sie das Gicht so plagte . Hatte auch den Strohriegler , jenen Schelmen , noch gekannt , der beim Pfarrer einen raren Schunken aus dem Rauchfang stehlen wollt und dabei in den Backtrog herunterfiel , darin die Köchin den Brotteig auf die Wärm gestellt hatte zum Aufgehen . Durch das Gepolter war diese und auch der Pfarrer erwacht , und sie hatten den Dieb noch brav umgewuzelt in der Mulden und darnach aus dem Haus gejagt , um und um voll Teig . Indes nun der Schneider solche Schwänk auftischte und Kurzweil trieb , saß der alt Thomas hinterm Ofen und rahmte seine Bilder , leimte und nagelte und hielt sich dazu ernst und schweigsam . So gingen also die zwei Tag hin , während der mir der Schneider einen gar ordentlichen Habit zusammengezimmert hatte , darin ich aussah wie ein junger Bauer aus Zell , so daß auch der alt Vater wieder ein Lächeln fand und ein guts Wort , als ich mich dafür bei ihm bedankte . » Ei , tausad , tausad ! « rief er aus ; » jetz bist es aber , der Kronabauer von der Sunnaseitn ! - Jetz wern dir aber d ' Mentscher nachschaugn , wähn i ! « Da fiel mir das Kathreinl ein , das nun schon ein Jahr des Lackenschusters Hausfrau war . Ob sie wohl noch manchesmal an mich dacht ? - Ob es ihr wohl gut erging beim Anderl ? - Und ich wurde still und nachdenklich und hörte kaum auf die Red des alten Thomas , der mich vor den Weiberkitteln warnte und vor zu vieler Kameradschaft . Also kam der Tag vor Maria Reinigung oder Lichtmeß , und ich stand schon in aller Früh vor Taggrauen auf , schmierte meine Schnallenschuh , nahm das feine Haarkettlein der seligen Irscherin aus dem Säcklein , darin ich es verwahrt hielt , legte meine weißen Strümpf an und strählte mir das Haar wie ein Herrischer . Konnte es auch kaum erwarten , bis das Tiroler Katherl angehumpelt kam , und schaute wohl hundertmal nach ihr aus , bis ich endlich ihren roten Kittel hinterm Schneefeld leuchten sah . Der alte Vater betrachtete mit geheimer Freud meine Erregung ; doch sagte er nichts und lächelte nur still in sich hinein , indes er ein Täflein ums ander in die Kirm packte . Indem fielen mir meine Schnitzmesser ein , und ich steckte sie eilends in den neuen Hosensack , obgleich ich keinen Gedanken trug , länger als der Vater Thomas fortzubleiben . Unterdessen war es Zeit geworden zum Gehen , und wir aßen noch jeds einen Weidling voll Milchsuppe , banden uns einen Ranken Speck und einen Scherz Brot ins Tüchl , nahmen den Gehstecken und sagten dem Katherl Pfüa Gott . Trug also der alt Vater seine hochaufgerichtete Bildlkirm am Buckel , indes ich ein leichts Ränzel , darin mein bissel Hab verschlossen war , lustig auf dem Rücken tanzen ließ . Also verließ ich dies geruhige Häuslein , wie ehedem der verlorne Sohn getan und seine gute Heimstatt gegen die fremde Wildnis vertauscht hatte aus reinem Mutwill und Undank . Die Marktreis Da wir durch Bayrischzell wanderten , war es eben um die neunte Morgenstund ; die Glocken des alten Klosterkirchleins läuteten zusammen , und gegen den Gottsacker hin bewegte sich ein langer Leichenzug . Sechs Jungfrauen in weißen Gewändern und hohen , schwarzen Pelzhauben trugen den Sarg , sechs gingen mit brennenden Kerzen nebenher ; dahinter qualmte und duftete der Weihrauch ; ein alter Priester las still in seinem Buch , der Schulmeister schritt gemessen hinter ihm drein , und dann folgten , gedämpft vorbetend , die Männer und Jünglinge : » Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes , Jesus , o Herr , gib ihr die ewig Ruah ! « » Und das ewig Liacht leucht ihr , heilige Maria , bitt für uns arme Sünder ... « , beteten die Weiber und Kinder nach und ließen ihre Rosenkränze durch die Finger gleiten und schauten mitleidig auf das alte Weiblein , welches wohl in der Abgestorbenen ihr Kind so kläglich beweinte ; denn sie tat ganz trostlos und übel . Wir nahmen unsere Hüt ab und blieben stehen , bis der Sarg schwankend durch die Gittertür des Friedhofs getragen war und die Menge dichtgedrängt die offene Grube umstand , indes der Pfarrer mit dem Schulmeister die Grabgebete absang . Dann gingen wir schweigend unsern Weg weiter . Ringsum leuchteten die schneebedeckten Berge in der Sonn , feine Eisstäublein flogen in der kalten , klaren Luft , und der festgefrorne Schnee gurrte und knarzte unter unsern Tritten . Bald lag das Dorf mit seinen niedern Holzhäusern , Schneedächern und leise rauchenden Kaminen weit hinter uns , das Glockengeläute drang nur noch wie ein Hauch im Wind ganz verloren in das Waldtal herüber , und endlich waren wir einsam und weit weg von allem und stiegen langsam empor zum Ursprung der Leizach . Ein kleiner Bergsee lag hier mit einer Fischerhütte am jenseitigen Ufer ; eine dünne Eisdecke spannte sich darüber und knisterte und krachte leise unter der Wärme des Sonnenlichts ; aus der Ferne schallte das Schlagen der Holzfälleraxt , eine Schar Raben flog erschreckt von ihrem Fraß auf , als wir uns näherten , und wir sahen ein tots Reh im Gestrüpp liegen . » Das ist erfroren « , meinte der alt Vater , » ist ein letzer Winter , das ; denk lang kein solchen mehr , der so gach einkommen wär und so gruslat und streng g ' wüat ' t hätt ! « Wir stiegen weiter und waren bald bei der Stockermühl und dem Stockersee , aus dem die Leizach ihre Wasser schöpft . Ein paar Häuslein standen darum , und aus den mit tropfenden Eisblumen überzogenen Fenstern schauten neugierige Gesichter . Grüßend nickte eins oder ' s ander ; aus der Mühl aber lief ein kleins Büblein und rief uns zu : » Wart a bißl ! Zu meiner