in die Welt und er verlangte dringend ohne Aufschub vor das Fräulein geführt zu werden , dem er glückhafte Nachricht zu bringen habe . Kurz darauf trat er ein und verkündete seine Botschaft : » Freuet Euch , Fräulein Lucretia ! Ihr seid wieder Herrin von Riedberg . Es beginnen die verdienstlichen Werke , mit denen unser großer Oberst für seine alte , schwere Schuld Buße tut . – Morgen kommen die Staatskrägen von Chur , um die Siegel zu lösen und Euch das Haus Eurer Väter wieder aufzutun . Gott gebe Euch einen gesegneten Einzug . « Zweites Kapitel Zweites Kapitel » Während der Sommer « und Herbstmonate eines einzigen Jahres hatte Herzog Heinrich Rohan seinen Feldzug im Veltlin mit raschen entscheidenden Schlägen zu Ende geführt . Die frischen Lorbeeren von vier Siegen , wie sie nur selten ein Feldherr erficht , verherrlichten seinen Namen . Diesmal hatte sich sein Talent kühn und freudig entfaltet , denn der Kampf hatte den äußeren Feinden Frankreichs gegolten , nicht auf französischem Boden zwischen Kindern derselben Erde gewütet . Während er früher gezwungen gewesen , Landsleute gegen Landsleute , seine calvinistischen Glaubensgenossen gegen das katholische Frankreich mit blutendem Herzen zu führen , so befehligte er jetzt zum ersten Male ein aus beiden Bekenntnissen verschmolzenes französisches Heer . Vor der Schlacht von Morbegno , wo seine Schar vor einer in günstigen Stellungen drohenden spanischen Übermacht stand , ließ er seine Leute gegen gallische Kriegssitte auf den Knieen den göttlichen Beistand anrufen . Der calvinistische Kaplan des Herzogs betete mit den Protestanten , während ein katholischer Priester über seinen Glaubensgenossen das segnende Zeichen des Kreuzes machte . Noch nie hatte Rohan einen so genialen Feldherrnblick bewiesen wie jetzt auf diesem von tiefen Talschluchten zerrissenen und von Gletscherbergen eingeengten , schwer zu übersehenden Kriegsfelde . Seinem raschen unfehlbaren Eingreifen kam seine bewundernswerte Ausdauer gleich und eine asketische Natur von seltener Bedürfnislosigkeit zu Hilfe . Er war imstande vierzig Stunden lang angespannt tätig zu sein , ohne der Erfrischung des Schlafes zu bedürfen . So eilte er in der Mitte zwischen zwei gegen ihn vordringenden Heeren , deren jedes dem seinen fast doppelt überlegen war , talauf- , talabwärts und warf sich jetzt dem einen , dann , die Stirne wendend , dem andern entgegen , immer siegreich , bis er sie beide , Spanier und Österreicher , vom Bündnerboden verdrängt hatte und das ganze langgestreckte Tal der Adda , das seit Jahrzehnten herrenlose und streitige Veltlin in der Gewalt seiner Waffen war . Bei dem dritten dieser Siege , der Schlacht in Val Fraele , grenzte die Ungleichheit des Verlustes an das Unglaubliche . Der Herzog büßte nach seinem eigenen Zeugnisse nicht sechs Mann ein , während zwölfhundert Feinde auf der Walstatt blieben . Es gibt nur eine Erklärung für eine so ungleiche Verteilung der Todeslose : der französische Feldherr hatte vor den Österreichern die vollkommene Kenntnis dieser verlorenen Hochtäler voraus . Rohan hatte Bündner neben sich , die das Bergland wie die mit Arvholz getäfelte Stube ihres Vaters und das Stammwappen über dem Haustore kannten , und keiner war mit Bündens Bergen vertrauter als Georg Jenatsch . In dem Schreiben , das der Herzog über diesen Sieg an die bündnerischen Behörden richtete , hebt er die Tapferkeit des Obersten Jenatsch und des von ihm geführten heimischen Regimentes mit dem wärmsten Lobe hervor . Diese schrankenlos erscheinende und doch besonnene Tollkühnheit , die schwer glaubliche Sage der frühern Volkskämpfe im Prätigau , wurde jetzt von dem geschulten französischen Heere und besonders von dem respektlosen Locotenenten mit kritischen Augen gemessen und aufrichtig bewundert . Überhaupt stieg Georg Jenatsch unaufhaltsam in der Achtung und im Vertrauen des Herzogs und wurde , ohne daß Rohan selbst sich dessen bewußt war , sein am liebsten gehörter Ratgeber . Versammelte der Feldherr in Fällen , wo sich Kühnheit und Vorsicht bestreiten mochten , einen Kriegsrat , so trieb Jenatsch immer zu den gewagtesten Angriffen und beanspruchte für sich selbst den gefährlichsten Posten ; aber seine Ratschläge bewährten sich und seine Verwegenheiten mißglückten nie , denn die Gunst des Schicksals war mit ihm . – Er aber ergriff jede Gelegenheit der Person des Herzogs nahe zu bleiben und sie in jeder Fährlichkeit mit der seinigen schützend zu decken . Weniger noch im Gedränge der Feldschlacht , als auf den einsamen Gebirgspfaden , welche er ihn zuweilen führte um die feindlichen Stellungen zu erforschen . So gelang es ihm einst , da sich ein tückisches Felsstück unter den Füßen des Herzogs löste , denselben mit raschen Armen am Rande des Abgrundes festzuhalten , und ein andermal zerhieb er , schnell zielend , eine Otter , die aus dem Gestrüppe zischend nach der Hand des Herzogs fuhr . So trat er dem Herzog immer näher , der sich freudig bewußt war , diesen bedeutenden Geist aus schmählichem Dunkel gezogen und durch seinen Einfluß entwickelt zu haben . Oft mußte Rohan sich wundern , wie willig und streng der unbändige Grisone der Kriegszucht sich unterwarf und , was er ihm ebenso hoch anrechnete , mit welch unbedingtem Vertrauen der vormalige bündnerische Volksführer jede besorgnisvolle Äußerung über das letzte Ergebnis des Krieges und die Zukunft Bündens unterließ , ja vermied . Dies Ergebnis war der Herzog gesonnen , für Bünden so günstig als möglich zu gestalten . Er täuschte sich nicht über die Abneigung des französischen Hofes gegen seine Person , aber dennoch hoffte er dort mit seinen billigen und weislich erwogenen Vorschlägen durchzudringen . Eine Reihe mit geringer Truppenmacht durch seinen individuellen Wert erfochtener Siege , welche die französischen Waffen mit einem blendenden Glanze umgaben , mußten bei dem Sohne Heinrichs IV. , mußten sogar bei Rohans altem Gegner , dem immerhin das Banner mit den französischen Lilien hoch emporhaltenden Kardinal , entscheidend ins Gewicht fallen . Was noch aus der Zeit der Bürgerkriege im Gemüte des Königs gegen den ehemaligen Kriegsführer der Hugenotten geschrieben stand , hatten – sagte sich der Herzog – die von ihm jetzt in die französischen Annalen eingezeichneten Triumphe