Tennis als auch zu Pferde . » Auch ich selbst habe ja früher geritten , « sagte die hohe Frau – » in angemessener Begleitung – warum nicht ? Aber etwas anderes ist die burschikose Kameradschaftlichkeit in sportlichen Angelegenheiten , die heute zwischen den jungen Leuten beliebt wird und die zu den bösesten Situationen führen kann . Zum Exempel eine Geschichte , die mir die Baronin Leuchtenberg vorhin auf der Fahrt erzählte und die mich wahrhaftig erregt hat . Baronin – Sie sagten doch selbst , der Ruf des jungen Mädchens , die damals im Rennstall des Grafen – mon Dieu , der Name tut ja nichts zur Sache – kurz ihr Ruf war ruiniert . Und ich finde , die Welt verurteilte hier mit Recht . Eine junge Dame , die sich so weit vergißt , die Pferde ihres Courmachers ... « Die Herzogin hielt plötzlich inne – es war eine atembeklemmende Stille um sie her entstanden . Da erhob sich Prinzessin Karoline halb von ihrem Sessel . Ihr volles Gesicht war noch mehr gerötet als sonst . » Pardon , liebe Schwägerin , dieser Rennstall des Grafen Kessenbrock ... Ja – ich behaupte , « rief sie laut und kriegerisch , » dieser Rennstall hat damals , als die Leuchtenberg in ihrer Eifersucht sich so unverantwortlich benahm , überhaupt nicht mehr existiert . Das Ganze ist ein Märchen – eine Perfidie , « schloß sie , indem sie sich wieder niederließ und mit hastigem Fächerschlagen ihre Empörung zu betäuben suchte . » Mon Dieu , Caroline , je ne comprends pas un mot de votre altération , « flüsterte die Herzogin fragend – sie verfiel bei Familiendifferenzen immer in die französische Sprache . In diesem Augenblick durchbrach ein heftiges Geräusch die bange Stille des Raumes . Hilde hatte einen Stuhl beiseite gestoßen und stand vor der Herzogin . Ihr Gesicht war ganz weiß , während ihre Augen sich weit offen und mutig auf die Herzogin richteten . » Nein , Hoheit , es ist kein Märchen , « sagte sie mit einer Stimme , die nur wenig zitterte , » Frau von Leuchtenberg hat mich nicht falsch beschuldigt ! Ich war bei Graf Kessenbrock – ja – und – ja ! Wir haben uns liebgehabt , und ich war nicht nur im Stall bei seinem Pferd , auf dem er am nächsten Tage um Sieg oder Niederlage kämpfen wollte , und weil er mit sagte , es würde ihm Glück bringen ... Ich war auch bei ihm auf seinem Zimmer ... Ich will dies gesagt haben – ich will nichts , nichts mehr zu verbergen und zu verleugnen haben ln meinem Leben ... Ich weiß , es wäre nur lächerlich , in diesem Augenblick zu behaupten , daß ich trotzdem das Recht habe , meinen Kopf ebenso hoch zu tragen wie jede der Frauen und Mädchen hier – es würde doch niemand mir glauben . Jedes Beteuern wäre nutzlos ... « Sie hielt inne , eine schnelle Röte kam über ihre Wangen , ihre Sprache wurde schärfer , heftiger . » Darum bin ich froh , daß es so gekommen ist , daß ich nun ein Ende damit mache , mich vor euren Urteilen und eurem Verurteilen zu fürchten – daß ich nun weiß : Ich bin mit euch allen fertig – fertig – fertig ! Gott sei Dank ! « Ihre Stimme brach in der tiefen Bewegung ihrer Seele , ihr Antlitz hob sich und blickte über die Menschen fort mit einem Ausdruck stolzer Freude . Und dann senkte sie die Augen und ging langsam und aufgerichtet zwischen den verblüfften Gästen hindurch aus dem Saal . Man wich ihr aus , als brächte ihre Berührung Unheil . Es war , als hätte soeben jeder einzelne etwas gesehen und gehört , was er unmöglich mit einem andern teilen könnte , was man sich kaum selbst eingestehen dürfte . Es wagte niemand auch nur einen Blick mit seinem Nachbarn zu tauschen . » Ein Anfall von Geistesstörung , « sagte Fräulein Trinette von Kosegarten ernst und gab damit eine Art von erlösender Parole aus . » Ein interessanter Fall hysterischer Selbstbeschuldigung , « ließ sich der Kreisarzt vernehmen . » Aber sie deutete doch an , daß gar nichts wirklich Bedenkliches ... Ich neige entschieden zu der Ansicht ... « so erklärte eine andere Stimme , worauf einige Herren zu kichern begannen . » Mein Gott , « flüsterte jemand , » wie das nun auch gewesen sein mag – das ist jetzt ganz gleichgültig – aber sie sagte » euch « den Herrschaften – sie sagte » euch « – haben Sie es wohl gehört , Exzellenz ? « Frau Marie versuchte , um Verzeihung flehend , die Hand der Herzogin zu küssen , aber die hohe Frau hielt abwehrend Arme und Hände fest an sich gepreßt und dachte unbestimmt an die russische Revolution . Der Herzog wandte den Blick zu August und fragte : » Sind die Wagen bereit ? « » Zu dienen , « erwiderte der jüngere Kosegarten zusammengefaßt , in militärischer Haltung . Eilig und verstört folgte der Aufbruch . Die Herzogin hatte die Fassung jetzt soweit wiedergewonnen , um Frau von Kosegarten die Hand zu reichen und zu lispeln : » Meine Gute , Arme – ich ahnte ja nicht – o welch ein Zusammenbruch ! « Frau von Kosegarten senkte demütig das Haupt unter der fürstlichen Ungnade , die sie unabwendbar über ihre Familie heraufziehen sah . Einige der offiziellen Persönlichkeiten ließen tröstende Worte von Sanatorien und Nervenheilanstalten fallen ; die Prinzessin Karoline aber schüttelte vorwurfsvoll den Kopf und rief empört ihrer alten Freundin Trinette zu : » Ich hatte doch so bestimmt verlangt , dieser Stall dürfe nicht existieren . Und nun existiert sogar ein Zimmer ... Und ich muß die alte fette Audorf nehmen ... Welche Torheit , mon Dieu ... mon Dieu ! « Hier zeigte sich Theodor Debberitz als ein Mann von Entschlossenheit und Größe . Er beugte