, und wenn dann der Tag auf die Neige ginge , dann wollten sie sich auf den Wallgang setzen und den Mond aufgehen sehen und bei Brandy und Whisky , er habe noch einen feinen alten Glen Fillan , ihren Schwatz haben , von Chattanooga und Grant und Sheridan und von Bismarck und Moltke und Old William . In dieser Weise - denn Fort Holmes war ein einsamer Posten , ebenso wie Fort MacCulloch - drang man gleich am ersten Abend in Lehnert ein , dieser aber , den ein ernstliches Verlangen erfüllte , dem vielwöchentlichen Nichtstun ein Ende zu machen , blieb nur bis über den zweiten Tag . Am Morgen des dritten nahm er Abschied und schritt vom Fort aus auf das gleichnamige Stationsgebäude zu , das , in kaum halbstündiger Entfernung , gerade da , wo der Schienenweg aus dem Gebirge trat , in einer halbmondförmigen Ausbiegung am Saum eines Ahornwäldchens lag . Die kleine Bahnhofsuhr von Station Holmes zeigte neun Uhr früh , als Lehnert daselbst eintraf . In einer Viertelstunde mußte der von Galveston nach dem Norden führende Zug dasein , er kam aber mit erheblicher Verspätung , so daß Lehnert und die wenigen Personen , die mit ihm auf dem Bahnsteige warteten , sich beim Einsteigen in die Wagen beeilen mußten . Diese waren nur schwach besetzt , und in dem Coupé , darin sich ' s Lehnert alsbald bequem zu machen suchte , befand sich nur ein einziger Mitreisender , ein junger Mann von achtzehn Jahren , der , wiewohl einigermaßen abweichend von der Mode gekleidet , trotzdem leicht erkennen ließ , daß er einem guten Hause zugehörte . Seine Züge verrieten den Deutschen , während andererseits die Sicherheit und Ruhe seiner Haltung mit gleicher Bestimmtheit zeigte , daß er , wenn auch vielleicht nicht in Amerika geboren , so doch jedenfalls amerikanisch geschult sei . Die Gegend schien er zu kennen . Er las , in die Ecke gedrückt , eine Galveston-Zeitung und hatte den linken Arm auf eine Ledertasche gestützt , in deren Messingschild , wenn nicht alles täuschte , der Name des jungen Reisenden eingraviert war . Lehnert suchte denn auch das Eingravierte zu lesen , was ihm unschwer glückte . » Tobias Hornbostel « stand in oberster Reihe , dicht darunter aber in etwas kleinerer Schrift : » Nogat-Ehre , Station Darlington , Indian-Territory . « Das war beinah eine Biographie , mindestens eine volle Adresse . Lehnert , als er Namen und Ortsangaben entziffert hatte , war von dem allen aufs äußerste betroffen , und wenn er schon vorher den Wunsch einer Gesprächsanknüpfung gehabt hatte , so steigerte sich dieser Wunsch jetzt bis zum festen Entschluß . Er wollte nur warten , bis der Mitreisende das Zeitungsblatt aus der Hand gelegt haben würde . Das war nun geschehen , und Lehnert sagte : » Ihr seid ein Deutscher ? « Der , an den die Frage sich richtete , bejahte mit vieler Freundlichkeit und fragte dann seinerseits , woran er ihn erkannt habe . » Nichts leichter als das « , sagte Lehnert . » Du hast das deutscheste Gesicht , das ich all mein Lebtag gesehen habe . Lache nur ! Und siehst dabei so klar aus und so gut . Du gefällst mir . « » Du nennst mich du . « » Und du mich auch « , fuhr Lehnert fort , » was mir nur beweist , daß ich recht habe . Du bist nicht bloß ein Deutscher , du bist auch ein Mennonit . Und die Mennoniten nennen sich , glaub ich , du , ganz so wie die Quäker . « » Daß ich nicht wüßte ! Jedenfalls nicht immer . « » Aber doch oft . Und wenn sie Tobias Hornbostel heißen , dann ganz gewiß . Nicht wahr ? « » Ja , dann gewiß « , antwortete Tobias und streckte ihm die Hand entgegen . » Ich sehe , du hast gute Augen und hast Namen und Ort auf dem Messingschilde gelesen . Und aus Nogat-Ehre hast du den Schluß gezogen , daß ich ein Mennonit sein müsse . « » Freilich . Aber du triffst es nur halb . Schon dein Name Hornbostel hätte mir alles gesagt , auch wenn ich den Ortsnamen Nogat-Ehre gar nicht gelesen hätte . Vor sechs Jahren , als ich eben herübergekommen war , war ich in Dakota , wo sie damals die Schwellen und Schienen für die Nord-Pacific-Bahn legten , und in einem Dorfe , das uns wegen seiner Tieflage viel zu schaffen machte ( wenn ich nicht irre , nannten sie ' s Dirschau ) , in eben diesem Dorfe waren Mennoniten , und der Oberste der Gemeinde hieß Hornbostel , Obadja Hornbostel , mir noch deutlich in Erinnerung , weil wir , verzeih , über den Namen oft scherzten . Und ich weiß auch , daß die Rede davon war , in Obadja Hornbostels Farm einzutreten , wo ' s uns jedenfalls besser ergangen wär als in unserem fiebrigen Sumpfloch . Aber ich hatte damals noch die Sehnsucht nach den Diggings hin , weil ich ein Narr war und reich werden wollte . Sonst hätt ich ' s wahr und wahrhaftig auf der Stelle versucht ... Obadja Hornbostel , ein hübscher , aber etwas wunderbarer Name . « » Das war mein Vater . « Lehnert erschrak fast . » Aber das war ja doch in Dakota , neunhundert Englische von hier . « » Und ist doch so , wie ich sage . Wir waren erst in Dakota , da bin ich auch geboren , und meine Schwester Ruth auch . Und unsere Mutter ist da begraben . Und wir dachten auch in Dakota zu bleiben . Als aber ein Streit mit dem Government kam und die klugen Herren , die man uns nach Dakota schickte , so taten , als ob wir Mormonen seien oder doch nicht viel anders , da machte der Vater kurzen Prozeß und ist