Sie schossen sich auf Barriere . Valer war vollkommen passiv dabei , blieb unverrückt auf seinem Platze stehen und machte keine Miene anzugreifen . Desto eiliger avancierte der Gegner . Als Valer die blutigste Absicht nicht mehr verkennen mochte , regte sich ihm die Galle auch , er trat einen Schritt vor und drückte ab , im nämlichen Augenblick tat ' s der Gegner auch - Blitz und Knall von beiden Seiten , beide stürzen zusammen . Kaum fing ich meinen armen Freund noch in den Armen auf . Das Blut stürzte aus der oberen rechten Brust . Eh ' ich ihn noch ins Haus bringen konnte , hatte sich der Gegner aufgerafft , er war nur von einem Streifschuß am Schlaf betäubt gewesen und kam ohne Maske zu uns heran . Valer , der nicht einen Augenblick die Besinnung verlor , schien ihn sogleich zu erkennen und machte - sprechen konnte er nicht - eine unwillige Bewegung mit der Hand zum Zeichen , daß er ihm aus den Augen gehen möge . Der Narr konnte aber sein Komödienspiel nicht lassen und fing an zu deklamieren , er sei Klaras Bruder , und Valer habe seine Schwester unglücklich gemacht , ein Brief , den er bei seiner Schwester gefunden , habe es ihm verraten . - - Es wurde mir zuviel , und ich drängte ihn mit Schulter und Arm von meinem Freunde weg , ihm bedeutend , daß Epiloge vor einem Schwerverwundeten überflüssig seien , und daß ich ihm mit meiner Sekundantenkugel den Weg zeigen würde , wenn er sich nicht schleunig davon mache . Dem Grafen sagte ich einige harte Worte wegen dieses unziemlichen Betragens , er zog den Mann mit dem gelben Italienergesicht fort . Ich trug Valer auf sein Zimmer ; es war sehr früh am Tage . Niemand störte mich . Der Graf hatte schon den Abend vorher nach einem Arzte geschickt , der ward herbeigeholt und untersuchte die Wunde . Die Kugel war dicht unter der Schulter hineingegangen und saß noch drin . Der maliziöse Schuft hatte wenig Pulver genommen . Valer hatte noch kein Wort gesprochen ; wir legten ihn so , daß er es bequemer hatte , und er forderte plötzlich den zögernden Arzt auf , rasch ans Werk zu gehen , die Kugel herauszuziehen und ihm rund und bar zu sagen , ob es das Leben koste , und wie lang es dauern könne . Der Arzt schien ein Tölpel zu sein , machte dem armen Valer unsägliche Schmerzen , eh ' er die Kugel fassen und herausbringen konnte , und zuckte dann , nochmals befragt , unsicher die Achseln . Ich stieß den Narren weg , nahm die Untersuchungswerkzeuge , und forschte sorgfältig , wie weit die Kugel gedrungen . Ich habe ja doch nicht umsonst mit Cuvier am menschlichen Körper die Lebensströmungen aufgesucht . Mein Bescheid war etwas tröstlicher . » Es ist Gefahr da , Valer , sie kann aber abgewendet werden , wenn du mehrere Tage ohne äußerliche und innere Bewegung still ruhest . « - » Ich danke Dir , - sagte er - berichte dem Manne noch , daß er seine fanatische Wut aufgeben und versichert sein möge , er sei im Irrtum über mich und seine Schwester . « - » Ich will lieber dem Hanswurst den Hals brechen . « - Valer machte lächelnd eine mißbilligende Bewegung ; ich ging zum Grafen . Das ganze Haus war aufgeweckt und voll Besorgnis ; die arme Alberta , das gutmütige Kind , hatte verweinte Augen , auch Gräfin Julia war da , und das schlimme Weib hat mich noch nie so angelegentlich um etwas gebeten als hier um Nachricht über Valer ; selbst die Fürstin hatte sich eingefunden und stellte sich besorgt um unsern Freund . Der Graf begegnete mir und war auf dem Wege zu uns ; der gute alte Mann haste geweint , und war in Todesangst um seinen Liebling , dem er bereits im Herzen alles Mißtrauen abgebeten , das etwa die Anklage des Fremden erregt haben mochte . Ich teilte ihm Valers Auftrag mit ; der Fremde war schon fort , er ist Kamillas Verlobter , und ist seiner entflohenen Braut nachgeeilt . Gott weiß , was der flüchtigen Kamilla durch den Sinn gegangen ist . Es hat mich gerührt , wie alle Domestiken schluchzend herankamen , um zu fragen , ob der gute Herr Valerius auch am Leben bleiben werde . Es ist mir immer bewundernswert an Valers eigentlich so vornehmem Wesen geblieben , wie demokratisch er die unter ihm Stehenden zu behandeln und dadurch zu fesseln weiß . Es ist nicht die niedrige Volksschmeichelei , die ich ebenso hasse wie das Speichellecken eines Hofrats , es ist das vertrauliche Zugeständnis , der andere habe dieselben Ansprüche wie er , und nur die Mittel , selbige geltend zu machen , seien verschieden , was dem Valerius soviel Herzen unter der Volksmasse gewinnt . Es wäre entsetzlich , wenn der Tod seine Krallen in das schöne Herz schlüge . Ich habe Valer sehr lieb . Selbst ein allzu sanguinischer Mensch brauche ich wechselnde Wogen und Stürme , aber mein Auge ruht aus auf meines Freundes Spiegelfläche des inneren Meeres . Ich bin gewiß , daß es ihm unsäglich viel kosten mag , so ruhig und geordnet zu sein , die Gedanken , die oft so wild und toll sind gleich den blutdürstigen Tieren der Wüste , also gezähmt zu haben , daß sie wie stolze zivilisierte Löwen und Panther vor seinem Wagen einhergehen , ich bin überzeugt , daß es seine besten Kräfte verzehrt , die umfassendste Revolution im Busen zu tragen und doch der Humanität keinen Augenblick zu vergessen . - Seine Gefahr hat das Unglaubliche vermocht : sie hat eine Pause in meiner Leidenschaft zu Julia hervorgebracht , ich darf und will jetzt nicht an das Weib denken , nach dem mein ganzes Wesen sich breitet , wie der Sturmwind über die Fläche , die er bedecken , durchdringen