, wenn Sie mir das Wort gestatten « , fuhr Schmidt fort , » und von jenem eigentümlichen Charme , den schon , von alters her , alles besitzt , was mit dem flüssigen Element in eine konstante Berührung kommt . Vor allem aber ist mir kein Zweifel darüber , daß Otto seine Frau liebt , um nicht zu sagen , in sie verliebt ist . Und sie , Freundin , Ottos leibliche Mutter , fechten gegen dies Glück an und sind empört , dies Glück in Ihrem Hause vielleicht verdoppelt zu sehen . Alle Männer sind abhängig von weiblicher Schönheit ; ich war es auch , und ich möchte beinah sagen dürfen , ich bin es noch , und wenn nun diese Hildegard , wie mir durchaus wahrscheinlich - denn die Nestkücken sehen immer am besten aus - , wenn diese Hildegard noch über Helenen hinauswächst , so weiß ich nicht , was Sie gegen sie haben können . Leopold ist ein guter Junge , von vielleicht nicht allzu feurigem Temperament ; aber ich denke mir , daß er doch nichts dagegen haben kann , eine sehr hübsche Frau zu heiraten . Sehr hübsch und reich dazu . « » Leopold ist ein Kind und darf sich überhaupt nicht nach eigenem Willen verheiraten , am wenigsten aber nach dem Willen seiner Schwägerin Helene . Das fehlte noch , das hieße denn doch abdanken und mich ins Altenteil setzen . Und wenn es sich noch um eine junge Dame handelte , der gegenüber einen allenfalls die Lust anwandeln könnte , sich unterzuordnen , also eine Freiin oder eine wirkliche , ich meine eine richtige Geheimeratstochter oder die Tochter eines Oberhofpredigers ... Aber ein unbedeutendes Ding , das nichts kennt als mit Ponies nach Blankenese fahren und sich einbildet , mit einem Goldfaden in der Plattstichnadel eine Wirtschaft führen oder wohl gar Kinder erziehen zu können , und ganz ernsthaft glaubt , daß wir hierzulande nicht einmal eine Seezunge von einem Steinbutt unterscheiden können , und immer von Lobster spricht , wo wir Hummer sagen , und Curry-Powder und Soja wie höhere Geheimnisse behandelt - ein solcher eingebildeter Quack , lieber Wilibald , das ist nichts für meinen Leopold . Leopold , trotz allem , was ihm fehlt , soll höher hinaus . Er ist nur einfach , aber er ist gut , was doch auch einen Anspruch gibt . Und deshalb soll er eine kluge Frau haben , eine wirklich kluge ; Wissen und Klugheit und überhaupt das Höhere - darauf kommt es an . Alles andere wiegt keinen Pfifferling . Es ist ein Elend mit den Äußerlichkeiten . Glück , Glück ! Ach Wilibald , daß ich es in solcher Stunde gerade vor Ihnen bekennen muß , das Glück , es ruht hier allein . « Und dabei legte sie die Hand aufs Herz . Leopold und Corinna waren in einer Entfernung von etwa fünfzig Schritt gefolgt und hatten ihr Gespräch in herkömmlicher Art geführt , das heißt , Corinna hatte gesprochen . Leopold war aber fest entschlossen , auch zu Worte zu kommen , wohl oder übel . Der quälende Druck der letzten Tage machte , daß er vor dem , was er vorhatte , nicht mehr so geängstigt stand wie früher ; - er mußte sich eben Ruhe schaffen . Ein paarmal schon war er nahe daran gewesen , eine wenigstens auf sein Ziel überleitende Frage zu tun ; wenn er dann aber der Gestalt seiner stattlich vor ihm dahinschreitenden Mutter ansichtig wurde , gab er ' s wieder auf , so daß er schließlich den Vorschlag machte , eine gerade vor ihnen liegende Waldlichtung in schräger Linie zu passieren , damit sie , statt immer zu folgen , auch mal an die Tete kämen . Er wußte zwar , daß er , in Folge dieses Manövers , den Blick der Mama vom Rücken oder von der Seite her haben würde , aber etwas auf den Vogel Strauß hin angelegt , fand er doch eine Beruhigung in dem Gefühl , die seinen Mut beständig lähmende Mama nicht immer gerade vor Augen haben zu müssen . Er konnte sich über diesen eigentümlichen Nervenzustand keine rechte Rechenschaft geben und entschied sich einfach für das , was ihm von zwei Übeln als das kleinere erschien . Die Benutzung der Schräglinie war geglückt , sie waren jetzt um ebensoviel voraus , als sie vorher zurück gewesen waren , und ein Gleichgültigkeitsgespräch fallenlassend , das sich , ziemlich gezwungen , um die Spargelbeete von Halensee samt ihrer Kultur und ihrer sanitären Bedeutung gedreht hatte , nahm Leopold einen plötzlichen Anlauf und sagte : » Wissen Sie , Corinna , daß ich Grüße für Sie habe ? « » Von wem ? « » Raten Sie . « » Nun , sagen wir von Mister Nelson . « » Aber das geht doch nicht mit rechten Dingen zu , das ist ja wie Hellseherei ; nun können Sie auch noch Briefe lesen , von denen Sie nicht einmal wissen , daß sie geschrieben wurden . « » Ja , Leopold , dabei könnt ich Sie nun belassen und mich vor Ihnen als Seherin etablieren . Aber ich werde mich hüten . Denn vor allem , was so mystisch und hypnotisch und geisterseherig ist , haben gesunde Menschen bloß ein Grauen . Und ein Grauen einzuflößen ist nicht das , was ich liebe . Mir ist es lieber , daß mir die Herzen guter Menschen zufallen . « » Ach , Corinna , das brauchen Sie sich doch nicht erst zu wünschen . Ich kann mir keinen Menschen denken , dessen Herz Ihnen nicht zufiele . Sie sollten nur lesen , was Mister Nelson über Sie geschrieben hat ; mit amusing fängt er an , und dann kommt charming und high-spirited , und mit fascinating schließt er ab . Und dann erst kommen die Grüße , die sich , nach allem , was voraufgegangen , beinahe nüchtern und alltäglich ausnehmen . Aber wie wußten