Räthsels ... wir finden sie - ich wette um einen Korb Röderer , Herr Referendar , daß wir sie finden , die verdammte Hexe - ! « Adam lachte aus vollem Halse , unangenehm energisch , dröhnend . Er schüttelte sich und lachte , daß ihm die Thränen über die Backen liefen . Ein nervöser Lustigkeitskrampf war jäh über ihn gekommen . Emmy blickte erschrocken zu ihm hinüber . Herr von Bodenburg machte ein ehrlich verblüfftes Gesicht , in welches zugleich ein paar Unmuths- und Aergerslinien hineingeritzt waren . » Eine merkwürdige Unterhaltung - « murmelte er . » Also , meine Freunde - es wird Zeit , daß die Götterdämmerung endlich losgeht ! - Ich ersticke an diesem tristen Zuschauerjargon , den man immer radebrechen muß ... Emmy ! Sehen Sie , Herr Referendar - das ist nun auch so Eine ... ich habe das kleine , entzückende Weib neulich Abend einem überflüssigen Laffen abgejagt - aber glauben Sie wohl , daß es bisher zum geringsten tragischen Konflikte zwischen uns gekommen wäre ? . Keene Spur , Verehrtester ! Es ist so blutig langweilig auf der Welt - die Leidenschaft ist todt - und die großen Gefühle sind pensionirt ... Lassen wir wir uns dito pensioniren , lieber Mitmensch - - « » Sie sind heute in einer eigenartigen Stimmung , Herr Doctor ! « » Was hast Du nur , Adam - ? « » Ich ? Nichts , Kind ! Gar Nichts ! Aber wollen wir nicht heimwärts ziehen , wie die ... nun ! ... Wie die bewußten Schwalben im Herbst ? ... Meine Stunde wenigstens ist gekommen ... Sie begleiten uns vielleicht , Herr Referendar - ? « » Wenn Sie gütigst gestatten - « » Bitte sehr - « Die drei kehrten um . Da kam ihnen ein offener , zweispänniger Wagen in ziemlich scharfem Trabe entgegengefahren . Adam schnäuzte sich gerade mit ostentativer Umständlichkeit . Er wischte sich eben zum letzten Male unter der Nase weg , als der Wagen an ihm vorüberfuhr . Unwillkürlich blickte er zu ihm hin . Ah ! Teufel ! Das war ja Lydia ! Mit verlegener Hast grüßte Adam . Er hatte im Augenblicke keine Zeit , über die Frage nachzugrübeln : Warum er denn jetzt nicht dort neben dieser schönen Frau säße ... neben dieser schönen Frau , die - die - hm ! ... na ja ! - und so weiter ... Er fühlte das Auge Emmys auf sich liegen , nun lasten . Doch da setzte das Pferdegetrappel plötzlich aus . Adam sah sich um , ungewollt und halb unbewußt erfreut , daß er eine Gelegenheit erhielt , die unvermeidliche Frage Emmys noch hinauszuschieben . Aber er war ihr doch eigentlich gar keine Rechenschaft schuldig . Der Wagen hielt in einiger Entfernung ... und der Herr Doctor bemerkte , wie sich Frau Lange über den Schlag lehnte und ihn zu sich heranwinkte . Er war unschlüssig . Er wurde aufs Neue verlegen . Er warf scheue Blicke auf Emmy und Herrn von Bodenburg , die ihn fragend , erstaunt ansahen . » Erlaube , Emmy ! . « stieß er endlich heraus - » Pardon , Herr Referendar - ich - ich ... bin sogleich zurück - « » Sind Sie frei , Herr Doctor ? ... « redete ihn Frau Lange an und streckte ihm ihre kleine , volle , schwarzbehandschuhte Rechte entgegen . » Dann steigen Sie bitte ein - ich muß Ihnen einen Capitalspaß erzählen - « Lydia machte ein sehr vergnügtes Gesicht , ihre Augen blitzten , ihr ganzes Wesen athmete Füllung , Angeregtheit , den Drang : sich ausströmen , sich mittheilen zu dürfen . Adam war in peinlichster Verlegenheit . Er konnte doch Emmy unmöglich stehen lassen . Aber - nein ! - das ging auch nicht ! - zugeben durfte er doch auch nicht , daß er ... er der Ritter ... der Liebhaber dieser Dame wäre - - er zögerte , er wurde immer befangener - » gnädige Frau - « stammelte er - - » Ach so , Herr Doctor - nun ... wenn Sie engagirt sind - natürlich - dann verzichte ich - - Ihre Dame - - « » Pardon ! . Davon kann wohl keine Rede sein - ich begegnete vorhin dem Herrn in Begleitung der Dame - ein Bekannter von mir , Referendar von Bodenburg - aber ich ... ich ... ich müßte mich doch erst entschuldigen und verabschieden , ehe ich Ihrer liebenswürdigen Aufforderung folgen dürfte - gestatten Sie also , gnädige Frau - « » Bitte ! ... « Das klang sehr gleichmüthig ... es war eben nur mit den Achseln gezuckt , kaum mit dem Munde gesprochen . Lydias frische , volle Stimmung schien einen herzhaften Sprung erhalten zu haben . Als Adam vom Wagen Frau Langes zu Emmy und Herrn von Bodenburg , die , vielleicht absichtlich mit feiner Diskretion , vielleicht unabsichtlich , in entgegengesetzter Richtung weitergegangen waren , zurückschritt , freute er sich im Stillen gar sehr , daß er Lydia gegenüber immerhin doch so schnell seine Verlegenheit überwunden hatte ... und daß es ihm allem Anschein nach vorzüglich geglückt war , sich durch eine kräftige Lüge aus der Klemme zu ziehen . Ein zart nuancirtes Lächeln umkräuselte seinen Mund . Hm ! Wenn das Emmy wüßte ! Nun ! am Ende verstand sie ihn vielleicht ... begriff sie vielleicht sehr gut , daß man eine ... eine » Freundin « ... » une bonne camerade « unter Umständen einmal verleugnen muß ... verleugnen muß einer Dame » von Welt « ... einer Dame » aus der feineren Gesellschaft « ... einer Dame » aus den höheren Ständen « gegenüber .... Adam hatte Lust , vor Emmy jetzt sogleich die Karten aufzudecken . Der dumme , kleinliche Gedanke verursachte ihm ein köstliches Behagen . Aber nun fürchtete er doch hemmende Weitläufigkeiten - und so entschuldigte er sich sehr kurz : er müßte leider aus Höflichkeit