Weise , von der Hochzeit und den Vorbereitungen dazu zu sprechen . Wurd er gefragt , ob er dies oder jenes wünsche , so bat er mit einer Art von Empressement , » ganz nach eigenem Dafürhalten verfahren zu wollen ; er kenne den Takt und guten Geschmack der Damen und wisse , daß ohne sein Raten und Zutun alles am besten entschieden werden würde ; wenn ihm dabei manches dunkel und geheimnisvoll bleibe , so sei dies ein Vorteil mehr für ihn , hab er doch von Jugend auf eine Neigung gehabt , sich überraschen zu lassen « . Unter solchen Ausflüchten entzog er sich jedem Geplauder , das , wie Tante Marguerite sich ausdrückte , » den Ehrentag en vue hatte « , war aber um so plauderhafter , wenn das Gespräch auf die Reisetage nach der Hochzeit hinüberlenkte . Denn Venedig , aller halben Widerrede der Frau von Carayon zum Trotz , hatte doch schließlich über Wuthenow gesiegt , und Schach , wenn die Rede darauf kam , hing mit einer ihm sonst völlig fremden Phantastik allen erdenklichen Reiseplänen und Reisebildern nach . Er wollte nach Sizilien hinüber und die Sireneninseln passieren , » ob frei oder an den Mast gebunden , überlaß er Victoiren und ihrem Vertrauen « . Und dann wollten sie nach Malta . Nicht um Maltas willen , o nein . Aber auf dem Wege dahin sei die Stelle , wo der geheimnisvolle schwarze Weltteil in Luftbildern und Spiegelungen ein allererstes Mal zu dem in Nebel und Schnee gebornen Hyperboreer spräche . Das sei die Stelle , wo die bilderreiche Fee wohne , die stumme Sirene , die mit dem Zauber ihrer Farbe fast noch verführerischer locke als die singende . Beständig wechselnd seien die Szenen und Gestalten ihrer Laterna magica , und während eben noch ein ermüdeter Zug über den gelben Sand ziehe , dehne sich ' s plötzlich wie grüne Triften , und unter der schattengebenden Palme säße die Schar der Männer , die Köpfe gebeugt und alle Pfeifen in Brand , und schwarz und braune Mädchen , ihre Flechten gelöst und wie zum Tanze geschürzt , erhüben die Becken und schlügen das Tamburin . Und mitunter sei ' s , als lach es . Und dann schwieg ' es und schwänd es wieder . Und diese Spiegelung aus der geheimnisvollen Ferne , das sei das Ziel ! Und Victoire jubelte , hingerissen von der Lebhaftigkeit seiner Schilderung . Aber im selben Augenblick überkam es sie bang und düster , und in ihrer Seele rief eine Stimme : Fata Morgana . Neunzehntes Kapitel Die Hochzeit Die Trauung hatte stattgefunden , und um die vierte Stunde versammelten sich die zur Hochzeit Geladenen in dem nach dem Hofe hinaus gelegenen großen Eßsaale , der für gewöhnlich als ein bloßes unbequemes Anhängsel der Carayonschen Wohnung angesehen und seit einer ganzen Reihe von Jahren heute zum ersten Male wieder in Gebrauch genommen wurde . Dies erschien tunlich , trotzdem die Zahl der Gäste keine große war . Der alte Konsistorialrat Bocquet hatte sich bewegen lassen , dem Mahle mit beizuwohnen , und saß , dem Brautpaare gegenüber , neben der Frau von Carayon ; unter den anderweit Geladenen aber waren , außer dem Tantchen und einigen alten Freunden aus der Generalfinanzpächterzeit her , in erster Reihe Nostitz , Alvensleben und Sander zu nennen . Auf letzteren hatte Schach , aller sonstigen , auch bei Feststellung der Einladungsliste beobachteten Indifferenz unerachtet , mit besonderem Nachdruck bestanden , weil ihm inzwischen das rücksichtsvolle Benehmen desselben bei Gelegenheit des Verlagsantrages der drei Bilder bekannt geworden war , ein Benehmen , das er um so höher anschlug , als er es von dieser Seite her nicht erwartet hatte . Bülow , Schachs alter Gegner , war nicht mehr in Berlin und hätte wohl auch gefehlt , wenn er noch dagewesen wäre . Die Tafelstimmung verharrte bis zum ersten Trinkspruch in der herkömmlichen Feierlichkeit ; als indessen der alte Konsistorialrat gesprochen und in einem dreigeteilten und als » historischer Rückblick « zu bezeichnenden Toast erst des großväterlichen Generalfinanzpächterhauses , dann der Trauung der Frau von Carayon und drittens ( und zwar unter Zitierung des ihr mit auf den Lebensweg gegebenen Bibelspruches ) der Konfirmation Victoirens gedacht , endlich aber mit einem halb ehrbaren , halb scherzhaften Hinweis auf den » ägyptischen Wundervogel , in dessen verheißungsvolle Nähe man sich begeben wolle « , geschlossen hatte , war das Zeichen zu einer Wandlung der Stimmung gegeben . Alles gab sich einer ungezwungenen Heiterkeit hin , an der sogar Victoire teilnahm , und nicht zum wenigsten , als sich schließlich auch das zu Ehren des Tages in einem grasgrünen Seidenkleid und einem hohen Schildpattkamme erschienene Tantchen erhob , um einen zweiten Toast auf das Brautpaar auszubringen . Ihr verschämtes Klopfen mit dem Dessertmesser an die Wasserkaraffe war eine Zeitlang unbemerkt geblieben und kam erst zur Geltung , als Frau von Carayon erklärte : Tante Marguerite wünsche zu sprechen . Diese verneigte sich denn auch zum Zeichen der Zustimmung und begann ihre Rede mit viel mehr Selbstbewußtsein , als man nach ihrer anfänglichen Schüchternheit erwarten durfte . » Der Herr Konsistorialrat hat so schön und so lange gesprochen , und ich ähnle nur dem Weibe Ruth , das über dem Felde geht und Ähren sammelt , was auch der Text war , worüber am letzten Sonntag in der kleinen Melonenkürche gepredigt wurde , die wieder sehr leer war , ich glaube nicht mehr als ölf oder zwölf . Aber als Tante der lieben Braut , in welcher Beziehung ich wohl die Älteste bin , erheb ich dieses Glas , um noch einmal auf dem Wohle des jungen Paares zu trinken . « Und danach setzte sie sich wieder , um die Huldigungen der Gesellschaft entgegenzunehmen . Schach versuchte der alten Dame die Hand zu küssen , was sie jedoch wehrte , wogegen sie Victoirens Umarmung mit allerlei kleinen Liebkosungen und zugleich mit der Versicherung erwiderte : » Sie hab es alles vorher gewußt