ich ' s nicht so ohne weiteres , das tolle Zeug , das schon dasteht , muß erst weggeputzt werden . Oh , wie schwer , nein - unmöglich ! ... Und wenn ich auch meine , es ist ausgetilgt und keine Spur mehr vorhanden - hinter meinen sorgfältig gemalten Lettern kommt es doch wieder zum Vorschein . Blasser von Jahr zu Jahr , ja vielleicht - was hilft ' s ? - Dafür ist mein Aug empfindlicher geworden , und der Eindruck bleibt sich gleich ... Verstehst du mich ? Das wird nun alles anders . Drüben in der neuen Heimat ist die Tafel blank , wie sie es von Anfang an gewesen , als sie mir anvertraut wurde . Die Tafel ist der Ruf . Verstehst du oder nicht ? ... Unglücksmensch , mir scheint , du verstehst kein Wort ! « Pavel wehrte sich nicht gegen diesen Verdacht ; ihn beschäftigten andere Gedanken , und plötzlich rief er : » Ich weiß , was ich tu - ich geh mit Ihnen . « » Das lasse dir nicht einfallen « , fuhr Habrecht heraus , setzte aber , um die Schonungslosigkeit seiner Abwehr zu vermindern , erklärend hinzu : » Was würde aus deiner Mutter , wenn sie dich nicht fände bei ihrer Rückkehr ? « » Sie kann uns ja nachziehen , wenn sie will « , entgegnete Pavel und zupfte an seinen Lippen , wie Kinder in der Verlegenheit tun . Und wie einem Kinde sprach Habrecht ihm zu , sich zu fügen , zu bleiben , wo er war , gab ihm Gründe dafür an und schloß ungeduldig , als Pavel zu allem den Kopf schüttelte : » Endlich ! ... Woher deine Mutter kommt - von der ich übrigens nichts Schlechtes glaube - , hätten die Leute bald weg und würden fragen : Was für einen Anhang bringt uns der Lehrer ins Dorf ? ... Das kann nicht sein - du mußt es selbst einsehen ... bescheide dich ... « Damit wandte er sich , und indem er den Schweiß abtrocknete , der ihm trotz der herbstlichen Kühle auf der Stirn perlte , trat er eilends die Flucht an , um etwaigen neuen Vorschlägen Pavels zu entrinnen . Er hätte solche nicht zu fürchten gebraucht . Der Bursche brachte das Gespräch nicht mehr auf die immer näher heranrückende Trennung , wurde nur stiller , trauriger , führte aber sein arbeitsvolles Leben fort und suchte die Gesellschaft seines Gönners nicht öfter auf als zu jeder andern Zeit . Und Habrecht , mit dem Egoismus des Kranken , der keine Sorge aufkommen läßt als die um seine Genesung , wollte nichts wissen von dem Kampf , der sich hinter Pavels anscheinender Ruhe verbarg ; wollte nichts wissen von einem Leid , dem abzuhelfen ihm unmöglich gewesen wäre . Geschieden mußte einmal sein , es geschah am besten klaglos . Übrigens vergaß Habrecht seinen Schützling beinahe über dem Verdruß , den sein Nachfolger ihm bereitete . Dieser junge Mann , Herr Georg Mladek , war einige Tage später eingetroffen , als er erwartet worden , hatte sich an der Verwunderung ergötzt , die Habrecht darüber äußerte , und auf die Zumutung , ins Schloß zu gehen , um der Frau Baronin seine Aufwartung zu machen , geantwortet : » Recht gern , wenn sie jung und schön ist . Sonst habe ich mit Baroninnen nichts zu tun und auf ihren Schlössern nichts zu suchen . « » Aber « , meinte Habrecht , » die Höflichkeit gebietet ... « » Nicht jedem - ich , zum Beispiel , bin ohne Vorurteile . « Er tat sich darauf etwas zugute , fast so arm zu sein wie Hiob und ganz so stolz wie Diogenes , bezog die Schule an der Spitze eines Koffers , eines Feldbettes , eines Tisches , eines Sessels , fand sich für den Anfang genügend versorgt und dankte ablehnend für die Bereitwilligkeit , mit welcher sein Vorfahr im Amte ihm einiges Hausgerät zur Verfügung stellen wollte . So wanderte denn Habrechts Mobiliar in die Hütte an der Sandgrube , vom Volksmund schlechtweg » die Grubenhütte « getauft , und nahm sich dort ordentlich stattlich aus , erregte auch vielfachen Neid . Die Leute fanden Habrechts Großmut gegen Pavel unbegreiflich und kaum zu verzeihen . Mladek aber machte sich über das Verhältnis zwischen den beiden seine eigenen Gedanken und hatte keinen Grund , dieselben dem » Kollega « zu verheimlichen . Am Vorabend des für Habrechts Abreise bestimmten Tages suchte er ihn auf und fand ihn in der Schulstube , wo er , am Fenster stehend , in ungeduldiger Erwartung auf die Straße blickte . Als der Eintretende ihn anrief , sah Habrecht sich um und sprach : » Sie sind ' s - gut , gut , daß Sie ' s sind ; es ist mir lieb , daß es kein anderer ist . « » Welcher andere denn ? « » Nun , der Pavel , wissen Sie . Aufrichtig gestanden , ich beabsichtige , mich heute schon , und zwar ohne Abschied , davonzumachen ... des Burschen wegen . Ich gehe freudig von hier fort , kann ' s nicht verbergen , und das tut ihm weh . So habe ich mich bei der Frau Baronin und beim Herrn Pfarrer empfohlen und fahre ab , bevor Pavel nach Hause kommt ... Habe mir ein Wägelchen bestellt - drüben an die Gittertür ... es sollte schon dasein . « Er eilte wieder an das Fenster und bog sich weit über die Brüstung . Der Wind zerzauste ihm die spärlichen Haare , in dünnen Strähnen umflogen sie seinen Scheitel und sein Gesicht , das so alt aussah und so wenig harmonierte mit der noch jugendlich schlanken und beweglichen Gestalt . Er trug den schwarzen Anzug , den ihm sein Vater zur letzten Prüfung hatte machen lassen und der , auf eine körperliche Zunahme des Besitzers berechnet , die nie eintrat , die hageren