auch nicht tun . - Warum werft Ihr mir denn mit solcher Erbitterung fortwährend immer wieder und wieder von Neuem Unklarheit vor - warum ? warum ? Soll ich auch Tarub werden wie Ihr ? Ich wills nicht ! « Oh - Safur ist furchtbar böse , seine Stirn zeigt fast tiefere Falten als das Fell des ältesten Nilpferdes . Und dabei zittert der ganze Dichter - wie eine Pappel , durch die der Wind fährt . Osman lächelt und sagt milde : » Lieber Safur , sei nur nicht so grob ! Es widerspricht Dir ja Niemand . Du mußt nicht immer gleich so aufbrausen ! « Zu den Andern aber sagt der dicke Schreiber : » In dem Safur steckt was ! Was er sagt , klingt gewöhnlich ganz toll - aber etwas Wahres pflegt doch dahinter zu sein . « Durch diese Äußerung fühlt sich der Dichter sehr geschmeichelt und wird ruhiger . Wie das der dicke Kodama merkt , fordert er die drei Brüder auf mitzukommen - in den nächsten Weinkeller . Hamadany und Safur folgen dem Dicken . Osman bleibt jedoch nachdenklich zurück - auf seinem kühlen , mit Fliesen gepflasterten Hof - neben dem plätschernden Springbrunnen . Unter den Arkaden an den vier Seiten des Hofes liegen die besten Bücher , die je mit arabischen Worten geschrieben wurden , fein säuberlich in ihren Rollen - in ihren Schubfächern - übereinander - so wie in Ägypten die Mumien der toten Könige übereinander liegen ... Inzwischen will Kodama im Weinkeller hören , welche Liebesabenteuer der Safur in Ägypten erlebte . Die drei lauteren Brüder sitzen auf weichen Ziegenfellen mit einem Parsenpriester zusammen um einen dicken Weinschlauch rum - der christliche Wirt schenkt fleißig immer wieder die Becher voll . Safur hört nicht auf den dicken Kodama , sondern redet noch immer von der Bedeutung des Unerreichbaren , Hamadany stimmt ihm jetzt eifrig bei und behauptet , daß er auch nur das Unerreichbare erreichen möchte . Kodaman wird natürlich die Geschichte langweilig . Der Parsenpriester schweigt wien Alter . Der dicke Geograph ruft endlich sehr laut mit seiner vollen wohltönenden Stimme : » Safur , nun erzähl uns : Welches Weib liebtest Du in Ägypten ? Welches Weib ? « » Die Sphinx « , erwidert der Dichter . » Sehr gut , mein Sohn « , sagt da lachend der Dicke . Und der Dichter erzählt von der Sphinx , erzählt , daß er nur ein unerreichbares Weib lieben könnte - ein überirdisches - einen Wüstengeist - eine wilde Dschinne - seine Sphinx-Dschinne . Kodama freut sich wie ein kleiner Truthahn - solche Art von Liebe ist ihm noch garnicht vorgekommen . » Sphinx-Dschinne ! « ruft er immer wieder - trinkt dabei - und lacht , als wenn er sich totlachen möchte . Hamadany glaubt den Dichter zu verstehen . Kodama erklärt zwar den Safur für verrückt - man verträgt sich aber trotzdem . Die Zecherei wird sehr lustig . Der Parsenpriester geht ernst fort . Der Hamadany lallt noch was von Byzanz und schläft dann selig ein . Der Dicke und der Dichter schwanken , wie sie nicht mehr trinken mögen , in sehr redseliger Stimmung nach Hause durch die lange Straße . Safur redet fortwährend von der Dschinne , die nicht lebt und die er trotzdem liebt - immer dasselbe . Kodama lacht ohn Unterlaß , daß die lange Straße dröhnt und zittert . Ein Cinaede , der früher zu den Tofailys gehörte , hat das Gespräch gehört - und versperrt nun plötzlich den beiden lauteren Brüdern den Weg . Die Brüder stutzen und denken , der Cinaede will Geld haben . Doch der hält eine wohlgesetzte Rede . » Ihr gelehrten Männer « , sagt er in bestem Arabisch , » Ihr glaubt immer so schrecklich klug zu sein . Aber in manchen Dingen seid Ihr unerfahrener als ein unschuldiges Mädchen . Das Nächstliegende seht Ihr nicht . Immer nach dem Fernen - nach dem Unerreichbaren strebt Ihr . Dschinnen wollt Ihr lieben , und Ihr wißt nicht einmal , weshalb Ihr die Dschinnen lieben wollt . Ihr habt noch viel zu wenig Weiber kennen gelernt , daher wollt Ihr solche Weiber haben , die keine Weiber sind . Ihr habt Euch , wenn Ihr verliebt waret , viel zu oft nur die Weiber vorgestellt - statt Ihnen ordentlich nachzustellen . Ihr glaubtet zu oft , auf die Weiber verzichten zu können - und seid drum zu Narren geworden . Mit der Kraft seiner Schenkel - nicht mit der Kraft seines Gehirns soll der Mann lieben . Das Gehirn ist zum Lieben viel zu schade . Das ist der Grund , weshalb Ihr das Unerreichbare wollt - weshalb Ihr nach Weibern lüstern seid , dies niemals gab und niemals geben wird . Liebt die Weiber , die auf Erden leben , sonst werdet Ihr verrückt . Seid nicht so geizig wie Said ibn Selm . Gute Nacht ! « Und der Cinaede bog in die nächste Seitengasse - schwankend . In der nächsten Seitengasse gingen im Schatten der Mauer andre Cinaeden mit ihren Dirnen in den dunkelsten Stadtteil , in dem man mehr seine Börse als sein Herz in Acht nehmen mußte . Kodama lachte nicht mehr , meinte nur väterlich mahnend zu Safur : » Sieh , lieber Freund , der Cinaede hatte garnicht so ganz unrecht . Verstandest Du ihn ? Er war einst nicht ungebildet ! « » Ich verstand ihn « , versetzte Safur . Schwankend gingen die Beiden weiter . Sie schwiegen . Durch die lange Straße kamen Tofailys näher - die trugen auf einer Bahre einen toten Ochsen - auf der Brust eines jeden Tofaily leuchtete eine kleine grüne Lampe . Die Tofailys wurden immer üppiger , sie verspotteten die Religion , die Welt und alles andre . Sie feierten in dieser Nacht ihr Ochsenfest . Feierlich trugen sie durch die lange Straße - einen toten Ochsen . Achtzehntes Kapitel Viele viele weiße Störche flogen langsam