hindurch und befestigte sie so auf ihrem Kopfe . Dann wandte sie sich lächelnd zu dem Manne . - - Der aber hatte Ihre Züge angenommen , und das Bild der Frau , das sich in seinen Augen spiegelte - war mein eigenes ! Ich wollte mehr und tiefer schauen - doch die Vision entschwand - das blaue Meer ward grau und trübe - die beiden Gestalten versanken . Ich befand mich wieder in dem dürftigen Pekinger Hotel-Zimmer ; vor mir hing der kleine gesprungene Spiegel ; die Amah stand neben mir , als sei nichts vorgefallen . Aber meine Frage : » Wann ? Wo ? « war beantwortet . In Uranfangszeiten haben wir beide zusammen an sonnigem Strande gesessen - vielleicht war ich einstmals das erste Wesen , das sich schmückte - einem anderen zu gefallen . Die grüne Nephrit-Schale , die Sie mir mit den Magnolienblüten sandten , hat mich nie verlassen . Sie steht auch heute vor mir , und ich starre auf die seltsamen , fremden Schriftzeichen , die in den harten grünen Stein gemeisselt sind und die da bedeuten : was einmal auf dem ewigen Rade der Zeiten gewesen , muss stets von neuem wiederkehren . Wirres Vergangenheitserinnern , banges Zukunftsahnen durchschauert mich . Im Dunkeln tasten wir umher , bis wir in völliger Nacht versinken - wissen nicht , woher wir kommen , noch wohin wir gehen . 46 New York , den 24. Juni 1900 . Immer dieselben widersprechenden Nachrichten in den Zeitungen . Die Schilderungen entsetzlicher Metzeleien , daneben die Versicherungen chinesischer Gesandten , das die Fremden in Peking noch am Leben seien , dass ihnen irgend ein chinesischer General beistände . Was soll man glauben ? Ach , man glaubt ja bis zuletzt immer , was des Herzens heissester Wunsch ist . Ich habe angefangen mein Pekinger Tagebuch wieder durchzulesen . Auf jeder Seite steht Ihr Name , lieber Freund , und daneben irgend eine neue Freude , die Sie sich für mich ausgedacht ! Damals nahm ich es alles so hin - als könne es nicht anders sein . Jetzt erst beim Lesen ist es mir , als spräche aus den vergilbten Blättern eine ferne Stimme zu mir und erzählte mir leise von Dingen , die ich nur dunkel geahnt . Jetzt versteh ich - jetzt , wo vielleicht ... Aber ich will das Entsetzliche nicht denken - es darf nicht so enden ! Ich habe ja auch gar keinen sicheren Anhaltspunkt dafür , dass Sie mit in Peking eingeschlossen sind - nur dass es so ungefähr die Zeit ist , in der Sie von Ihrer Reise zurück sein sollten . Aber wie oft dehnen sich solche Reisen im Innern länger aus , als man zuerst berechnet , und wenn Sie unterwegs von den Unruhen hörten , werden Sie doch sicher nicht den gefahrvollen Weg nach der Küste eingeschlagen haben , sondern werden wohlgeborgen bei einem Ihrer Freunde geblieben sein . Denn Sie hatten deren ja so viele unter den Eingeborenen und sind mir immer als der eine Fremde erschienen , der wirklich Fühlung mit den Chinesen hatte . Sie kannten Palastbeamte , Zensoren , Gildenhäupter . Literaten , während so manche andere Europäer beinah einen gewissen Stolz hineinsetzten , von den Kindern des Landes möglichst wenig zu wissen . Jetzt ist es mir ein Trost , mich daran zu erinnern , dass Sie auch unter den Mongolen , die jeden Herbst nach Peking ziehen , Freunde hatten , und unter den Händlern , die die fernen Provinzen durchstreifen , um für reiche Sammler berühmten alten Vasen nachzuspüren . Von all diesen Leuten erhielten Sie stets Nachricht von Dingen , die anderen verborgen blieben , und Sie haben gewiss die Ursachen und das Entstehen dieser neuesten Begebenheiten , die uns als plötzliche Erscheinungen überraschen , lange im voraus gekannt . Sie sind ja vielleicht der einzige Europäer , der China so gut kennt , dass Sie spurlos in den Volksmassen untertauchen könnten - den Strickland Chinas hatten Kipling-Schwärmer Sie einstmals genannt . Wenn irgend einer , mussten Sie sich retten können . Wenn ich doch aber nur eine Silbe von Ihnen hörte ! Ach , dies fortwährende Grübeln und Sehnen - dies Wissenwollen und doch Zittern vor dem Wissen . Beständig schweifen die Gedanken zurück zu den verflossenen Jahren . Das Pekinger Häuschen , das Sie uns zu mieten und einzurichten halfen , sehe ich immer wieder vor mir . Mit Mauern umfriedet lag es in der Strasse hinter den Gesandtschaften nahe am Hatamen , dort , wo die grossen Bäume stehen . Des kleinen Hofes mit der riesigen , verwitterten Steinschildkröte , und der Wistaria mit den hell lila Blütendolden gedenke ich und der vielen Abende , die wir unter dem alten Baume sitzend dort verbrachten . Der Wind spielte in den Zweigen und leise fielen die blassen Blüten auf uns herab . Eine verspätete Biene flog summend durch den Hof . Von jenseits der Mauer drangen die seltsamen , abendlichen Rufe der Verkäufer , die durch die Strassen zogen , aus der grossen , grauen Stadt zu uns - Töne aus einer Welt , von der wir allmählich einige kleine Äusserlichkeiten zu unterscheiden lernten , deren Geist und innerstes Wesen uns doch ewig fremd und rätselhaft bleiben werden . Und beklemmend wurde in solchen Stunden das Gefühl unendlicher Ferne und Weite . Einer Last gleich legte es sich auf das Herz . Ein traumhaftes Empfinden der Angst , im Raum verloren , durch unabsehbare Entfernung und unendliche Zeiten von allem getrennt zu sein , das früher einmal unsere Welt gewesen . Was mag aus unserem Häuschen geworden sein ? Was aus den Menschen allen , die ich dort gekannt , die inmitten Tausender fremder und feindlicher Wesen so ahnungslos sicher dahinlebten ? Es ist , als seien sie alle weggezaubert , versunken in eine Nacht , die unser Blick nicht zu durchdringen vermag . Immer wieder sehe ich sie alle vor mir , wie sie sich am