und so unregelmäßige und stark gezeichnete Züge zu haben . Und warum hegte ich diese Wünsche und dieses Bedauern ? Es würde schwer zu sagen sein : ich konnte es mir selber nicht deutlich sagen ; doch ich hatte auch einen Grund , und zwar einen logischen und natürlichen Grund . Als ich aber mein Haar glatt gebürstet , mein schwarzes Kleid angelegt -- welches , quäkergleich wie es war , wenigstens das Verdienst hatte , sehr zierlich zu passen -- und einen reinen weißen Halskragen dann umgebunden , glaubte ich , anständig genug vor Mistreß Fairfax erscheinen zu können , und erwartete , daß meine neue Schülerin wenigstens nicht mit Widerwillen vor mir zurückweichen werde . Nachdem ich das Fenster meines Zimmers geöffnet und nachgesehen hatte , ob auf meinem Toilettentische auch Alles in zierlicher Ordnung sei , wagte ich mich hinaus . Ich ging durch die lange , mit Matten bedeckte Gallerie stieg die schlüpfrigen Stufen von Eichenholz hinunter , erreichte dann die Halle , blieb dort eine Minute stehen , sah einige Bilder an den Wänden an -- wovon eins einen grimmigen Mann in einem Brustharnisch , und ein anderes eine Dame mit gepudertem Haar und einem Perlenhalsband darstellte - eine messingene Lampe , die von der Decke niederhing , eine große Uhr , deren Kasten von zierlich geschnitztem Eichenholz war und von der Zeit und vom Polixen des Farbe des Ebenholzes angenommen hatte . Alles erschien mir sehr stattlich und imposant ; aber damals war ich wenig an etwas Großartiges gewöhnt . Die Hausthür , in deren oberen Hälfte sich Glasscheiben befanden , stand offen und ich überschritt die Schwelle . Es war ein schöner Herbstmorgen , die frühe Sonne schien heiter auf gebräunte Luftwälder und noch grüne Felder : dann trat ich auf den Rasenplatz hinaus , blickte auf und überschaute die Fronte des Gebäudes . Es war drei Stockwerke hoch , von beträchtlichem Umfange , obgleich nicht allzu groß : der Landsitz eines Herrn vom niedern Adel und nicht eines Lords . Die Zinnen , die das Gebäude umgaben , verlieben demselben ein malerisches Ansehen . Die graue Fronte stach gegen ein Dohlengeniste ob dessen krächzende Bewohner jetzt umherflogen , ihren Weg über den Rasenplatz und den Park nahmen , und sich einer großen Wiese niederließen , von welcher dieser durch eine verfallene Einzäunung getrennt war , und wo eine Reihe mächtiger alter Dornbäume , stark , knotig und breit wie Eichen , zugleich die Benennung des Herrenhauses erklärten . In weiterer Entfernung befanden sich Hügel , nicht so hoch wie die , welche Lowood umgaben , nicht so felsig , nicht so gleich Schranken , die von der lebendigen Welt ausschlossen , aber doch ganz stille und einsame Hügel , die Thornfield ein abgesondertes und ruhiges Ansehen verliehen , wie ich es so nahe bei der lebhaften Stadt Millcote nicht zu finden erwartet hatte . Ein kleiner Weiler , dessen Dächer sich mit den Bäumen verschmolzen , lag zerstreut an der Seite eines von diesen Hügeln ; die Kirche des Districts stand Thornfield näher , und die alte Thurmspitze blickte über eine Erhöhung zwischen dem Hause und dem Thore hinweg . Ich erfreute mich noch der ruhigen Aussicht und der angenehmen frischen Luft , horchte noch mit Entzücken auf das Krächzen der Dohlen , überschaute noch die breite , graue Fronte des Gebäudes und dachte , welch ein großer Ort es sei für eine einsame kleine Dame , wie Mistreß Fairfax , als diese selber in der Thür erschien . " Wie , schon draußen ? " sagte sie . " Ich sehe , Sie stehen gern früh auf . " Ich ging zu ihr und wurde mit einem freundlichen Kusse und einem Händedruck empfangen . " Wie gefällt Ihnen Thornfield ? " fragte sie . Ich sagte ihr , es gefalle mir sehr gut . " Ja , " sagte sie , " es ist ein hübscher Ort ; aber ich fürchte , er wird aus der Ordnung kommen , wenn es Herrn Rochester nicht einfällt , hierher zu kommen und ihn für immer zu bewohnen , oder wenigstens öfter zu besuchen ; große Häuser und schönte Besitzungen fordern die Gegenwart des Besitzers . " Herr Rochester ! " rief ich . " Wer ist das ? " " Der Besitzer von Thornfield , " antwortete sie ruhig . " Wußten Sie nicht , daß er Rochester heißt ? " Natürlich nicht -- ich hatte nie vorher von ihm gehört ; aber die alte Dame schien seine Existenz als eine allgemein bekannte Thatsache anzusehen , womit jeder instinctmäßig bekannt sein müsse . " Ich glaubte , Thornfield gehöre Ihnen , fuhr ich fort . " Mir ? welch ein Einfall , mein Kind ! mir ? Ich bin nur die Haushälterin -- die Verwalterin . Freilich bin ich von mütterlicher Seite entfernt mit den Rochesters verwandt , oder wenigstens mein verstorbener Mann war es , der die Herr Rochester trug mich in seinen Armen über eine Planke ans Land , und Sophie kam nach , und wir stiegen Alle in eine Kutsche , die uns zu einem schönen großen Hause brachte , schöner und größer , als dies , ein Hotel genannt . Dort blieben wir beinahe eine Woche : ich und Sophie gingen jeden Tag auf einem großen grünen Platze spazieren , der mit Bäumen bepflanzt war und den man den Park nannte ; und da waren außer mir noch viele Kinder , und ein Teich mit schönen Fischen , die ich mit Brodkrumen fütterte . " " Verstehen Sie sie , wenn sie so schnell spricht ? " fragte Mistreß Fairfax . Ich verstand sie sehr gut , denn ich hatte mich an die geläufige Zunge der Madame Pierrot gewöhnt . " Ich möchte wohl , Sie fragten sie nach ihren Verwandten , " fuhr die gute Dame fort : " es soll mich wundern , ob sie sich derselben erinnert . " " Adele , " fragte ich ,