recht gehabt oder nicht ? « Und ärgerlich , als ob sie übervorteilt worden wären , setzten sie sich wieder zum Trunke , geräuschvoll anstoßend , um zu vergessen und zu verwinden . Cathri aber blieb aufmerksam beobachtend auf dem Flecke stehen . Nach einer Weile bemerkte sie : » Es gefällt mir etwas nicht . « » Warum ? Wieso ? Er kommt ja zurück ! Er ist ja bereits auf der Straße . « » Ja , aber , er hält sich so sonderbar . « » Ihr habt ja selbst gesagt , es plage ihn etwas inwendig ? « » Es ist nicht das . Wenn er nur nicht am Ende einen bösen Hieb oder etwas dergleichen abbekommen hat ! « » Warum nicht gar ! Dazu hätte er im Tanzsaal bessere Gelegenheit gehabt ! Der starke Conrad Reber , und einen bösen Hieb ! von einem einzigen ! und noch dazu von was für einem ! Übrigens , das wird er uns alles gleich selber am besten erklären , seht , da ist er ja schon an der Hausecke . « » Jesus , Gott und Vater « , schrie Cathri , » wo habt ihr eure Augen ? Er ist ja bleich wie ein Leintuch ! « Und die Vorstehenden gewaltsam beiseite stoßend , hastete sie ihm mit Riesensprüngen entgegen . In diesem Augenblick schaute Anna aus dem Eßzimmer , warf einen Blick auf Cathri , einen zweiten nach dem Bruder , erblaßte und schwang sich mit einem einzigen Sprung auf die Erde : » Conrad , was fehlt dir ? « jammerte sie , ihn angstvoll umklammernd . » Sags , sags mir , der Schwester . « Zugleich stieß sie die herbeieilende Bernerin beiseite . Conrads Lippen zitterten : » Ich bin gestochen « , flüsterte er . Da entfuhr ihr ein markerschütternder Schrei , der alles Volk aufschreckte . Nur die Musik dudelte weiter . Er fuhr fort : » Ich habe den Helm verloren . Er liegt unter dem Nußbaum . Er gehört dem Leutolf . Ich mag jetzt doch nicht essen , ich habe keinen Appetit mehr . Wo bleibt denn nur die Mutter ? Ich wußte ja nicht , daß sie gemütskrank war . Sag ihr das . Der Vater ist ein Ungeheuer , ein herzloses , wildes Tier , ja , das ist er . So holt doch den Helm , er ist ja nicht mein , er gehört dem Leutolf . Ich konnte ihn leider nicht selber aufheben . « » Herr Reber « , grüßte Cathri weinerlich . Er wandte den Kopf nach ihr , aber sein verstörter Blick irrte über ihr Gesicht wie über einen leblosen , fremden Gegenstand . Und abermals von Anna weggestoßen , trat sie beiseite , an die Mauer , beschämt , gekränkt , beleidigt . Indessen war eine entsetzte Menschenmenge herbeigesprungen , unter ihnen , außer Atem , der Doktor : » Wo ? « fragte er , indem er mit tastenden Händen über Conrads Körper reiste . Und sich zurückbiegend : » Musik aufhören ! « zürnte er . » Musik aufhören ! « tönte ein vielstufiges Echo . » Weshalb aufhören ? « beklagte sich Conrad leise . » Warum sind überhaupt so viele Menschen da ? - Warum starren sie mir alle ins Gesicht ? - Was will man denn eigentlich von mir ? Der Doktor soll doch weg , er tut mir weh . Anna , komm , wir wollen zusammen ins Haus , ich möchte allein sein . « Kaum hatte er das gesagt , so wurde er erdfahl und brach in sich zusammen , unter des Doktors Händen weg , wie ein Holzstoß über dem Feuer , erst in den Gelenken , dann platt auf den Boden . Anna warf sich über ihn , unaufhörlich seinen Namen rufend , in den süßesten Schmelzlauten , flötend , lallend , gurrend , auf und ab , durch alle Tonlagen der Kehle und aus allen Kammern des Herzens . Andächtig verstummte das Volk vor dem schauerlichen Wohlgesang . Der Doktor aber fiel auf die Knie , riß sein Besteck aus der Tasche , das er auf die Erde breitete , prüfte dann aufmerksam den Puls , erst am Handgelenk , hierauf , Anna wegschiebend , auch am Herzen . Allmählich zog er eine bedenkliche Miene . Endlich stand er , seine Instrumente einsteckend , langsam auf . Und während alle Augen an seinem Munde hingen , murmelte er gedämpft , als ob er für sich allein spräche : » Hier wird wohl wenig mehr zu operieren sein . « Anna hatte das Wort vernommen und verstanden . Ihr Gesicht ward schlaff , und lautlos sank sie hin . Doch ehe noch jemand sie zu stützen vermochte , war sie wieder aufgesprungen , die geisterhaften Augen nach dem Hause emporgerichtet . » Habt Ihr jetzt , was Ihr wollt ? Seid Ihr nun zufrieden ? « gellte sie , als hätte sies durch die Mauer schreien mögen . » Jetzt bereitet er Euch keinen Kummer mehr ! jetzt gibt er niemand mehr den mindesten Anlaß zur Klage ! jetzt ist er nicht mehr zu vornehm ! jetzt will er nicht mehr alles besser wissen , jetzt lacht er nie mehr zur Unzeit , Euer vielgeschmähter Conrad , der arme , arme Conrad ! « Und wieder fiel sie über den Leichnam , diesmal mit wildem Röcheln , wie ein junger Jaguar . Eine einzige Silbe wandelte feierlich durch das Volk : » Tot . « Flüsternd in den vorderen Reihen , gedämpft im Hintergrund , jenseits mit empörten Protestrufen des Unglaubens . » Was ? « » Wo ? « » Wer ? « » Der Pfauenwirt ? « » Nicht der Alte , sondern der Junge , der Conrad , der Leutnant . « » Warum nicht gar ! « » Das ist nicht möglich ; das kann ja nicht sein . « » Das hat ja