, der schon mit einigen zwanzig Jahren an der Schwindsucht starb , hatte keine Begabung dafür , besaß statt dessen aber ein so glänzendes Gedächtnis , daß er in seiner langen Krankheit , bloß mit Grammatik und Wörterbuch in der Hand , mehrere Sprachen für sich allein erlernte . Mein Schulunterricht begann in der Bürgerschule . Während ich diese noch besuchte , bat ich die Eltern , mich zum Gymnasialzeichenlehrer Masch in den Zeichenunterricht zu schicken . Das wurde denn auch gewährt . Ich erhielt eine zufällig im Hause sich vorfindende Zeichenmappe , die so groß war , daß ich sie kaum umspannen konnte . Mit dieser unterm Arm , schlich ich mich ängstlich ins Gymnasium , wohin ich noch nicht gehörte und deshalb fürchtete , von den anderen Lehrern gesehen und fortgewiesen zu werden . Diese Furcht dauerte denn auch an , bis ich die Bürgerschule verließ und auch in den anderen Lehrgegenständen ins Gymnasium aufgenommen wurde . Vater und Mutter , auf den Erwerb bedachte Naturen , waren fortwährend in Laden und Küche beschäftigt , was zur Folge hatte , daß wir Kinder einigermaßen verwilderten . Wir streiften vor den Toren der Stadt umher , um Pflanzen , Käfer , Vogeleier und allerhand Naturgegenstände zu sammeln , so daß unser Zimmer bald einem Naturalienkabinett glich . Die Schränke waren gefüllt mit Herbarien , Insekten , Steinen und Muscheln . Auf Pappe aufgezogene Fische hingen an den Wänden , auf den Spinden standen selbsterlegte und ausgestopfte Vögel . Mein Vater hatte mir nämlich eine Flinte gekauft , so daß ich Sonnabendnachmittag auf die Jagd gehen konnte . Dadurch wurde der Sinn geweckt , die Natur zu beobachten . Aber das Lernen in der Schule ward vernachlässigt . Ein Hauslehrer mußte deshalb aushelfen und uns wieder ins Geleise bringen . Ein solcher Hauslehrer ward in der Person eines Kandidaten der Theologie gefunden . Er hieß Dr. Paetsch , war Privatdozent an einer Universität gewesen und anfangs der dreißiger Jahre Hilfsgeistlicher des Ruppiner Superintendenten Bientz geworden , von dem er dann , bei B. ' s endlichem Hinscheiden , eine ganze Galerie langer Pfeifen geerbt hatte , die nun als Schmuck an den Wänden seines Zimmers hingen . Lange freilich paradierten sie da nicht , wurden vielmehr auf unseren Rücken zerschlagen . Das dadurch erzielte Resultat war aber auch ein glänzendes , insoweit es uns zu durchaus folgsamen Kindern machte . Wir liefen keinen Schritt mehr über den Rinnstein vor dem Hause , der die Grenze bezeichnete , bis wohin wir gehen durften . Dr. Paetsch war streng , worunter indes unsere Liebe zu ihm nicht litt . Ich brachte ihm gern des Morgens den brennenden Fidibus ans Bett , da seine Gewohnheit war , vor dem Aufstehen eine Pfeife Tabak zu schmauchen . Er fand , daß ich gut schreiben konnte , weshalb ich seine Briefe an die hohen Herrschaften , an den König und verschiedene Prinzen und Prinzessinnen , abschreiben mußte , denen er seine in Ruppin gehaltenen und dann in Druck gegebenen Predigten schickte . Er empfing dafür einen Dukaten , und wenn es sehr hoch kam , einen Doppellouisdor . Übrigens soll er in Ruppin die besten Predigten gehalten haben , was freilich nach dem damaligen Stande der Ruppiner Predigerkunst nicht viel sagen will . Während seiner Privatdozentenjahre , weil er neben dem Tabak auch eine Passion für edle Getränke hatte , war sein ererbtes Vermögen von ihm aufgezehrt worden . Später ward er Pastor in Rudow , wo ich ihn mal von Ruppin aus in den Ferien zu Fuß besuchte . Wie er als Hirt seine Gemeinde geführt , weiß ich nicht . Den Pfarrgarten verwaltete er so , daß bald kein Obstbaum , kein Stachelbeerstrauch mehr übrig blieb , weil bei der Unausreichendheit seiner Kircheneinnahmen für Holz und Torf alles in den Ofen wandern mußte . Seiner Richtung nach war er , wie sonst im Leben , auch auf religiösem Gebiet ein Schöngeist und für Schleiermacher enthusiasmiert . Während der Predigtzeit durften wir nicht ins Freie gehen – sonst aber unterließ er es , auf unser religiöses Bewußtsein einzuwirken . Meine Hauptlektüre bestand damals in Reisebeschreibungen . Ein besonderes Entzücken gewährten mir die afrikanischen Entdeckungsreisen ins Kapland von Le Vaillant und besonders die von Mungo Park am Niger , nach Timbuktu hin , ein Buch , darin ich noch vor kurzem mit Vergnügen geblättert habe . Als Quartaner las ich viel über Ägypten , infolgedessen ich meiner Mutter auf ihre Frage › was ich werden wollte ‹ zuversichtlich erklärte , daß ich vorhätte , nach Kairo zu gehen und die Pyramiden zu erforschen . Ja , ich fing an , Geld zu sparen , um seiner Zeit die Reise beginnen zu können . Schinkel besuchte um diese Zeit jährlich seine Schwester in Ruppin und kam auch mal ins Haus meines Vaters , was darin seinen Grund haben mochte , daß eine Nichte von ihm mit einem Bruder meiner Mutter verheiratet war . Trotz meiner Jugend ist mir doch seine Erscheinung unvergeßlich im Gedächtnis geblieben . Einige Jahre später saß ich , eine Nacht hindurch , mit Christian Rauch im Postwagen zusammen ( zwischen Halle und Potsdam ) , und auch seine Züge prägten sich mir ein , ja , ich erinnere mich noch einiger seiner Gespräche . Durch einen Ruppiner Landsmann , der in seinem Atelier Dienste tat , fand ich Gelegenheit , seine Werkstatt zu besichtigen und bekam sogar die Rauchsche Goethestatuette geschenkt , die ich nun , wie ein Kleinod , mit heimnahm und während der Nachtfahrt von Berlin nach Ruppin in dem unbequemen Marterwagen keinen Augenblick aus den Händen ließ . Die Statuette , die ich noch besitze , habe ich oft , wenn ich aus der Schule nach Hause kam , mit Freude betrachtet . Als Sekundaner benutzte ich die Ferien , um , der Sixtinischen Madonna halber , zu Fuß nach Dresden zu wandern . Ich hatte gelesen , daß das Bild von Raphael das schönste der Welt wäre .