Sie Ihre Verzweiflung , Sie sind geliebt , ich weiß es ! Und schon aus schwierigeren Verhältnissen ist die Blume eines wahren Glücks erblüht . « » Ich - ich - bin geliebt ? « stotterte Magnus , von einer unheimlichen Furcht befallen , daß am Ende Lucy selbst ... » Ja - von ihr - der zarten , holden Adrienne . « Fräulein Lucy stand im Mondenschein still , hob die dunklen Schwärmeraugen zum Himmel und reichte beide Hände dem fassungslosen Magnus . Dem war , als sei er verrückt geworden , er war geliebt - von Adrienne - und sie ließ es ihm sagen ? Natürlich - von selbst , aus eigenem Sinn hätte er das nie zu fassen gewagt . Wie - so war sie doch eine schöne , trostbedürftige Sünderin ? Er verlor den Kopf , welcher junge Mensch an seiner Stelle hätte das nicht gethan ? » Geben Sie ihr das Glück , das sie in ihrer Ehe nicht finden kann - nie finden wird , « sagte Lucy , seine Hände drückend , » in allem Kampf werde ich mit flammendem Schwert euch zur Seite stehen ! « Was wußte Magnus davon , daß es für Fräulein Lucy ein Bedürfnis war , wenn sie nicht selbst etwas erleben konnte - was ja unter den Augen ihres Schwagers ein für allemal ausgeschlossen - wenigstens einen Roman für andere einzufädeln und , als Zuschauer teilnehmend , Kämpfe , Leid , Thränen , Wonne mit zu genießen ; er hatte Lucy und Adrienne im vertraulichsten Verkehr gesehen und durfte es glauben , wenn die eine ihm sagte , daß die andere ihn liebe . » O - ich - mir schwindelt ! « stotterte Magnus . » Fassung , mein Freund , Fassung ! « mahnte Lucy milde . Stumm schritten sie weiter unter der Leitung des Fräuleins , die ihm nur dann und wann die Hand drückte und übrigens wieder dem Hauptweg zustrebte . Dort fanden sie aber nicht mehr die Gesellschaft , die , durch keinerlei romantische Zwiegespräche aufgehalten , dem Schlosse zugeeilt war , wo jeder in seinem Zimmer noch Gewand und Hände von den etwaigen Spuren der Kahnfahrt befreite . Wenigstens waren Terrasse und Saal vollkommen menschenleer . Lucy trennte sich von Magnus , dieser ging , noch vollkommen betäubt , unter den Linden einigemale auf und ab , sein Auge suchte Adriennens Fenster , die Thür aus ihrem Wohngemach nach dem Balkon stand auf , es war oben Licht . Ein toller Gedanke faßte ihn . Wie , wenn sie wüßte , daß Lucy ihm heute abend von ihrer Liebe gesprochen - wenn sie nun wartete auf die Antwort , die er darauf zu geben habe ? Der Rausch in ihm stieg . Zum Unglück hörte er irgendwo aus dem Dunkel die Stimme seiner Mutter » Magnus , Magnus ! « rufen , wie auf der Flucht rannte er ins Haus , die Treppe hinauf und klopfte an Adriennens Thür . Niemand war ihm begegnet . Adrienne , die glaubte , daß Lucy komme , rief herein . Magnus kam über die Schwelle und zog die Thür hinter sich zu . Adrienne saß in einem der tiefen , hochlehnigen dunkelblauen Stühle , der Schein der Lampe fiel voll auf ihr Gesicht , durch die offene Balkonthür und aus der gleichfalls geöffneten Thür des Schlafzimmers gähnte Dunkelheit . Sekundenlang starrten sich beide fassungslos an , dann kam der Mann näher , nicht wie ein jubelnder Sieger , sondern wie ein Besinnungsloser . Er stand vor Adrienne , die wie gelähmt seinem unbegreiflichen Erscheinen und Beginnen zusah ; er nahm ihre Hand und murmelte : » Ist es wahr , ist es wahr ? « Dann setzte er sich auf die Lehne des Stuhles , neigte sein Gesicht auf ihr Haar und flüsterte : » Wie verdien ' ich das ? « Adrienne schauderte , bog sich zur Seite und fragte mühsam : » Was - was - beginnen Sie - wie kommen Sie hieher ? « » Ich - ich weiß nicht ... ich wollte ... « und dann kniete er plötzlich neben ihr und sah ihr trunken in die Augen , der Kneifer war ihm entfallen und sein braunes Auge , ohne den Schutz des Glases , hatte einen zudringlichen Blick , der verwirrte wie der Anblick von etwas Nacktem - » Liebe heischen und Liebe geben . « Sie sprang empor , ein Schrei blieb ihr in der Kehle stecken , sie streckte beide Arme abwehrend aus , ihre Augen wurden unnatürlich groß , sie sahen in das Medusenantlitz der Sünde . Ein Chaos von Gedanken wirbelte in ihrem Kopf auf ; alles , was sie damals in der unglücklichen Zeit ihrer Einsamkeit in fieberdunstigen Büchern von der Süßigkeit der Sünde gelesen , ward in ihr wach , alles , was sie von dem Fluch der Sünde ihr früheres Leben lang gehört und gedacht , erhob sich drohend vor ihr . Zugleich fühlte sie dieselbe Spannung des Herzens , dieselbe aus Furcht und Stolz gemischte Unruhe , die sie damals empfunden , als Arnold ihr sagte , daß er sie liebe . Der größte Reichtum aller Lebensempfindungen überwältigt die Frau , wenn sie hört , daß sie geliebt wird , dieser Augenblick erhebt sie zur Königin der Schöpfung und reicht ihr immer wieder die Krone der Jungfräulichkeit zurück . Adrienne zitterte , aber sie stieß den Mann zurück , der , nicht wissend , was er that , aufs neue in sie eindrang . Er sprach zu ihr . Was ? Sie wußten es beide später nicht mehr . Sie hatte ihr Angesicht mit den Händen bedeckt und hörte nicht und dachte nicht , aber sie fühlte - fühlte die teuflische Neugier , zu wissen , wie die Sünde schmecke . Und ob das Leben , das graue , nüchterne , nachher wohl reichern Inhalt habe . Bleischwer legte es sich auf ihre Seele , daß die Erkenntnis , einmal gewonnen