recht viel . « - Das Mädchen stammelte und verdeckte ihre gramerfüllten Augen mit der Hand , um sie vor den Sonnenstrahlen zu schützen . » Ich werd schon in der rechten Stunde das Rechte sagen « , erwiderte der Leopold ernsthaft und ging langsam weiter . » Renn ihm nach , deinem Schatz ! « » Er laßt sich nimmer halten , gelt ? « » Hast dir eingebildet , du bist schöner als die Lene ? « » Aus der Tanz . « So schwirrte es rechts und links um sie , und sie hörte es doch gleichsam aus weiter , weiter Ferne - sie lief in die Stube und eilte wie suchend zu dem Platz am Fenster , wo er noch vor Minuten saß , dort kauerte sie sich hin und blickte ihm nach , der mit festen Schritten weiter und weiter ging . - Jetzt hielt ihn nichts mehr zurück - er hatte den Hof hinter sich - die Einfahrt jetzt - nun ging er durch den Torbogen - und jetzt schritt er schon die sonnenhelle Straße hinab - immer weiter fort - immer kleiner und kleiner wird der Mensch - da wirbelt eine Staubwolke - sie verschwindet - und der Leopold ist nimmer zu sehen . Niemand sprach ein freundliches Wort zu ihr , sie glotzten sie nur stumm an oder schmähten sie halblaut , dann kicherten sie und zuckten die Achseln . Als sie aber bewegungslos in der Sonnenhitze sitzen blieb , begannen sie allmählich , an ihr Tagwerk zu gehen , nur die Hanni rührte sich nicht , sie schaute noch immer - immer hinaus auf die Straße . Erst als der Hausmeister kam und all das Zeug für den Leopold holte , da regte sie sich , half ihm heben und schieben , und wie alles auf dem Karren war und der Mann davonfuhr , schloß sie das Fenster , kam heraus , sperrte die Türe ab und eilte hinüber auf den Trockenplatz . Vorsichtig spähte sie dort um und um und erhaschte die Minute , wo sie ungesehen ihr Versteck erreichen konnte , sie schob die Bretter beiseite und kroch in den Judengarten . » O mein Gott ... mein Gott ! « wimmerte sie , watete durch das hohe Gras , schwankte und taumelte mit leichenfahlem Antlitz dem Hügel zu - aber da stierte ihr zwischen den Zweigen ein Gesicht entgegen , so bleich und verstört wie ihr eigenes . » Hab lang da auf dich g ' wart ' ! Ich hab g ' wußt , du wirst daherkommen , dich ausheulen , weil dein Schatz ein Kalfakter ist und ... « Doch die Strohschneider-Marie konnte nicht ausreden , sie sprang auf und breitete die Arme aus , denn das lange Mädchen fiel gerade , wie es stand , auf den Hügel und regte sich nicht . » So , da hab ich die Bescherung « , seufzte die Kneipensängerin und öffnete behutsam das Kleid der Hanni , setzte sich zu ihren Häupten und nahm den Kopf der Ohnmächtigen in ihren Schoß . Fast zärtlich strich sie ihr das Haar aus der Stirne , und als die Hanne wieder zu atmen begann , sagte sie tröstend : » Leg ein Stein drauf . - Wirst nicht dran sterben , halt dich nur zusammen . Überleben kann man jede traurige Dummheit , freilich , vergessen wirst ' s dein Lebtag nicht , was die Blauen Gäns für G ' sichter g ' macht haben , wie dein Schatz von dir fortgangen ist . « » Er war nicht - « , schluchzte die Hanni , preßte aber schnell die gefalteten Hände an den Mund . » Halt dich zusamm ' , vielleicht wirft ihn seine tugendhafte Frau mitsamt seinem Buben bald hinaus , dann kommt er g ' schwind wieder zu dir , denn eine dümmere als dich find ' t er gar nirgends , und Charakter hat er schon lang keinen mehr , davon könnt ich dir eine G ' schicht erzähln von lang her ... Damals hatte er noch alle zwei Arm g ' habt - und ich war ein blutjunges Mädel . Wie er heimkommen ist , hat er mich kaum mehr kennen wollen und mich über die Achsel ang ' schaut , und er hat doch recht gut g ' wußt , er ganz allein , wie er mich g ' funden hat drei Jahr früher . Jetzt weißt ' s. Wart schön ruhig , er kommt bald wieder ... « Er kam aber nie wieder . Zur selben Stunde , als die Hanni verstört und zerbrochen auf dem Hügel des Judengartens kauerte , lag in dem Zimmer der Leni auf dem grauweißen Teppich mit den blauen Blümchen ein stiller Mann . Er hatte die Augen weit offen und starrte mit einem klagenden Blick ins Leere . Um seinen Mund stand ein ödes Lächeln , wie von einem Bildhauer mit dem Daumen in weichen Lehm gedrückt , unfertig und halb verwischt . Aus der schmalen Brustwunde sickerte noch das Blut , als die Menschen in das blau-weiße Zimmer stürzten und ihn tot fanden . Sein Taschenmesser lag neben ihm , er hatte sich gut getroffen damit . » Warum ? « fragten die Leute seine junge schöne Witwe . Die Leni wurde bleich und rot , zitterte und stammelte züchtig : » Weil ich ihm hab sagen müssen , daß ich nimmer sein Weib sein kann , nachdem er meiner falschen Freundin ihr Schatz war . Ich hab ihm und ihr alles verziehen , aber vergessen kann ich es nicht . « Am nächsten Morgen schickte sie den kleinen Polderl zu der falschen Freundin , um den letzten Willen des Sterbenden zu erfüllen , damit er nur gewiß rasch Ruhe fände in seinem Grabe . Der junge Soldat hat die Geschichte seiner Eltern zu Ende gelesen , er dreht die Lampe aus und schaut hinauf zu der bleichen Mondscheibe , die in dem grauen Morgenhimmel verschwimmt