sobald er schwieg , und ich drückte seine Hand aus aufrichtigem , überströmendem Herzen , » Sie sind so lange mein lieber , treuer Vormund , und mehr als zu nachsichtiger väterlicher Freund gewesen , Sie werden am besten beurtheilen können , welcher Werth meinen ernsten und heiligen Versicherungen beigemessen werden darf . Sie sprechen von Ihrer lieblichen Nichte , als von einem Wesen , au dessen Name ein Makel hafte ; ich vermeide es , Ihnen jetzt schon zu schildern , welche Hoffnungen und Wünsche Johanna ' s Erscheinung bereits am Tage unserer ersten Bekanntschaft in mir wach gerufen hat . Wenn es mir aber beschieden sein sollte , das noch von keinem trüben oder unedlen Hauch berührte Herz Johanna ' s zu gewinnen , dann gäbe es nichts , und enthielten Ihre Enthüllungen die furchtbarsten Geheimnisse , was mich in dem einmal gefaßten Entschluß wankend zu machen im Stande wäre . Johanna sollte mein Stolz , mein ganzes Lebensglück sein , und je trüber die Umstände , welche sich an ihr Dasein knüpfen , um so höher wollte ich sie nicht nur in den Augen der Welt , sondern auch in ihrer wirklichen Lebensstellung zu erheben suchen . Ja , ich wollte wirken und schaffen , ich wollte – nein , noch mehr , ich werde mich von Stufe zu Stufe emporschwingen , so hoch , ja so hoch , daß sogar mein verehrter Herr Vormund meinen Namen mit Stolz nennt , und der Erfolge wegen , welche ich erzielte , gern seine Vorurtheile « – » Vorurtheile ? « unterbrach mich der Oberstlieutenant hoch aufhorchend . » Nicht gerade Vorurtheile wollte ich sagen , « verbesserte ich mich schnell , verlegen darüber , daß ich mich von meiner Begeisterung für eine mir noch ziemlich unbekannte Sache zu unbedachtsamen Aeußerungen hatte fortreißen lassen , » ich wollte eben nur Ihre geringe Vorliebe für die Juristenkarriere andeuten , nur darlegen , daß ich eine unüberwindliche Kraft in mir fühle und meine Blicke kühn und ohne zu zittern oder zu zagen auf die höchsten und einflußreichsten Stellen richte . « » Gratulire zum Minister , « versetzte mein Vormund lachend ; im nächsten Augenblick war er indessen wieder ernst und ich erriech aus der Bewegung seines Armes , daß er , ein sicheres Zeichen seiner Erregtheit , die Augenklappe lüftete . » Aber Scherz bei Seite , « fuhr ei gleich darauf fort , indem er meine Hand ergriff und dieselbe heftig drückte ; » Du hast gesprochen , wie ich es von Dir erwartete und wie es einem Ehrenmanne geziemt ; doch versteh ' mich recht , mein Junge , ich betrachte Deine Erklärung nicht als eine übernommene Verpflichtung ; es ist überhaupt noch zu früh , so weit in die Zukunft zu denken , obwohl es nicht schadet , wenn wir uns gegenseitig ausgesprochen haben . Und so höre mir denn aufmerksam zu , präge Alles Deinem Gedächtnis ; Wohl ein und nimm Dir vollkommen Zeit , Dich zu prüfen . Hat dann endlich Derjenige , der mich mit meiner Lisette zusammenführte , ein Aehnliches über Euch beschlossen , so will ich – na – Du weißt ja schon . « Hier wurde der buschige Schnurrbart wieder etwas länger , als gewöhnlich , geschraubt und gedreht , und nachdem der alte Herr sich noch einmal recht ordentlich geräuspert , begann er : » Wir waren drei Brüder , nämlich der älteste , der bei Jena den Heldentod starb , dann ich , von dem nur noch ein paar dürre , morsche Knochen übrig geblieben sind , und endlich mein Bruder Johann , der bedeutend jünger , als ich , seine Vorliebe für zweifarbiges Tuch dadurch bekundete , daß er ebenfalls in die Armee eintrat . « » Von diesem Letzteren nun , der , wie schon der Name besagt , Johanna ' s Vater wurde , will ich Dir erzählen . « » Obgleich mein Bruder Johann im Freiheitskriege tapfer mitgefochten hatte , begünstigte das Glück ihn doch nicht sonderlich . Er war Lieutenant und blieb Lieutenant , was wohl mit am meisten dazu beitrug , daß er bereits im Jahre 1816 seinen Abschied nahm und sich mit seiner geringen Pension und den Zinsen eines gerade nicht sehr erheblichen väterlichen Erbtheils begnügte . Alles ging ganz gut , und es würde heute noch gut gehen , wenn er nicht auf den unheilvollen Gedanken gekommen wäre , zu heirathen . « » Heirathen ist sehr schön , aber die Sache muß auch Hand und Fuß haben , und nicht , wie bei meinem Bruder , eine Art von Zusammenlaufen aus verliebter Laune sein . « » Kurz nachdem er seinen Abschied genommen , begab sich mein Bruder also eines Tages nach Köln , und wie sich bei einem Junggesellen fast von selbst versteht , besuchte er des Abends in Gesellschaft von ehemaligen Kameraden das Theater . An jenem Abend trat gerade eine Tänzerin , eine Italienerin , zum ersten Mal dort auf . Dir Tänzerin sehen und sich in dieselbe verlieben , war für meinen Bruder Eins , und zwar that er dies mit einem solchen Feuer , wie man ihm bei seinen dreißig und einigen Jahren kaum zugetraut hätte . Er suchte Zutritt bei seiner Angebeteten zu erhalten ; derselbe wurde ihm auch gewährt , und da er ein auffallend schöner Mann war , konnte es nicht fehlen , daß er einen günstigen Eindruck auf dieselbe machte . « » Dem ersten Besuch folgte bald der zweite , dem zweiten der dritte , und noch keine vier Wochen waren in dieser Weise verstrichen , da kündigte er mir an , daß er sich mit der Italienerin zu verheirathen gedenke . « » Des Menschen Wille ist sein Himmelreich , dachte ich , und obwohl mir die ganze Geschichte nicht behagte , ging ich dennoch nach Frankfurt , um als guter Bruder der dort stattfindenden Vermählung beizuwohnen . Ich kann nicht leugnen , daß der Anblick des jungen Mädchens