wurde , lag neben dem indischen Garten , im Schutze der Berge , deren glückliche Gruppierung es möglich machte , in kühler , spröder Zone ein Stück indischer Wunderwelt am Leben zu erhalten . Die konzentrierten Sonnenstrahlen , die hier , unbehelligt von Nord- und Weststürmen , den Schaft der Bananen hoch in die Lüfte trieben , reiften auch Prachtexemplare von Pfirsichen , die empfindlichsten Trauben- und Obstsorten an Spalieren und Kordons und auf den Pyramidenstämmchen , die gruppenweise in weiten Rasenflächen standen . Diese Anlagen , die allerdings mehr den Gaumen als das Auge reizten , liefen schließlich in den Wald aus – selbstverständlich nicht sofort in die uralte , prächtige Wildnis , wie sie tiefer hinein und höher hinauf mit ihrem wirren Gestrüppe und Unterholz einer Fahrstraße widerwillig Raum gab – eine bedeutende Strecke noch schlängelten sich die hellen saubergehaltenen Linien der Fußwege um die Stämme , und unter der ersten Ahorngruppe breitete sich eine weiße , kühlbeschattete Kiesfläche hin . Auf dieses Kiesrund sah auch die Giebelseite des sogenannten Jägerhäuschens . Es war ein hübscher , kleiner Bau aus Ziegelsteinen mit blanken Fenstern und den obligaten Hirschgeweihen auf dem Dache und konnte gewissermaßen als eine Station zwischen dem Schlosse und dem eigentlichen , zur Schönwerther Herrschaft gehörigen Forsthause gelten , das , über eine halbe Wegstunde entfernt , tief und einsam im Walde lag . In diesem Häuschen war ein Jägerbursche mit den Jagdhunden einquartiert ; Mainaus reicher Gewehrschrank stand unter seiner Kontrolle , und bei Festivitäten figurierte er in Galauniform als Jäger des Herrn Barons . Sollte ein wenig Idylle gespielt werden , dann verlegte man sie unter die Ahorngruppe vor dem Jägerhause – es war einer der lieblichsten Punkte von Schönwerth ; man atmete unverfälschte Waldluft und sah doch den farbensprühenden Hindutempel inmitten einer fremdartigen Vegetation herüberschimmern , während sich fern die Zinnen und Mosaikdächer des Schlosses in mittelalterlicher Romantik über den köstlichen Baumschlag der vorderen Parkpartien malerisch erhob . Bei solchen Festen mit ländlichem Anstriche funktionierte auch niemals der Schloßkoch in Person – da stand Frau Löhn am schneeweißen Kachelherde des Jägerhäuschens und kochte Kaffee . Das war seit Jahren hergebracht , und die breitschultrige Gestalt im unsterblichen schwarzseidenen Staatskleide durfte unter der Thür des Hauses so wenig fehlen , wie die kläffenden oder faul in den Sand hingestreckten prächtigen Rüden ... Das ernsthafte Gesicht unter der Haube mit den stereotypen schottischen Bändern lachte zwar niemals , und der » Hofknix « fiel stets zum Erbarmen aus ; aber der Kaffee war delikat und alles , was aus den Händen der Frau kam , so sauber und appetitlich auf köstlichem Weißzeuge geordnet , daß man ihr herbes , mürrisch trockenes Wesen stillschweigend mit in Kauf nahm . War es heute schwüler als sonst in der kleinen Küche , oder hatte ihr das Arrangement viel zu schaffen gemacht – die Frau sah echauffiert aus , und wäre es bei diesem ausgesprochen harten Charakter nicht fast undenkbar gewesen , man hätte meinen können , sie habe geweint , so fieberhaft glimmend lagen die Augen unter der stark gewölbten Stirn . » Sind Sie krank , liebe Löhn ? « fragte die Herzogin leutselig . » Ei , beileibe nicht , Hoheit ! Danke unterthänigst für gnädige Nachfrage – frisch und gesund wie ein Fisch im Wasser ! « versetzte sie fast erschrocken mit einem raschen Seitenblicke nach dem Hofmarschall ... Sie brachte eine Anzahl weißer , feingeflochtener Weidenkörbchen , die von den kleinen Prinzen sofort mit Beschlag belegt wurden . Der Kaffeetisch blieb für den ersten Moment verödet ; die Kinder stürmten in die Obstplantage , und in ehrerbietiger Entfernung stand der Schloßgärtner und sah in stiller Verzweiflung zu , wie die kleinen Vandalen ohne Auswahl und Schonung die aufopfernd gepflegten Spaliere plünderten und das feine Obst polternd in die Körbe warfen . Der Hofmarschall hatte sich auch hinüberrollen lassen – es mußte gehen , der klägliche Eindruck seiner Hilflosigkeit mußte verwischt werden , und sollte es unter tausend Martern geschehen . Er erhob sich und stelzte ein großes , üppig belaubtes Weinspalier entlang , das bis an das Drahtgitter des indischen Gartens lief . Wirklich glückte es ihm , zu Fuße und in ziemlich strammer Haltung den Kaffeetisch wieder zu erreichen , an welchem sich die Herzogin eben niedergelassen hatte . Mit eitlem Lächeln überreichte er ihr in einem Körbchen mehrere von ihm selbst abgeschnittene Frühtrauben – aber das Lächeln erlosch plötzlich ; er wurde rot vor Schrecken . » Mein Ring ! « rief er aufgeregt ; er warf hastig das Körbchen auf den Tisch und besah den dünnen Zeigefinger seiner Rechten , an welchem vor wenigen Minuten noch ein kostbarer Smaragd gefunkelt hatte . Alle , mit Ausnahme der Herzogin , sprangen auf und suchten . Der Ring , » der immer so fest gesessen hatte « , wie der Hofmarschall klagend versicherte , war von dem mager gewordenen Finger jedenfalls beim Traubenpflücken niedergeglitten und zwischen dem Weinlaube versunken – aber wie aufmerksam man auch suchte , er fand sich nicht . » Das Schloßgesinde wird später unter meiner speziellen Aufsicht das Suchen fortsetzen , « sagte Mainau , an den Tisch zurückkehrend – aus Etiketterücksichten mußte dieses fatale Intermezzo abgekürzt werden . » Ja später – wenn er in irgend einer Rocktasche rettungslos versunken sein wird , « erwiderte der Hofmarschall mit einem finsteren Lächeln . » Traue einer den Domestiken ! Sie verkehren hauptsächlich an diesem Weinspalier – der Hauptweg läuft ja vorüber ... Hoheit mögen verzeihen , wenn mich die Sache ein wenig alteriert ! « wandte er sich bittend an die Herzogin . » Aber der Ring ist mir sehr wertvoll als ein seltsames Vermächtnis Gisberts . Wenige Tage vor seinem Tode übergab er mir denselben in Gegenwart von Zeugen , wobei er die Worte niederschrieb : › Vergiß nie , daß du den Siegelring am 10. September erhalten hast ! ‹ – Er hat ihn mir speziell vererben wollen , und das rührt mich bis auf den heutigen