. » Das sind keine höflichen Leute , « urteilte er . » Ich habe sie gegrüßt , aber sie dankten nicht , sondern lachten mich aus . Muhammed hat den Gruß geboten , und so grüße ich alle Menschen , auch die , welche nicht Muhammedaner sind , denn gerade weil ich einer bin , muß ich zeigen , daß wir höflich sind . Wenn diesen Leuten ihr Christentum befiehlt , mich auszulachen , anstatt mir zu danken , so sollten sie daheimbleiben und nicht dahin gehen , wo der Gruß geachtet wird . « Ich sagte nichts dazu , denn er liebte gewisse Leute nicht , und ich fühlte mich nicht berufen , über diese seine Abneigung mit ihm zu streiten . » Sihdi , was heißt im Englischen tail ? « fuhr er fort . » Schwanz und auch Zopf . « » Ape und monkey ? « » Affe . « » So haben sie einem Chinesen nachgerufen , welcher hier wohnt und auch höflich grüßte , als er an ihnen vorüber und nach seinem Tische ging . Wenn sie mich oder einen Andern beleidigen , so bin ich still , weil ich eben Sejjid Omar bin ; aber hätten sie das dir getan , so dürften meine Fäuste wohl gute Arbeit bekommen haben ! « Was diese seine Fäuste betraf , so mußte man Respekt haben . Er war nichts weniger als ein Losschläger , aber ein riesenstarker Kerl und kannte keine Furcht . Wo es Krakehl gab , da entfernte er sich stolz ; aber es war auch vorgekommen , daß man ihn nicht gehen ließ , und da hatte er sich , ohne die Gegner zu zählen , mit einigen guten Hieben prächtig Luft gemacht . » Es muß ein Mann hier wohnen , welcher Kun-Yen22 heißt , « sprach er weiter . » Auch ein gewisser Tuan23 und ein Anderer , dessen Name Yung-lu24 ist . Es ist eine große Prügelei , welche beginnen soll . Sie sprechen davon ; sie lachen ; sie freuen sich und trinken Wein und Schnaps dazu . Es geht mich nichts an , gar nichts ; aber meinst du nicht , Sihdi , daß ich diesen Kun-Yen aufsuchen und warnen soll ? « » Er wohnt nicht hier . Du hast diese Leute nicht richtig verstanden . Gehe ihnen aus dem Wege ! Das ist das Beste , was du tun kannst , « belehrte ich ihn lächelnd . Da ich früh einen Ritt nach Paragoda machen wollte , so legte ich mich zeitig schlafen . Aber ich hatte kaum die Augen geschlossen , so kam es die Treppe herauf gepoltert und gebrüllt , als ob die Stiegen lauter Tamtams wären . Es hatte den Leuten unten nicht mehr gefallen ; sie kamen herauf in meine Etage , wo sie zusammen zwei Zimmer mit je drei Betten hatten . In dem , welches neben dem meinigen lag , setzten sie sich fest . Sie feierten irgend ein Ereignis , über welches sie in Wonne geraten waren . Der Wirt mußte Champagner und Cognac bringen und sie selbst bedienen , denn sie seien Gentlemen , für welche die singhalesischen oder tamilischen Kellner nicht hoch genug ständen ; aus solchen Händen könne man nichts genießen . Ich weiß gar wohl , daß die sogenannten » Pioneers der Civilisation « nicht immer zur Elite der Gesellschaft gehören , und daß man besonders in den Hafenstädten des Orients nicht erwarten darf , nur auf geistige Nachkommen von Knigge zu stoßen ; es flegelt sich sogar in den Salons und auf den Promenadendecks erster Klasse unserer Lloyddampfer so mancher Passagier herum , der seinem rücksichtslosen Benehmen nach eigentlich auf das Zwischendeck gehört , und es kann vorkommen , daß , während ich ein vorüberrauschendes Schiff betrachte , eine Dame sich gerade so und in der Weise vor mich hinstellt , daß sie mich auf beide Füße tritt , obgleich mehr als genug Platz zu beiden Seiten ist ; auch weiß ich gar wohl , daß die meisten dieser gesellschaftlichen oder ungesellschaftlichen Gepflogenheiten aus einer ganz bestimmten Gegend stammen und dort großgezogen werden ; aber es kann mir doch nicht einfallen , aus dem Grunde , daß einzelne Personen sich für Uebermenschen halten , deren ganzes Volk als Uebernation zu betrachten , sondern ich weiß , daß sie wie jede andere und auch die unserige ein Recht auf Nachsicht und Verzeihung hat , und pflege diese Milde besonders gern an ihren Uebermenschen auszuüben , weil sie ihrer am bedürftigsten sind . Darum war ich auch jetzt entschlossen , den Lärm im Nebenzimmer , welcher immer mehr in Radau ausartete , ohne Gegenwehr über mich ergehen zu lassen . Aber es wurde mir außerordentlich schwer gemacht , diesem Vorsatze treu zu bleiben . Der Wein heizte , und der Kognak brannte . Die Hilfsgeister eines falschen Patriotismus wuchsen riesengroß ; das laute Sprechen , welches vom Dache über uns mit doppelter Stärke zurück und in alle Zimmer geworfen wurde , steigerte sich zum Lärm und drohte zum Skandal zu werden . Man schrie , man schimpfte , man lachte , man sang Trutzlieder ; man gröhlte und johlte ; man warf Flaschen und Gläser an die Wand , und zwar zu Ehren dieses oder jenes Ministers oder Diplomaten . Da stand ich denn doch auf , zog mich an und ging hinaus , um mir von dem Wirte ein anderes Zimmer geben zu lassen . Er stand in der ersten Etage und sprach mit Sejjid Omar , welcher wegen des wüsten Gebrülls sehr besorgt um mich war und ihn interpelliert hatte . Es gab kein anderes Zimmer . Ein vor kurzem eingelaufener Dampfer hatte neue Gäste gebracht , welche nur mit Mühe unterzubringen gewesen waren . Man fühlte sich im ganzen Hause über das Benehmen dieser Menschen empört , und als ich ihm drohte , nach einem andern Hotel zu gehen , welchem Beispiele wohl auch die andern Gäste folgen würden , entschloß