, halb schlüpfriger Leidenschaften plätscherten , so tugendhaft sie auch vor ihren Mitbürgern sich halten mußte . Er ist doch aus Fleisch und Blut , kalkulierte sie , und wenn schon der närrische Daumer in allen Tönen von seiner Engelsunschuld schwärmt , als erwachsener Mensch weiß man , was der Hahn mit den Hühnern treibt . Er heuchelt , er hält mich zum besten ; warte , Kerl , ich will dir den Gaumen trocken machen . Auf dem Markt , zur Rechten vor dem Beholdschen Haus , stand der sogenannte schöne Brunnen , ein Meisterwerk mittelalterlich-nürnberger Kunst . Seit grauen Zeiten erzählte man den Kindern , daß der Storch die Neugeborenen aus der Tiefe des Brunnens hole . Frau Behold fragte Caspar , ob er davon vernommen habe , und als er verneinte , sah sie ihn mit schlauem Augenzwinkern an und wollte , wissen , ob er daran glaube . » Ich seh nur nicht , wo der Storch da hinunterfliegen kann , « antwortete er harmlos , » es ist ja alles mit Gittern vermacht . « Frau Behold staunte . » Ei du Tropf ! « rief sie aus , » schau mich einmal aufrichtig an ! « Er schaute sie an . Da mußte sie die Augen senken . Und plötzlich erhob sie sich , eilte zur Kredenz , riß eine Lade auf , schenkte sich ein Glas Wein voll und trank es auf einen Zug leer . Sodann ging sie ans Fenster , faltete die Hände und murmelte mit einem Ausdruck von Stumpfsinn : » Jesus Christus , bewahre mich vor Sünde und führe mich nicht in Versuchung . « Es bedarf kaum der Erwähnung , daß sie sonst eine höchst aufgeklärte Dame war , die sich das ganze Jahr nicht in der Kirche sehen ließ . Es war schon Mitte August , und große Hitze herrschte . An einem Sonntag veranstaltete der Bürgermeister ein Waldfest im Schmausenbuk ; Caspar war am Morgen mit dem Stallmeister Rumpler und einigen jungen Leuten bis Buch geritten und war so müde , daß er nach Tisch in seinem Zimmer einschlief . Frau Behold weckte ihn selbst und hieß ihn sich ankleiden , da der Wagen warte , der sie zum Festplatz bringen sollte . Auf Caspars Frage , ob noch wer mitgehe , erwiderte sie , zwei Knaben führen mit hinaus , die Söhne des Generals Hartung . Da sagte Caspar enttäuscht , er wünschte , daß Frau Behold ihre Tochter mitgehen lasse , denn die werde sich grämen , wenn sie zu Hause bleiben müsse . Frau Behold stutzte und wollte zornig werden , nahm sich aber zusammen . Sie beugte sich vor , ergriff mit der Hand einen Bündel Locken auf Caspars Kopf und sagte boshaft : » Ich schneide dir die Haare ab , wenn du wieder davon anfängst . « Caspar entwand sich ihr . » Nicht so nahe , « flehte er mit aufgerissenen Augen , » und nicht schneiden , bitte ! « » Hab ich dich ! « drohte Frau Behold , gezwungen scherzend . » Hab ich dich , furchtsames Menschlein ? Noch ein Widerpart , und ich komme mit der Schere ! « Während der Fahrt blieb Caspar schweigsam . Die beiden Knaben , die vierzehn und fünfzehn Jahre alt waren , neckten ihn und suchten etwas aus ihm herauszulocken , da sie stets wie über eine Art Wundertier über ihn hatten sprechen gehört . Nach Schuljungengewohnheit fingen sie an , prahlerische Reden zu führen , als ob es keine gelehrteren und scharfsinnigeren Menschen gäbe . Weit auf der Landstraße draußen rief der eine , er höre schon die Musik aus dem Wald , da entgegnete Caspar , ärgerlich über das Wesen , das die beiden von sich machten , das wundre ihn , er höre nichts , dagegen sehe er auf einer hohen Stange fern über den Bäumen eine kleine Fahne . » O die Fahne , « meinten jene geringschätzig , » die sehen wir schon lang ! « Auch hierüber wunderte sich Caspar , denn er hatte sie erst im Augenblick wahrgenommen , ein schmales Streifchen , das nur im Wehen des Windes sichtbar war . » Gut , « sagte er , » wenn sie wieder weht , will ich euch fragen , ob ihr es bemerkt . « Er wartete eine Weile und stellte dann , während die Fahne ruhig war , die irreführende Frage : » Also , weht sie jetzt oder nicht ? « » Sie weht ! « antworteten die Knaben wie aus einem Mund , doch Caspar versetzte ruhig : » Ich sehe daraus , daß ihr nichts seht . « » Oho ! « riefen jene , » dann lügst du ! « » So sagt mir doch , « fuhr Caspar unbekümmert fort , » was für eine Farbe sie hat . « Die Knaben schwiegen und guckten , dann riet der eine ziemlich kleinlaut : » rot « , der andre , etwas kühner : » blau . « Caspar schüttelte den Kopf und wiederholte : » Ich sehe , daß ihr nichts seht ; weiß und grün ist sie . « Daran war schwer zu mäkeln , eine Viertelstunde später konnten sich alle von der Wahrheit überzeugen . Aber die Knaben blickten Caspar voll Haß ins Gesicht ; sie hätten gern vor Frau Behold geglänzt , die die ganze Unterhaltung wortlos mitangehört hatte . Caspars Gegenwart beim Fest zog , wie immer , eine Anzahl Gaffer herbei , darunter waren einige Bekannte , junge Leute , die sich seiner annehmen zu sollen glaubten und ihn Frau Behold unerachtet ihres Widerspruchs entrissen . Es war anfangs nur eine kleine Gesellschaft , die sich aber allgemach vergrößerte und , indem einer den andern anfeuerte , lauter Tollheiten beging . Sie warfen Tische und Bänke um , schreckten die Mädchen , kauften die Krämerbuden leer , verübten ein wüstes Geschrei und stellten sich dabei an , als ob