. » Mich tröstet « , sagte er nach einer Weile , » daß du vor mir sitzest als ein Frommer und Ehrbarer . Wahrlich , du bist ein schmeidiger Mann , daß dich dein König nicht am Gurt erwischt und mit hinuntergerissen hat . « Der Armbruster hatte sich mit funkelnden Augen auf seinem Schemel aufgerichtet . Seine Erzählung hatte ihn erleichtert wie eine Beichte und in allen Muskeln gestärkt ; denn er besaß trotz seiner grauen Haare ein tapferes Herz , das die harten Sprüche der in den menschlichen Dingen verborgenen Gerechtigkeit ertragen konnte . » Auch ich bin nicht ungeschlagen davongekommen « , sagte er , » doch ich verzog mich beizeiten und ließ es an mancherlei Heilbringendem nicht fehlen . Ich will Euch das noch in Kürze berichten und wie ich der Jetzige geworden bin . Die Gäule laufen rascher , wenn es dem Stalle zugeht . Als ich nach jener Geißelung hinter Herrn Heinrich nach Schloß Windsor zurücktrabte , ward mir zur Sicherheit , daß meines Bleibens im Königsdienste nicht länger sein werde . Seit dem Tode des Primas war ich den Augen meines Königs ein Ärgernis geworden , und er hatte mir meine Ohnmacht , jenen aus den Händen seiner Mörder zu reißen , mit zornigen , unbilligen Worten vorgerückt . Wo der Herr mich erblickte , wendete er sich ab . Ein wohlgebildeter Page von vornehmem aquitanischen Geblüte hatte mich Bärtigen im Schenkendienst ausgestochen . Auch auf die Jagd begleitete ich ihn nur noch selten , und zu seiner Buße in Canterbury hatte er mich mitreiten lassen , weil er sich vor mir nicht zu schämen brauchte . Auf Schloß Windsor nahm mich der Waffenmeister , Herr Rollo , ins Verhör ; denn die Geißelung des Königs war ruchbar geworden und wanderte unter den Sachsen , Erbauung und Schadenfreude verbreitend , von Mund zu Munde . Da er die schmähliche Wahrheit vernahm , schwoll ihm die dunkle Zornader auf der Stirn zum Zerspringen und er machte sich nach seiner Weise Luft mit frechen Worten : › An seine Gruft ist er gekrochen und hat den Feigling angebetet ! Wie mag der Bleiche in seiner Höhle gekichert haben ! . . . Und daß er ihm noch unter dem Boden hervor einen Stich gab , das ist der Schlange würdig ! . . . Ein gepeitschter normännischer König ! . . . Aber es ist sich nicht zu wundern ! Hast du gesehen , Hans , schon seit Jahr und Tag trägt König Heinrich ein Pfaffengesicht auf den Schultern ! ‹ Hierin sagte Herr Rollo die Wahrheit . Das Angesicht meines Königs war nicht mehr zu kennen . Es war zerfallen und nach unten gesunken . Statt des freudigen Leuchtens von ehemals gab es nur noch einen matten weißen Schein von sich , wie faules Holz in der Nacht . › Die englische Luft ist mir stinkend geworden ! ‹ zürnte Herr Rollo . › Ich ziehe nach der feuerspeienden Insel Sicilia , wo mir ein Neffe lebt . Hans , nimm eine Kohle dort vom Herd – wir standen in der Waffenkammer – , und schreibe für mich ein Valet an die Wand , daß ich keinem gegeißelten Könige diene . ‹ Ich wußte , der edle Herr war des Schreibens unkundig , und ich brachte seine Gedanken nach Kräften in einen lateinischen Spruch , mit dessen Fassung er sich zufrieden gab , und der lautete : › Ego – Normannus Rollo – valedico – regi Henrico . ‹ Bevor ich aber die Kohle ansetzte , bemerkte ich : › Ich habe dieselbe Fahrt , Herr . ‹ › Wie , du gehst , Bogner ? Der König wird dich missen ! ‹ warf er hin und runzelte die Stirn . Ich wies auf die blauen Flecken meines gewürgten Halses und sagte : › Zum dritten Male schon habe ich Herrn Heinrich Unheil verkündet , was Wunder , daß er dem Raben gram wird ! Mein Königsdienst bringt ihm kein Glück mehr . Was soll ich seinen Zorn reizen ! Ich will gehen , bevor er wie König Saul zur schlimmen Stunde einen Spieß nach mir wirft . Aber daß Ihr von ihm lasset , Herr , den er wert und teuer hält als den ältesten Zeugen und die Verkörperung des normännischen Ruhms , das wird ihn als ein böses Omen erschrecken und verfinstern . ‹ Da riß mir der Waffenmeister die ungebrauchte Kohle aus der Hand , warf sie gegen den Herd und wandte mir finster brummend den Rücken . Am selben Tage trat ich vor meinen Herrn und bat um Entlassung mit schwererm Herzen noch , als an jenem ersten Tage meines Herrendienstes , da ich ihm in demselben Gemache meine vervollkommnete Armbrust gezeigt hatte . Er schaute mich nicht unfreundlich , nur fremd und traurig an und gnadete mich ab . Ein reicher Mann wurde ich damit nicht , aber meinen ehrlichen Lohn ließ mir Herr Heinrich durch seinen Schatzmeister ausrichten . Als ich meine Kammer in Windsor räumte , fand ich in der Tiefe einer Truhe , wohin ich es verstoßen hatte , das Tüchlein mit dem Blute des Heiligen . Was damit beginnen ? Wohl war es köstlicher als der ganze Lohn , den mir König Heinrich hatte verabreichen lassen , denn schon damals wurden die geringsten Überbleibsel des Herrn Thomas hundert , ja tausendfach mit Gold aufgewogen . Aber es ging mir gegen die Erinnerungen des Gemütes , ein Blut zu verkaufen , an welchem ich nicht ohne einige Schuld war . Die zwei übrigen Auswege , das blutige Tüchlein an mir zu behalten , oder es zu vertilgen , waren gleicherweise bedenklich . Bevor ich Engelland verließ , versäumte ich nicht , meinen frühern Meister , den Bogner in London , aufzusuchen . Er hatte mir Gutes erwiesen , und während meines Königsdienstes war ich ihm abtrünnig geworden . Er empfing mich mit großen Ehrenbezeugungen , denn er wußte nicht , daß ich in Ungnade gefallen