das Räthsel dieses Besuches aus . Für Ew . Durchlaucht würd ' ich zu jeder Stunde zu sprechen sein . Ein Endlich ! Endlich ! Ihnen auszusprechen , mußt ' es mich wohl drängen . Endlich ? Hatten Sie mich jemals erwarten können , gnäd ' ge Frau ? fragte Egon voll Bitterkeit . Den Freund meiner geliebten Helene ? Den Erklärten meiner d ' Azimont ? fiel Pauline mit künstlichem Erstaunen ein . Ha ! Aber den Sohn der gehaßten Amanda ? setzte Egon hinzu und ohne Paulinen ' s Erwiderung abzuwarten , rückte er mit seinem Sessel ihr etwas näher und sagte : Gnädige Frau , es sollte mir lieb sein , wenn ich Ursache fände , mich Ihnen enger anzuschließen und die großen Eigenschaften in der Nähe zu bewundern , von deren Lobe die Gräfin d ' Azimont überfließt . Einstweilen stell ' ich diese Annäherung freilich auf eine starke Probe . Ich stehe vor Ihnen , gnäd ' ge Frau , mit dem Ersuchen , mir die Denkwürdigkeiten meiner Mutter auszuliefern . Pauline war auf diese kalte , kategorische Forderung gefaßt , erstaunte aber über die Hast und das entschlossene Vermeiden aller Präliminarien . Sie war darauf vorbereitet , daß sie Gegner hatte , die ihren so vorsichtig berechneten Schritten gefolgt waren , der Ablieferung des entleerten Bildes an den Oberkommissair Pax auf der Spur waren und sie entlarven wollten . Dennoch sagte sie zitternd : Welche Denkwürdigkeiten , Durchlaucht ? Die Denkwürdigkeiten , gnäd ' ge Frau , antwortete Egon mit steigernder Erregung und jene heftigste Wallung nicht mehr verbergend , mit der er hergekommen war ; die Denkwürdigkeiten der Fürstin Amanda von Hohenberg , die sie auf ihrem Sterbebette ihrem Sohne bestimmt und unfähig , in ihrer letzten Lebensstunde weitläufige gerichtliche Dispositionen zu treffen , später in einem Bilde verborgen hat , das dem sonderbaren Schicksale verfiel , Ihnen früher in die Hände zu kommen als mir . Welches Bild ? fragte Pauline nun mit scheinbarer Ruhe , um nur Zeit zu gewinnen . Egon trug in aller ihm kaum noch möglichen künstlichen Ruhe die Geschichte jenes Bildes vor , wie sie durch übereinstimmende Aussagen Dankmar ' s , Rudhard ' s , des Oberkommissairs Pax , der Agenten Mullrich und Kümmerlein sich ergeben hatte . Es war darin mancher Umstand mehr errathen als bewiesen . Allein die Überzeugung , daß Pauline von Harder schon durch die ganze Agitation über den Nachlaß seiner Mutter , die Reise des Intendanten nach Hohenberg und was sich Alles später daran knüpfte , ihm ein Eigenthum entzogen hatte , das ihm von Werth sein durfte und sollte , stand bei ihm fest . Er erzählte auch , wie er durch Stromer ' s Äußerung über den Thomas a Kempis mistrauisch geworden und Rudhard seinen Verdacht ausgesprochen hätte . Rudhard hätte dann gestockt . Er aber hätte seinem noch zögernden alten Erzieher die Angelegenheit aus der Hand gewunden und führe sie nun gegen dessen Willen , gegen die Ansprüche , die Rudhard selbst auf dies Testament seiner Mutter machen wolle , mit kurzem Processe durch . Lassen wir , schloß er seine Auseinandersetzung , jede weitere Erörterung und geben Sie mir die Denkwürdigkeiten meiner Mutter , deren Raub ich Ihnen verzeihen will ! Pauline schwieg eine Weile , dann sehlug sie die Arme zusammen , legte die Füße übereinander und sagte : Ich habe Sie ausreden lassen , Prinz Egon . Erlauben Sie , daß ich erwidere . Aber versprechen Sie mir , jeden kleinlichen Gesichtspunkt aufzugeben ! Ich sage Ihnen , daß ich die Denkwürdigkeiten besitze - In der That ! Sie müssen mir aber ein aufmerksames Ohr leihen . Wozu ? Weshalb ist Das nöthig ? Warum soll ich ... Sie achten ? rief Egon voll Zorn und voll geheimer Freude , die fast die Miene des bittersten Übermuthes annahm . Übermuth war aber für Paulinen zuviel . Sie erhob sich und schleuderte einen durchbohrenden Blick auf den jungen Mann , der jetzt das Recht zu haben glaubte , sie verächtlich zu behandeln . Ich kenne diese Denkwürdigkeiten , wiederholte sie mit stolzer Miene , aber wie ? wenn ich sie vernichtet hätte ? Wenn Sie mit dieser Möglichkeit nur drohen , Madame ... so existiren sie noch ! sagte Egon , und ich schwöre Ihnen , ich verlasse Ihr Haus nicht , bis ich nicht weiß , was meine Mutter mir in ihrer letzten Stunde hat berichten , auf meinen Lebensweg zurufen wollen ! Pauline lächelte jetzt verächtlich . Ich denke nicht an Drohungen , sagte sie , und ich denke nicht an Rechtfertigungen , aber ich will , daß Sie von dieser Frage jeden niedrigen Standpunkt ausschließen . Deshalb beding ' ich , daß Sie mich hören ! So reden Sie ! sagte Egon und nahm , ihr gegenüber an dem gemalten Kaminvorsetzer , Platz . Auch Pauline kehrte in ihre frühere Stellung auf dem Sessel zurück . Nach einigen Augenblicken begann sie : Amanda von Bury , Anna und Pauline von Marschalk waren drei Freundinnen , innigst verbunden seit ihrer frühesten Kinderzeit . Fast gemeinschaftlich war ihre Erziehung ; gemeinschaftlich waren ihre Erholungen . Ich , die Mittlere unter den drei Freundinnen , wurde von Anna und Amanda nur noch inniger geliebt , weil ich plötzlich kränkelte und kein langes Leben versprach . Dennoch gelang es einer guten Kur , mich von oft schrecklichen Anfällen eines Brustkrampfes zu befreien und mich bis in mein achtundzwanzigstes Jahr wiederherzustellen , wo ich auf ' s neue die Anfälle jener Krämpfe bekam , von denen man damals glaubte , daß ich sie nicht mehr ein Jahr würde aushalten können . Amanda und Anna verheiratheten sich , später als ich , die früher einen Baron von Ried ehelichte . Gerade als Baron von Ried starb , wurde Amanda die Gemahlin jenes berühmten Kriegers , dem unser Fürstenhaus zu ewigem Danke verpflichtet ist . Anna heirathete einen jungen Offizier , der seinen Abschied nahm und eine Landrathsstelle bekleidete ,