Binsen , und Klaus Mewes war es zufrieden , denn der leichte Kahn war eher vom Deck zu werfen als das schwere Boot und mochte ihnen in den Häfen ganz gut zu paß kommen . Adjüst ! Adjüst ! Adjüst ! Sie winkten und stießen vom Bollwerk ab . Seemann stand auf der Ducht und bellte zu Gesa hinüber , die auf dem Deich stand , als wenn auch er Adjüst sagen wolle . Der Ewer entfaltete seine Segel , wie ein Schmetterling seine Flügel , der Anker wurde aufgehievt , wobei Kap Horn nach Matrosenbrauch sang , dann schwoite das Fahrzeug herum , die Lappen fielen voll , - langsam zog es davon und segelte in einem großen Gange westwärts . Gesa winkte noch mal , Klaus Mewes und Störtebeker winkten vom Ruder , Seemann bellte . Da holte Kap Horn schnell seine Harmonika , die geliebte , aus der Koje und spielte : Auf , Matrosen , die Anker gelichtet ... Hell klang es nach dem Deich hinüber , aber Gesa stimmte es doch so wehmütig , daß sie , die sich bisher tapfer gehalten hatte , ins Haus gehen und weinen mußte . So trat Störtebeker seine Seefahrt an , mit seinem Vater am Ruder und bei Sonnenschein auf dem Wasser , unter dem Harmonikaspiel von Kap Horn und dem Gebell von Seemann . Fahr wohl , Störtebeker ! Zehnter Stremel . Nun wölbt euch , große , braune Segel , nun knarrt , ihr Gaffeln , schlagt , ihr Schoten , tanz , Flögel ! Wind mußt wehen , du Sonne mußt lachen , du Wasser mußt blinken , auf daß die Freude in Klaus Störtebekers Herz komme und er die Fahrt lieb gewinne , auf daß er ein Fahrensmann werde ! Daß er sich dem Kampf mit der See zuschwöre wie der Knabe Hannibal dem Kampf mit Rom , daß er auch dann zur See gehe , wenn sein Vater etwa vorzeitig bleiben sollte und seine Mutter einen Landmann aus ihm zu machen gedächte ! Denn navigare necesse est - Seefahrt ist not , und bitter not ist es , daß das Lachen von Klaus Mewes nicht von der See gehe ! * * * Sie hatten Nordwestwind und mußten kreuzen . Hinter dem Schweinesand , dwars von Wittenbergen , füllten sie das Wasserfaß mit frischem Elbwasser , wobei Störtebeker fleißig half , denn er konnte auch schon eine Pütze tragen . Bisher hatten sie nur die drei großen Segel stehen gehabt , nun setzten sie noch den Klüver , das Toppsegel und den Nackenhut auf , um bessere Fahrt zu machen . Dann nahmen sie das Boot aus dem Wasser und setzten es auf die Luken unter den Giekbaum . Auch Störtebekers Kahn wurde aufgehievt : der bekam seinen Platz unter den Luken an Backbord . Hein Mück verstaute den Proviant in die verschiedenen Schappen . Es gab Enden aufzuschießen , sie hatten zu pumpen , das Deck zu schrubben und zu dweilen . Schließlich aber war alles getan bis auf die Fahrt , bis auf das Segeln , bis auf das Kreuzen . Kap Horn legte sich zu Koje , weil er die Nachtwache bekommen sollte . Da stand denn Klaus Mewes am Ruder , und Hein Mück hockte vorn auf Deck , putzte den Kessel und die Gabeln und Messer und bediente die Fock , wenn der Ewer über Stag ging . Störtebeker saß auf den Luken . Seemann hatte den struppigen Kopf auf seinen Schoß gelegt und schlief . Er guckte nach dem Großsegel hinauf , das ihm so hoch , so hoch vorkam , daß er sich immer wieder wundern mußte . » Dat reckt bit inne Wulken , Vadder « , sagte er , » uns Karkturn is nix dorgegen . « » Ree « , rief sein Vater , wenn sie die Grenze des Fahrwassers erreicht hatten , und warf das Ruder herum , daß der Ewer gewaltig aufluvte und in den Wind schoß . Dann sprang Hein Mück auf und hielt die heftig schlagende , rein wild werdende Fock luvwärts fest . Das Großsegel schüttelte sich wie unwillig und haute erregt mit den Schotenblöcken , daß das Deck erzitterte , dann aber war der Ewer herum , die Segel fielen von der andern Seite voll , und der neue Streek begann . » Gohn ! « scholl es über Deck , Hein Mück löste das Tau und gab dem Block einen Fußtritt , daß die Fock nach Lee schlug , wo sie wieder festgebunden wurde . So ging es die ganze Tide . Hinter und vor ihnen waren viele Finkenwärder und Blankeneser unter Segeln , aber der Laertes , der gut kreuzte , blieb doch vorn und ließ sich nicht überholen . So kreuzten sie gegen den allmählich stärker werdenden Nordwest , und Klaus Mewes wies seinem Jungen die Schiffe und Baken , die Tonnen und Feuertürme , die Deiche und Kirchtürme , er erklärte ihm Flaggen und Segel , er zeigte ihm wieder die Windmühlen des alten Landes , die Berghäuser von Blankenese ( » dat de dor ne dolpurzelt ! « sagte der Junge , als er sie in der Nähe sah ) , den Hahnöfersand mit den Krähennestern , den Lühdeich mit den vielen Kirschbäumen , die roten Dächer von Wedel , das Schulauer Feuerschiff , das Wrack beim Hungrigen Wolf , von dem nur noch die Masten und ein Stück vom Steven aus dem Wasser guckten , Juels mit der weißen Bake , Brunshausen mit einem löschenden Neuyorker Dampfer und die Türme von Stade . Störtebeker nahm alles auf und fragte nach allem , aber das Beste war ihm doch der große Ewer in seiner Fahrt . Wie er dahinsauste , wie er in die Seen schoß , und wie dabei das Toppsegel unbeweglich in den Wolken stand , darüber mußte er sich immer wieder wundern . Auch seinen Vater sah er mitunter von der Seite an : obgleich der noch lachte und