» Ich fordere es nicht , sondern ich erbitte es mir . Sei brav ; sei willig , lieber Halef ! « » O , mein guter , guter Sihdi , wenn du in diesem Tone mit mir redest , kann ich dir nicht widerstehen ! Aber , hast du gehört , was der Scheik sagte ? « » Denke nicht daran ! « » Er sagte : Wie ein Weib in die Sänfte steigen ! Wenn ich es thue , gebe ich meine ganze Würde hin ! « » Nein ! « » Doch ! Die Würde des Mannes , die Würde des Kriegers und die Würde des Scheikes ! « » Diese drei Würden werden dir bleiben ; aber die Würde meines Freundes würde verloren gehen , wenn du es nicht thätest . « » So thue ich es . Aber mein Gewehr und alles , was zum Manne gehört , muß ich mitnehmen dürfen ! « » Selbstverständlich ! Ich danke dir ! « » Und du hebst mich hinein . Es soll mich kein anderer anfassen als nur der allein , dem zuliebe ich es thue ! « » Gern . So komm ! « Ich war ihm behilflich , einzusteigen , und gab ihm dann seine Waffen hinauf . Als dies geschehen war , kam der Scheik zu mir . Er hatte gespannten Auges zugesehen und fragte nun : » Sihdi , wer wird jetzt das Pferd Halefs reiten ? « » Niemand , « antwortete ich , von seiner Frage nicht etwa angenehm berührt . » Würdest du es mir nicht für diese kurze Zeit erlauben ? « » Nein . « » Sihdi , bedenke , daß wir Brüder sind ! Du bist mein Gast ! « » Das weiß ich . Und eben weil ich es weiß , darf ich dir deinen Wunsch nicht erfüllen . « » Du darfst nicht ? Oder willst du nicht ? « » Ich darf nicht . « » Warum ? « » Das Pferd würde dich abwerfen . « » Du brauchst ihm ja nur das Zeichen zu geben , so wird es dies nicht thun ! « » Aber dieses Zeichen ist ein Geheimnis , und die Geheimnisse eines Vollblutpferdes werden selbst dem bestem Freunde , dem Bruder , dem Gaste nicht verraten . Das mußt du wissen . Grad weil ich dein Gast bin , ist es deine heilige Pflicht , nichts von mir zu fordern , was ich dir nicht gewähren kann . Die Auslegung des Kuran sagt : Wer das Antlitz seines Gastes durch eine unerfüllbare Bitte schamrot macht , ist nicht wert , Gäste zu haben . Das scheinst du nicht zu wissen ! « Nachdem ich ihm diese Lehre , und zwar im ernstesten Tone , erteilt hatte , wendete ich mich von ihm ab . Es war mir mehr als unangenehm , ja , es machte mich bedenklich , immer wieder zu bemerken , daß er danach trachtete , die Geheimnisse unserer Pferde zu erfahren . Ich bestieg meinen Assil und nahm Barkh am Zügel , um ihn neben mir hergehen zu lassen . Der Scheik mußte es hinnehmen , daß ich ihn von jetzt an nicht mehr beachtete . Ich wagte dabei nichts , denn im Besitze unserer Hengste und unserer Gewehre hatten wir , so lange wir Vorsicht übten , die ganze Schar dieser Beduinen nicht zu fürchten . Und daß der Scheik dies wußte , das war aus seinem Verhalten mit Sicherheit zu schließen . Es war ein schöner , frischer Ritt in den jungen , kühlen Morgen hinein . Dann später , als die Sonne über den östlichen Bergen erschien , wurde es schnell warm . Wir hatten nicht unsere gestrige Richtung rückwärts eingeschlagen , sondern wir ritten den Weg , auf welchem der Bote die von ihm geholte Hilfe gebracht hatte . Ich achtete aber weniger auf die Gegend als auf Halef , den ich während der ersten Zeit nicht sah , weil er in dem Grunde der Sänfte lag . Doch später setzte er sich auf und ließ sein Gesicht erscheinen , um nach mir auszuschauen . Als er mich an seiner Seite sah , nickte er mir lächelnd zu und sagte : » Sihdi , das alte Weib ist wieder fort . Ich bin so munter , daß ich gern aussteigen und lieber reiten möchte . « » Ich bitte dich aber , sitzen zu bleiben , « antwortete ich ihm . » Meinst du , daß sie wiederkommt ? « » Ja « . » Ich glaube es nicht . Die Schwäche ist heraus ! « » Nein , sie steckt noch drin . Sie wird vielleicht sogar noch größer werden . « » Du irrst , Sihdi . Ich sehe ja , daß sie heraus ist . « » Du siehst es ? Wieso ? « » Ich habe sie jetzt außen auf der Brust . « Diese Worte erschreckten mich , obgleich ich so etwas erwartet hatte . Ich verstand ihn gleich ; ich wußte , was er meinte . Wenn es sich um Petechien handelte , so hatte ich das Richtige befürchtet : Halef war typhuskrank . » Hast du Flecken auf der Brust ? « fragte ich . » Ja , Sihdi . « » Wie sehen sie aus ? « » Ich war bei Kindern , welche an der Chassba47 litten . Das ist eine Krankheit , welche die Haut zu färben pflegt . Genau von dieser Farbe sind die Flecken , die ich jetzt bei mir bemerke . « Mit diesen Worten hatte er das Kennzeichen des Petechialtyphus angegeben . Daß gewisse Beobachtungen , welche ich seit gestern an ihm gemacht hatte , nicht genau mit den Symptomen dieser Krankheit übereinstimmten , konnte mich nicht beirren . Jedes Leiden pflegt nebenbei seine individuellen Erscheinungen zu haben . Ich wußte nun , daß es sich möglicherweise um das Leben Halefs handeln konnte , daß die