sungen . Sie sind doch sein Freund , Herr Schratt . Sagt er denn zu Ihnen auch nix ? « » Nein , Frau Sekretär , und ich fürchte , er wird mich auch fernerhin nicht ins Vertrauen ziehen . Er verbirgt sein Leiden . « » Wissen Sie , was ihm fehlt ? « » Ich habe eine Vermutung , Frau Rottenfußer . Aber die ist lateinisch und stammt von einem gewissen Horatius . Dulce ridentem Lalagen amabo , Dulce loquentem . « Und dann kam der Tag , an welchem Frau Sophie Sporner , als eine Freundin der Wirklichkeit , den Bau der Luftschlösser einstellte und den holdseligen Garten verschloß , so daß die Gedanken nicht länger darin spazieren gehen konnten . Und es kam der Abend , an welchem Sylvester müde und abgespannt im Zimmer seines Freundes saß . Schratt klopfte ihm auf die Achsel . » Sie wollen mir heute etwas erzählen , nicht wahr ? « » Ja . « » Ich kann Ihnen entgegengehen . Sie heißt Traudchen und ist die Tochter des wackeren Michael Sporner . « » Ich weiß , daß Sie ihn kennen . « » Nicht bloß ihn ; auch ein Mädel mit lustigen Augen , das sich in der letzten Zeit sehr für Musik interessierte . « » Woher wußten Sie , daß ... « » Es war nicht schwer zu erraten . Sie wurden in der letzten Zeit so sangesfreudig und hatten ihre Gedanken immer anderswo , wenn Sie mir die seltene Ehre schenkten . « » Es kommt Ihnen recht lächerlich vor , Herr Schratt ? « » Ein wahres Gefühl ist nicht lächerlich . « » Aber daß ich vergessen habe , was ich bin ? « » Vorerst sind Sie Student , und Ihre Zukunft liegt noch frei vor Ihnen . « » Ich kann nicht Geistlicher werden . « » Stimmungen sollen da nicht mitreden , Sylvester . « » Es ist nicht deswegen , wie Sie vielleicht meinen . Ich weiß schon lange , daß ich mich nicht zwingen kann . « » Wollen Sie einen Rat von mir hören ? « » Ja , ich bitt ' Sie darum . Ich habe sonst niemand , den ich fragen kann . « » Sie sollen nicht sofort , Hals über Kopf , Ihr Studium aufgeben . Bleiben Sie noch dieses Semester dabei ! So einfach ist die Sache nicht . Sie werden Verschiedenes durchzufechten haben . « » Danach frage ich nichts . « » Nicht so schnell ! Jedenfalls müssen Sie wissen , was Sie anfangen wollen . Ich halte Sie für so vernünftig , daß Sie sich keinen Illusionen hingeben , die auf eine junge Dame abzielen . « » Nein , Herr Schratt . Ich weiß , daß alles aus ist . « Der Alte lächelte . » Das klingt entsagungsvoll . Aber aus oder nicht aus , Sylvester , auf keinen Fall darf das jetzt eine Rolle spielen . Sie werden nicht in die weite Welt hinausstürmen , um Ihr krankes Herz zu heilen und so weiter . Sie müssen die Zukunft nüchtern erwägen . Und darum ist fürs erste mein Rat , Sie bleiben noch bis Ostern der candidatus theologiae . « » Mein Entschluß ist aber fest . « » Ich glaube Ihnen das . Trotzdem , folgen Sie mir ! Sie haben dann fast vier Monate zur Überlegung , und der Zeitverlust kommt bei Ihrer Jugend nicht in Betracht . Außerdem sprechen noch andere Gründe dafür . Rücksicht auf die Familie Sporner . Wenn Sie jetzt Knall und Fall weggehen , bringt jedermann Ihren Entschluß in einen gewissen Zusammenhang mit Ihrem Verkehr in dem Hause . « - » Das sehe ich ein . « » Gut ! Da wären wir also in der Hauptsache einig . Alles weitere können wir noch überlegen . Ob Sie ein anderes Studium ergreifen , oder was Sie sonst tun wollen . « » Darüber weiß ich gar nichts . « » Heute müssen Sie sich ja nicht entschließen ; aber eines , wenn Sie keine bestimmte Neigung haben , nur kein Brotstudium ! Alles ist besser . Zum Beispiel in ein Geschäft eintreten , in dem Sie gleich tüchtig arbeiten müssen . « » Das wäre mir auch das Liebste . « » Ich meine aber nicht bei Sporners seligen Erben , Sylvester ! « Die beiden saßen noch lange zusammen . Sylvester wurde gesprächig , als er über seine Verlegenheit weggekommen war . Und der Alte ließ ihn gewähren . Er gab ihm noch manchen Rat für die nächste Zukunft . Als Sylvester sagte , der Gedanke bedrücke ihn , daß er unter den veränderten Umständen die Hilfe seines Vetters in Anspruch nehmen müsse , erwiderte Schratt , dagegen könne vielleicht Rat geschaffen werden . Er habe einen alten Freund mit Namen John White aus Milwaukee , früher Hannes Weiß von Pirmasens . Er lebe in hiesiger Stadt und habe ihm einmal gesagt , daß er für seinen Enkel einen Hauslehrer suche . Wäre die Stelle noch frei , so könne Sylvester sie erhalten ; aber auch sonst würde sich schon etwas finden . » Darum Kopf hoch ! « sagte er . » Die Sorge wird Sie nicht drücken . Und tut Ihnen die Erinnerung an glückliche Stunden weh , dann sagen Sie mit unserm Goethe : Ich träumt ' und liebte sonnenklar ; Daß ich lebte , ward ich gewahr . « Zwölftes Kapitel Am 6. Dezember kam ein Schreiben des Bezirksamtes zu Handen des früheren Bürgermeisters Kloiber von Erlbach . Es wurde von ihm dem Ausschusse bekannt gegeben am Tage Maria Empfängnis , am 8. Dezember . Der Schuller war anwesend und hörte zu , als Herr Stegmüller das Schreiben vorlas . » Der Wahl des Andreas Vöst wird die Bestätigung versagt . « Stegmüller räusperte sich , als er den Satz gelesen hatte . » Und jetzt kommen die Gründe , « sagte er