so « , murmelte Knospelius und sah Hans schlau von der Seite an , » das also ist jetzt Ihre Besessenheit . Na ja , es ist ganz bequem , eine Besessenheit zu haben . Man braucht da nicht nachzudenken , was man tun soll , man muß etwas tun , ob man will oder nicht . Das ist so wie bei einer Staatsanstellung , man muß in das Bureau , ob man will oder nicht . Ich habe meiner Besessenheit jetzt den Abschied gegeben . « Sie mußten stehen bleiben und nach ihren Hüten greifen , die ein Windstoß ihnen vom Kopfe reißen wollte . Dann wies Knospelius zur Düne hinüber und sagte : » Ihre Frau Gemahlin sitzt dort oben schon neben der Staffelei und näht , glaube ich . « » Ja , sie näht Hemden für Fischerkinder « , erwiderte Hans zerstreut . Aber Knospelius ' großes , bleiches Knabengesicht schaute forschend und aufmerksam zu ihm auf : » So , das ist neu . « » Ja , das ist neu « , bestätigte Hans obenhin . » Übrigens gehe ich auch jetzt arbeiten ; auf Wiedersehen « , und er stieg die Dünen hinauf . Knospelius stand noch da , schaute zu Doralice hinüber und murmelte : » Ja , das ist neu . « - Doralice saß da und nähte . Das tat sie jetzt gern , denn es sah beruhigt aus , sah aus , als sei alles in Ordnung . Nur hielt sie es nicht lange aus , das Säumen der Leinwand machte ihre Finger nervös . Bald warf sie die Arbeit fort und streckte sich auf ihrer Decke aus , um zu den Wolken hinaufzustarren . Sie hörte Hans zuweilen zu seiner Malerei sprechen . » Was ist denn das ? « rief er plötzlich , » etwas ganz Neues . « - » Was denn ? « fragte Doralice . - » Sehr merkwürdig « , sagte Hans , » mit einem Male auf jeder Welle ein kleiner Heiligenschein . Es sieht aus , als ob jeder Wellenkamm mit einem Lichtstifte übergangen worden wäre . « » Ja , da kommt alles Mögliche vor « , bemerkte Doralice , ohne sich aufzurichten . » Sehr merkwürdig « , fuhr Hans fort , » einmal habe ich schon etwas Ähnliches gesehen , als ich als Knabe einmal die Schafe hütete , da hatten all die kleinen Hügel plötzlich diese Heiligenscheine . « Ach , dachte Doralice , jetzt hat er noch die Schafe gehütet . In letzter Zeit kamen in Hansens Bemerkungen immer wieder das Dorf und das Bauernblut und die Feldarbeit vor . Das klang fast wie ein Vorwurf gegen sie und als Hans hinzufügte : » Ja , auf der Schafweide lernt man manches « , konnte sie sich nicht enthalten , gereizt zu antworten : » Ich kann doch nichts dafür , daß ich nicht die Schafe gehütet habe . « Hans machte sofort sein förmlich freundliches Gesicht , mit dem er in letzter Zeit ihr zu begegnen pflegte , und sagte höflich : » Gewiß , das verlangt niemand von dir . Du hast auch sicherlich in deinen Verhältnissen manches Wertvolle gelernt , das man auf der Schafweide nicht lernen kann . « Doralice seufzte , und es entstand wieder eines dieser langen Schweigen , das jetzt häufig zwischen ihnen herrschte . Sie hatte nicht gewußt , daß zwei Menschen so viel miteinander schweigen könnten , wie Hans und sie es taten . Plötzlich warf Hans seinen Pinsel fort und meinte , diese Erscheinung müsse er näher beobachten , er wolle auf das Meer hinausfahren . Dann lief er zum Meere hinab . Doralice blieb ruhig liegen , bei diesem Winde nahm er sie ja doch nicht mit . Das war also das stille Nebeneinanderhergehen . Anfangs war es Doralice wie Friede und Sicherheit erschienen . Sie war ja ganz verlassen inmitten einer feindlichen , unheimlichen Welt , nun aber wurde es zu einer sehr erregenden Sache . Wenn Hans da schweigend vor seiner Staffelei stand , dann wußte Doralice doch , daß er innerlich mit ihr sprach , daß er ihr Vorwürfe machte , daß seine stolze und verwundete Liebe sich mit der ganzen heißen Beredsamkeit über sie ergoß , die Hans eigen war . Sie war dessen so gewiß , als sähe sie , wie einer zu ihr sprach , nur daß er noch zu fern war , daß sie ihn hörte . Sie sprach ja auch beständig in Gedanken zu Hans , rechtfertigte sich , beschuldigte ihn , demütigte sich . Einmal jedoch mußte der Augenblick kommen , daß sie beide zu voll von dem , das sie einander zu sagen hatten , waren , und es heraussagten , dann kam die Stunde der großen Aussprache , der Versöhnung . Das gab es doch , das stand doch in allen Büchern , das sah man auf allen Theatern , das mußte kommen . Auf diese Stunde zu warten war Doralices Beschäftigung in den langen ereignislosen Tagen . So viel sie konnte , war sie bei Hans , um den richtigen Augenblick nicht zu versäumen , bei jedem seiner Worte horchte sie auf , ob es nicht der Beginn der Aussprache sei . Genau wußte sie , was sie dann sagen würde , und fühlte schon im voraus den Schmerz und die Wonne des unendlich starken Empfindens . Aber auch Ungeduld quälte sie dann , warum kam es nicht ? Wie lange sollte es noch dauern ? Sie konnte nicht mehr ruhig auf der Düne liegen , sie wollte hinuntergehen und vor dem Hause sitzen , auf das Meer hinaussehen und sich vorstellen , was Hans dort in dem Boot zu ihr sprach . Heiß schien die Sonne auf die Bank . Die Mutter Wardein nickte und rückte zur Seite , als Doralice sich zu ihr setzte . Vor ihnen auf dem Sande trieben sich magere Hennen umher und piepten freudlos und ergeben .