möglich , mir zur Ausführung meines Vorhabens behilflich zu sein , und so versichere ich dir , daß du das getrost thun kannst , ohne befürchten zu müssen , diesen Leuten wehe zu thun , ohne daß sie es verdient haben . Ich weiß von Mirza Dschafar , daß die Erfahrungen , welche du mit den Schiiten gemacht hast , nicht geeignet sind , in dir Liebe zu uns zu erwecken ; aber ich bitte dich , mich nicht in gleicher Weise zu beurteilen wie diejenigen , welche dir Abscheu und Verachtung einflößten . Du wendest deine Unterstützung hier einem Manne zu , welcher ihrer nicht unwürdig ist und auch nicht zu den Undankbaren gehört , deren du so viele kennen gelernt hast ! « Das glaubte ich ihm sehr gern . Der Eindruck , den er nicht nur auf mich , sondern auf uns alle machte , läßt sich am besten mit dem Ausdrucke bezeichnen : ein Schiit , ja , ein sehr hoher Beamter der Stelle , an welcher die Schia sich ihres nichtsnutzigsten Bodensatzes zu entledigen pflegt , aber doch ein Gentleman . Ich war also sehr gern bereit , ihm die gewünschte Auskunft zu erteilen , und hatte dazu noch zwei weitere Gründe . Erstens sah ich nun ein , daß er sich nicht nur den Freund Dschafars nannte , sondern es wirklich war , und infolge dieser Freundschaft mir als Christen nichts in den Weg legen , sondern darüber schweigen werde . Und zweitens kam mir die so überraschende Entdeckung , daß der so anmaßende Ghani , der » Liebling des Großscherifs « , ein verfolgter Verbrecher sei , außerordentlich gelegen . Ich bin nie rachsüchtig gewesen und war es auch hier nicht im geringsten , denn ich habe mich stets bemüht , grad in der verzeihenden Liebe derjenigen Christenpflicht gerecht zu werden , welche eine der ersten , ja wohl die allererste ist ; ich habe mich sogar so weit überwunden , daß ich , und zwar sehr gern , meine Feinde , die ja jeder Mensch hat , täglich in mein Gebet einschließe , denn für sich selbst , für Verwandte und Freunde zu beten , ist keine Kunst und bringt kein Verdienst ; hier aber durfte ich es ohne alle Rachsucht oder Schadenfreude als eine für uns willkommene Entdeckung hinnehmen , daß der stolze , gegen uns von Verachtung strotzende Moslem , der uns noch beim Abschiede so schwer bedroht hatte , jetzt hier als ein ganz gemeiner Verbrecher bezeichnet wurde . Das machte uns ihm in der Weise überlegen , daß jede Besorgnis , die wir seinetwegen vielleicht noch gehabt hätten , schwinden mußte . » Wir können und werden dir behilflich sein , « versicherte ich ihm aus den angegebenen Gründen . » Darum wollen wir keine Zeit verlieren und hier nicht länger im Gespräche halten bleiben . Ich habe dir schon gesagt , daß die Gesuchten sich nicht hinter , sondern vor uns befinden . Wir können im Weiterreiten das besprechen , was zu besprechen ist . « Ich setzte mich , mit dem Basch Nazyr neben mir , an die Spitze des Zuges und winkte Halef , sich uns beizugesellen . Das liebe Kerlchen war infolge der Zurechtweisung , die er von dem Perser , von mir und auch von Hanneh bekommen hatte , kleinlaut geworden und machte Miene , bei dem Tachtirwahn zu bleiben . Ich wußte , daß ihm diese Zurückhaltung außerordentlich schwer wurde , und rehabilitierte ihn also dadurch , daß ich ihm durch den Wink die Stelle anwies , an welche er als Scheik und als mein Freund gehörte . Seine Unvorsichtigkeit war nicht gutzuheißen ; aber sie blieb ja ohne die befürchteten Folgen , und er hatte seine unbedachten Aeußerungen nur aus Liebe zu mir gethan . Hinter uns ritten die Haddedihn , denen die Soldaten mit ihrem Khabir folgten . Selbstverständlich trieben wir die Kamele dabei zur Eile an . Wahrscheinlich wartete Khutab Agha , um sofort bestimmte Mitteilungen von uns zu hören ; aber da ein Zusammenhandeln zwischen ihm und uns zu erwarten war , so kam es mir vor allen Dingen darauf an , zu erfahren , welche darauf bezüglichen Eigenschaften und Ansichten er besaß ; darum sprach ich zunächst die Erkundigung aus : » Hast du bei deinem Aufbruche von Meschhed Ali an die Gefahren gedacht , welche von einem solchen Ritte unzertrennlich sind ? « » Ja , aber ich fürchte sie nicht , « antwortete er . » Ich bin , bevor ich Basch Nazyr wurde , Offizier des Schah-in-Schah gewesen und befinde mich nicht zum erstenmal in der Wüste . Auch ist unser Khabir ein ausgezeichneter Führer , auf den ich mich verlassen kann . « » Daß du dich nicht vor der Wüste fürchtest , habe ich als selbstverständlich angenommen , denn scheutest du dich vor ihr , so hättest du diesen Weg nicht selbst gemacht , sondern einen Anderen damit beauftragt . Und daß euer Khabir ein tüchtiger Mann ist , unterliegt auch keinem Zweifel , denn wenn er das nicht wäre , hätte er es nicht gewagt , von der Karawanenstraße abzuweichen . « » Er kennt die Brunnen , welche außerhalb dieses Weges liegen und von den Beduinen heimlich gehalten werden . So weiß er zum Beispiel ganz genau , daß wir heut an den Bir Hilu kommen werden , wo es gutes , nicht salziges oder bitteres Wasser giebt . « » Dahin wollen wir auch , und dort werden wir höchst wahrscheinlich die Diebe treffen . « » Wirklich ? « fragte er rasch und in frohem Tone . » Ja . « » Welche Freude für mich ! Ich will dir gestehen , daß ich es schon fast aufgegeben hatte , ihre Spur wiederzufinden und sie noch in der Wüste einzuholen , was doch unbedingt nötig ist , wie ich wohl nicht erst zu sagen brauche . « » Ja , unterwegs haben sie die gestohlenen Sachen noch bei