mag geschehen was wolle . Man wird dann , auch wenn man wollte , nicht mehr im Stande sein , die Sache zu Grunde zu richten . « Die ersten Erfolge des Ordens entsprachen dieser Zuversicht ; viele vornehme , gelehrte und rechtschaffene Männer traten ihm bei , darunter Knigge ( 1780 ) , der alsbald eine besonders umsichtige und energische Tätigkeit zu entfalten begann . Aber diese Blüte , so rasch sie gezeitigt war , so rasch ging sie vorüber . Knigge und Weishaupt , von verschiedenen Ansichten geleitet , entzweiten sich ; der erstere trat zurück , mit ihm eine Anzahl Mitglieder , und so in sich geschädigt und zerfallen , erlag der Orden dem Sturme , der jetzt von außen her ihn traf . Alles Illuminatentum wurde in Bayern , das den Hauptsitz bildete , verboten und Weishaupt 1785 seines Amtes entsetzt . Er fand bei dem Herzoge Ernst von Gotha Aufnahme ; aber der Orden selbst erlag der staatlichen Obergewalt , die ihn , mit Prozessen und Strafverfügungen energisch vorgehend , wie einen Brand austrat . So viel über die Illuminaten . Ein kurzes Leben . Sehr wahrscheinlich , daß dieser Orden , wie so viele andere Verbindungen jener Zeit , ohne Sang und Klang und ohne ein Blatt in der Geschichte vom Schauplatz abgetreten wäre , wenn er nicht während der kurzen Dauer seiner Existenz eine Gegenströmung hervorgerufen hätte , die , berühmter werdend als der Illuminatenorden selbst , diesem alsbald einen Reflex der eigenen Berühmtheit lieh . Mit anderen Worten , das Illuminatentum wäre vielleicht vergessen , wenn nicht der geheimbündlerische Drang sofort einen feindlichen Bruder geboren hätte . Dies waren die Rosenkreuzer , ein alter Name , aber eine neue Sache . Wir beginnen mit einem historischen Rückblick . Die Rosenkreuzer waren eine alte alchimistische Verbrüderung , die weit in die Geschichte zurückgeht . Ihr Stifter war Frater Rosenkreuz , ein Deutscher , wie sein Name bezeugt . Daß ein solcher Mönch wirklich gelebt und mit seinen Adepten die Goldmachekunst getrieben habe , scheint unzweifelhaft ; über diese einfache Tatsache hinaus aber hüllt sich alles in Nebel und die Geschichte vom Tode und von der Wiederauffindung des alten Rosenkreuz gibt sich nicht einmal die Mühe , ihren Fabelcharakter zu verbergen . Diese Geschichte lautet wie folgt : Frater Rosenkreuz , nachdem er seiner Reisen durch Arabien und Afrika und seines vieljährigen Verkehrs mit den » afrikanischen Weltweisen « müde geworden war , begab sich nach England und wohnte nicht weit von London , woselbst er eine unterirdische Höhle errichtete und ein Buch schrieb , worauf er G. L. statt des Titels setzte . Sein Vetter Benedikt Rosenkreuz war gemeiniglich um ihn . Diesem befahl er , bei Ablegung eines großen Schwurs , daß er nach seinem Tode sogleich das Gewölbe zuschließen und eine bestimmte große Tafel davor setzen sollte , worauf die Namen seiner Schüler standen ; den Zugang selbst sollte er mit Erde verschütten . Alles dies geschah mit der größten Genauigkeit , so daß man von Rosenkreuz nichts weiter hörte . Über dieser Höhle stand aber ein sehr alter Akazienbaum , unter dessen Schatten Rosenkreuz öfters seinen Gedanken nachgehangen . Nach einhundertundzwanzig Jahren fiel einem Bauern ein , diesen Baum umzuhauen und seine Wurzeln auszugraben . Er kam an Steinplatten , nahm eine nach der andern fort und ehe er sichs versah , fiel er in eine Höhle fünfzehn Fuß tief in die Erde hinein . Kaum hatte er sich von seinem Fall und Schrecken erholt , so wurde er gewahr , daß diese unterirdische Gruft erleuchtet war , und ein alter , ehrwürdiger Mann vor einem Tische saß und in einem Buche las . Als er ( der Bauer ) sich nun einen Schritt näherte , erhob sich der Alte , der einen Stab in Händen hielt . Bei dem zweiten Schritt hob er seinen Stab in die Höhe , bei dem dritten schlug er so gewaltig auf die Lampe , daß solche zerbrach und erlosch . Der Bauer stürzte vor Schreck nieder ; so fand man ihn und hörte seinen Bericht . Zugleich fand man eine Leiche , die ein Buch in Händen hielt . Dies letztere war das Buch Rosenkreuzers , das alle Weisheit , die Ausbeute seines Lebens , seiner Studien umfaßte . So die Erzählung von Frater Rosenkreuz und seinem Weisheitsbuch . Dies Weisheitsbuch , auf das es ankam , gaben nun die modernen Rosenkreuzer , die wir gleich näher charakterisieren werden , als ihren Besitz aus ; es sei ihnen auf rätselhafte Weise zu Händen gekommen und , um den Verdacht oder den Vorwurf der Modernität von sich abzustreifen , nannten sie sich , eben auf die vorgeblich alte Weisheit gestützt , die Rosenkreuzer alten Stils . Ihr Spruch war : Lux in Cruce et Crux in Luce . Die Welt erkannte sehr bald , und sie sollte es auch erkennen , daß die sich so nennenden Rosenkreuzer mit den wirklichen Rosenkreuzern alten Stils nicht das Geringste gemein hatten und mit Fug und Recht durfte Dr. Semler , der » Vater des Rationalismus « , von Halle aus schreiben : » Seit einiger Zeit haben wir von einer jetzt fortdauernden Rosenkreuzerei so manche wichtige Nachrichten , Nachrichten , aus denen wir erkennen können , daß eine große Partei mit gewiß weit aussehenden Absichten , die Magie und Alchemie nur als Maske benutzt . Ein » Hirtenbrief « dieser Rosenkreuzer , der mir vorliegt , ist ein auffallender Beweis von der dreisten und entschlossenen Denkungsart dieser geheimen Partei , welche ganz merklich es auf eine öffentliche Revolution im Sinne des Rückschrittes absieht .... Die Historie kann es am gewissesten dartun , daß diese jüngeren Rosenkreuzer ganz andere Leute sind als die alten , die kein papistisches Mitglied unter sich duldeten . « Im wesentlichen hatte es der alte Rationalist hier richtig getroffen . Ob Papismus und Jesuitismus da hinter steckten , war damals fraglich und ist fraglich geblieben , aber um Reaktion , um einen Kampf