der Versicherung , der Herr werde sogleich erscheinen . „ Glück muß der Mensch haben , “ sagte Hugo , selbst ein wenig erstaunt über dieses unerwartet schnelle Gelingen . „ Ich wollte , Reinhold und der Marchese könnten mich jetzt sehen . Mitten in der ‚ unzugänglichen ‘ Villa , in Erwartung des Herrn und Gebieters derselben , und nur einige Thüren weit von der blonden Signora . Das ist vorläufig genug für die ersten fünf Minuten , und das hätte nicht einmal mein genialer Herr Bruder fertig gebracht , vor dem doch sonst alle Thüren springen . Jetzt heißt es aber selbst genial sein , im Lügen nämlich . Was in aller Welt sage ich diesem Edlen , bei dem ich mich in einer wichtigen Angelegenheit habe anmelden lassen , ohne je eine Sylbe von ihm gehört zu haben , so wenig als er von mir ? Ah bah ! Irgend Jemand hat mir auf irgend einer meiner Fahrten irgend einen Auftrag gegeben . Im schlimmsten Falle kann ich mich doch nur in der Person geirrt haben , inzwischen ist die Bekanntschaft eingeleitet , und das Uebrige ergiebt sich von selbst . Ich werde die Improvisation ganz nach der Persönlichkeit des Betreffenden einrichten , jedenfalls gehe ich nicht von der Stelle , ohne die Signora gesehen zu haben . “ Er nahm Platz und begann in vollster Gemüthsruhe die Umgebung zu betrachten . „ Meine verehrten Landsleute scheinen in der That der glücklich situirten Minderheit anzugehören , die jährlich über einige Zehntausende verfügt . Die ganze Villa nebst Park zum ausschließlichen Gebrauche gemiethet – die Einrichtung mit großen Kosten vervollständigt , denn diesen Comfort findet man nicht hier im Süden – die eigene Dienerschaft mitgebracht ; ich sah nicht weniger als drei Gesichter da draußen , denen die urgermanische Abkunft auf der Stirn geschrieben steht . Jetzt ist nur die Frage , ob wir es mit der Aristokratie oder mit der Börse zu thun haben . Das Letztere wäre mir lieber , ich kann da doch wenigstens einige mercantilische Beziehungen geltend machen , während ich vor einem hohen Adel in der ganzen Nichtigkeit des Bürgerlichen – – wie , Consul Erlau ? “ Mit diesem in grenzenlosem Erstaunen hervorgestoßenen Ausrufe prallte Hugo von der Schwelle zurück , auf der jetzt die wohlbekannte Gestalt des Handelsherrn erschien . Der Consul war freilich im Laufe der Jahre sehr gealtert , das einst so volle dunkle Haar erschien grau und spärlich ; die Züge trugen den Ausdruck eines unverkennbaren Leidens , und auch das freundliche Wohlwollen , das sie sonst belebte , war , für den Augenblick wenigstens , einer kalten Gemessenheit gewichen , mit der er sich dem Gaste näherte . „ Herr Capitain Almbach , Sie wünschen mich zu sprechen ? “ Hugo war bereits Herr seiner Ueberraschung geworden und augenblicklich entschlossen , diesen ganz unerwartet günstigen Zufall nach Kräften zu benutzen . Er nahm all seine Liebenswürdigkeit zusammen . „ Herr Consul , ich bin Ihnen sehr dankbar – ich hoffte in der That kaum , von Ihnen persönlich empfangen zu werden . “ Erlau ließ sich nieder und lud ihn mit einer Handbewegung zum Sitzen ein . „ Ich habe auch auf ärztliche Anordnung Besuche zu meiden ; bei der Nennung Ihres Namens aber glaubte ich eine Ausnahme machen zu müssen , da es sich vermuthlich um meine Eigenschaft als Vormund Ihres Neffen handelt . Sie kommen im Auftrage Ihres Bruders ? “ „ Im Auftrage Reinhold ’ s ? “ wiederholte Hugo ungewiß . „ Wie so ? “ „ Es ist mir lieb , daß Herr Almbach keine persönliche Annäherung versucht hat , wie er sie schon einmal schriftlich versuchte , “ fuhr der Consul noch immer in dem Tone kühler Zurückhaltung fort . „ Er scheint trotz unserer absichtlichen Zurückgezogenheit den gegenwärtigen Aufenthalt seines Sohnes zu kennen . Ich bedaure aber , Ihnen mittheilen zu müssen , daß Eleonore durchaus nicht gesonnen ist – “ „ Ella ? Sie ist hier ? Bei Ihnen ? “ fuhr Hugo mit solcher Lebhaftigkeit auf , daß Erlau ihn mit äußerster Befremdung anblickte . „ War Ihnen das nicht bekannt ? Dann , Herr Capitain , darf ich wohl fragen , was mir eigentlich die Ehre Ihres Besuches verschafft ? “ Hugo überlegte einen Augenblick , er sah wohl , daß der Name Reinhold ’ s , der ihm die Thüren geöffnet , doch die schlimmste Empfehlung war , die er hier mitbringen konnte , und faßte danach seinen Entschluß . „ Ich muß zuvörderst einen Irrthum aufklären , “ entgegnete er mit vollster Offenheit . „ Ich komme weder als Abgesandter [ 494 ] meines Bruders , wie Sie zu vermuthen scheinen , noch bin ich überhaupt in seinem Interesse oder mit seinem Wissen hier . Ich gebe Ihnen mein Wort darauf , er hat augenblicklich noch keine Ahnung davon , daß seine Gattin und sein Sohn sich in seiner Nähe , daß sie sich überhaupt in Italien befinden . Mich dagegen “ – hier hielt es der Capitain doch für angemessen , etwas Dichtung in die Wahrheit zu mischen – „ mich dagegen führte ein Zufall auf die Spur , von deren Richtigkeit ich mich vorerst zu überzeugen wünschte . Ich kam , um meine Schwägerin zu sehen . “ „ Das würde wohl besser unterbleiben , “ meinte der Consul mit auffallender Kälte . „ Sie werden begreifen , daß ein solches Zusammentreffen für Eleonore nur peinlich sein kann – “ „ Ella weiß am besten , wie ich von jeher zu der ganzen Angelegenheit gestanden habe , “ unterbrach ihn der Capitain . „ und sie wird mir sicher die erbetene Unterredung nicht versagen . “ „ Nun wohl , so thue ich es im Namen meiner Pflegetochter , “ erklärte Erlau bestimmt . Hugo stand auf . „ Herr Consul , ich weiß , daß Sie Vaterrechte über meinen Neffen und auch wohl über seine Mutter erworben haben , und ehre diese