. Der Kopf war ihm , wie das Gesicht auf dem Schweißtüchlein der heiligen Veronika . Die Augen sahen ihn mit einer Frage an . Wie ein Dolchstoß ein Strahl daraus . Und Einharts Seele lag offen wie in Blut und Flammen . Er empfand ein seltsames Gefühl , als wenn seine Pulse jagten und jagten . Der Kopf im Raume ragte immer kleiner und immer ferner . Wie eine ferne , süße Weise schien er hinzuschweben . Wie eine nie erhörte Sehnsucht schien er zu rufen . Und Einharts Herz lag wie ein Blutschwall , den er empfand , als wäre er von einem Dolche getroffen , und das Leben ginge aus . Einhart fühlte jetzt deutlicher , daß das Herz ihm in sinnloser Unruhe pochte bis in Hals und Hirn . Aber er konnte sich gar nicht ermannen . Es geriet immer sinnloser . Die Traumgrimassen spielten toller und toller . Wie im Jagen kamen ganze Reihen Männer und Weiber . Grottfuß im Frack und mit dem Zylinder im Nacken im Ringelreigen mit Margit . Die Schöße flogen . Die Hände verschlangen sich . Alle nickten und warfen die Beine wie eine Bachantenschar , Frau Rehorst umrasend , die wie ratlos in der Mitte stand : in langen , fließenden Gewändern priesterlich opfernd . Und Flammen schlugen empor und schlugen empor , immer höher und immer rasender umtollt . Meister Teodor lachte und schrie in die Welt mit großem , offenen Munde . Und Meister Soukoup schrie in die Welt . Die Münder waren Höhlen geworden . Die Flammen erfüllten alles . Die Menschen waren in Rauch und Flammen . In der Ferne schwand , wie eine Seele hinter Flammen und lohenden Bränden , die weiße , stille Priesterin und lächelte zu Einhart und lächelte und regte die sanfte Hand mit zärtlicher Geberde . Und ging dann hin in Rauch und Nebel , sausend , stumm - leise - schwebend - einzig-fern - ahnend - wie Flammen singen - schmerzlich - zerwehend die Jagd und den Wirbel , der gegenstandslos wurde . Daß nur eine quälende , nagende Empfindung wie ein brennender Durst Einhart endlich aus seinen Träumen auftrieb . Er nahm die Lippen zusammen . Er nahm die Mantelfalten zusammen . Er öffnete endlich die Augen . Er sah , daß der Morgen zum Fenster hereinschien , blaudunkel und kalt . Daß der Himmel sich gelichtet . Da besann er sich , trank Wasser aus dem Waschkrug , der halbvoll am Boden stand und suchte nach Holzspänen , um Feuer im Eisenofen anzuzünden . Dann brannte es und krachte es bald . Die Nacht war mit ihrem sinnlosen Gespensterreigen im Nüchternen ertrunken . Einhart ging ohne sich zu besinnen an seine Arbeit . 8 Einhart hatte sich tagelang eingeschlossen und allen Versuchen , an seiner Tür zu rütteln und Einlaß zu gewinnen , hatte er ein unaufweckbares Schweigen entgegengesetzt , daß es ihm gelungen war , leidenschaftlich in die Arbeit zu versinken . Auch Grottfuß hatte vor Einharts Tür gestanden . Aber gerade Grottfuß wäre er am wenigsten geneigt gewesen , Einlaß zu gewähren . Auch wenn er mit Margit gekommen . Einhart hatte sich hinter seiner Tür nicht geregt . Er hatte nicht daran gedacht , zu öffnen . Grottfuß hatte schließlich mit ein paar sinnlos derben Schlägen an die Täfelung der Tür geschlagen und war mit Flüchen die Treppe hinuntergegangen , im Zorn die Beine nicht hebend und recht achtlos hinabpolternd . Einhart stand und malte . Er hatte die Tafeln zur heiligen Geschichte einfach an dem Morgen nach der Gesellschaft bei Rehorsts beiseite geschoben . Ihn beherrschten jetzt andere Dinge . Der Abend hatte ihn in einer unbestimmten Aufregung zurückgelassen . Die Aufregung war noch nach Tagen nicht gewichen . Er hatte gleich am Morgen Skizzen zu einem großen Bilde zu machen versucht . Wie in allem bei Einhart , lief Traum und Wirklichkeit zusammen im Werke . Und seltsam auch , daß sich die Träume , die sich in langen Verwebungen immer um irgendein Frauenbild gesponnen gleich in der ersten Nacht , sich in den Nächten nach der Arbeit in allerlei sinnlosen Varianten wiederholten . Es war Einhart klar geworden , daß es immer Frau Rehorst war . Etwas wie die freie , schwermütige , edle Hüterin im Reigen stand überall auch in seinen Skizzen auf . Wachen und Traum ging durchaus ineinander . In Einhart waren auch allerlei Gefühle wie Peinigungen aufgewacht . Das war , weil er nie im Leben bisher in solche festliche Schönheit eingetreten , wie sie ihn bei Rehorsts umgeben . Auch nie unter eine solche Fülle eigentümlicher Unterschiede und Gegensätze der Menschen . Er mußte aus der widerstreitenden , chaotischen Menge , die man eine Gesellschaft hieß , den Faden finden , um endlich wieder zu sich zu kommen . So malte er . Und er hatte nach seinen Skizzen eine große Tafel gleich begonnen . Es wäre ihm einfach wie der Tod seiner Ideen erschienen , wenn jetzt ein profanes Auge Aufklärung über das verlangt , was auf seine Leinwand kam . Der Gedanke , daß er auch nur einem dieser Köpfe sollte ein Etikette ankleben , war ihm wie ein Schmerz . Aber seltsamer noch , wie Einhart beim Malen erst sozusagen hinter das Leben kam , was sich dort im reichen Hause und unter all den gleichgültigen oder jungheiteren Menschen abgespielt . Da begriff er immer neu , daß man über das Leben viel träumen müsse , um es ganz zu umfassen und aufzusaugen . Da ging es wie eine Ahnung in ihm , daß Träume oft das Licht der Tiefe sind , das sich sanft scheinend über Dinge und Taten breitet , wie Deutungen , wenn die Anspannungen und Vergewaltigungen der Notdurft und der Oberfläche schweigen , die wie ein irrer Wind nur zu leicht die Leuchte wahrer Erkennung verlöschen . Da kamen auf die Tafel nun aller Augen mit einem Sonderglanze aus dieser Erkennung . Jedem Kopfe wußte er seine Laune und