bat er , indem er ihre Rechte in die seinige nahm , daß sie ihn hören möge . Sie schüttelte verneinend das Haupt . Ich habe Dich nur zu oft gehört , sagte sie , was kannst Du mir noch sagen , das ich zu glauben vermöchte ? Ich habe Dich gehört , als Du mir vorgehalten , Eleonore Haughton sei nicht dazu geschaffen , das Loos des gewöhnlichen Weibes zu theilen ! Wer war es , als Du , der mir den Stolz im stolzen Herzen nährte , daß ich nur Einen , nur Einen als meines Gleichen ansah , mit dem mich hinwegzusetzen und mit dem hinwegzuschreiten über das Wollen und Wünschen aller Andern mir als ein verlockendes Ziel erschien ? Losgetrennt von der Welt , wie Du es bist , trenntest Du auch mich von ihr los ! Festgewurzelt in Deinem Glauben , zerstörtest Du mir den meinen ! Und als ich , verschmäht von dem Manne , auf dessen Liebe Du mich verwiesen hattest , obschon Du wußtest , daß ich ein Verbrechen begehen würde in dem Augenblicke , da ich sie mir zu eigen machte ; als ich , ausgestoßen von der Gesellschaft , in welcher ich bis dahin heimisch gewesen war , zurückgewiesen von den Edeln des Landes , deren Pair ich bin , als ich mich da gedemüthigt und verzweifelnd in die Einsamkeit meines Schlosses zurückzog - wer hieß Dich damals meinem Hülferufe folgen ? Wer hieß Dich .... Ihre Stimme war lauter geworden , je länger sie sprach ; der Abbé versuchte vergebens , sie zu beruhigen , beschwor sie vergebens , zu bedenken , daß man sie in den Nebenzimmern hören könne . Sie beachtete seine Worte , seine Vorstellungen nicht . Laß mich ! rief sie . Mag die ganze Welt es wissen , daß ich elend bin , weil ich mich elend und verlassen fühle ! - Oder hast Du ihn vergessen , den Tag , fragte sie , und noch jetzt glitt ein seliges Lächeln über ihre Züge , hast Du den schönen Tag vergessen , an dem Du mir gestanden hast , daß Du nie geliebt und daß Du mich liebtest ? Hast Du vergessen , daß ich Dich auf meinen Knieen angefleht , hinzunehmen alles