nicht gelang , es im Umsehen zu bemeistern . In allem , was sie tat , wollte sie rasche Resultate sehen . Nichtsdestoweniger hielt man sich bei Stimmung und fand immer neue Mittel , um ein sich anmeldendes Unbehagen aus dem Felde zu schlagen . In allen Kaminen brannten riesige Feuer , der kleine Geistliche , wenn er zur Unterrichtsstunde kam , ward über den halben Tag hin festgehalten , und die kaum dreijährige Marischka , Toldys Jüngste , sah ihren Geburtstag gefeiert , als ob sie wenigstens eine Prinzeß gewesen wäre . Zweimal gab es auch Tanz . Zigeuner , denen man bei dem Unwetter einen Unterschlupf in einer Schloßbaracke gegönnt hatte , spielten zum Dank dafür ihre Czardas ( Hanka selber war mit heraufgekommen ) , und Graf und Gräfin saßen all die Zeit über in der großen Halle , darin sich die Dienstleute versammelt hatten , und sahen dem Treiben zu . Selbst Josephine tanzte mit , unter den Klängen der Musik sich einer Exklusivität entschlagend , auf die sie sonst nur in ihren intimsten Privatverhältnissen zu verzichten pflegte . So ging es anderthalb Wochen , und man hätte sich in neue gute Tage , die doch endlich anbrechen mußten , hinübergerettet , wenn nicht Krankheit gekommen wäre . Erst erkrankte Hannah und den Tag darauf auch der Graf . Franziska nahm es nicht allzu schwer damit oder gab sich wenigstens das Ansehen davon , und als Hannah sie wegen der doppelten Krankenpflege bedauern wollte , sagte sie : » Hannah , ich begreife dich nicht . Wie du nur so töricht sein und alles so falsch ansehen kannst ! Du tust mir leid , und der Graf tut mir leid , aber sprich nur nicht von Mitleid mit mir . Mir konnt eben nichts Besseres geschehen als eure Krankheit . Ich bin doch nun das Billardspiel los und die Promenaden im Treibhaus und kann mich statt dessen mit etwas Vernünftigem beschäftigen , also zum Beispiel , ob eure Zudecke sich verschoben hat oder ob ihr vielleicht heimlich ein Buch habt , aus dem ihr lesen wollt und nicht sollt . Glaube mir , Hannah , ich schwärme geradezu für Barmherzige-Schwesterschaft oder , wenn dir das zu katholisch klingt , für Diakonissentum ; wenigstens hier . Der Graf wollt es mir auch abdisputieren und einige meiner Krankenpflegepflichten in die Küche verweisen , die Kathis und Nanis hätten ohnehin nichts zu tun , aber ich hab ihn bekehrt und ihm rundheraus gesagt , erst käme ich und dann die Kathis , und ich hätte nicht Lust , mir eine so gute Gelegenheit zum Zeitvertreib entgehen zu lassen . Und sieh , Kind , so liegt es wirklich . Ich gönne dir alle mögliche Gesundheit , weil ich weiß , daß du Krankheit nicht leiden kannst , aber wenn ich ein bißchen egoistischer wäre , so wünscht ich dir jeden Tag einen furchtbaren Wadenkrampf , so furchtbar und so heftig , daß ich dich ganz in Senfpflaster einwickeln müßte . Das kenn ich alles noch von meiner seligen Mutter her , und war eigentlich schlimm genug , aber mitunter war es auch eine wahre Wonne , wenn ' s einen so in die Augen biß , bis die Tränen kamen . « » Male den Teufel nicht an die Wand . « » Wegen des Krampfes oder wegen der Tränen ? « » Vielleicht wegen beidem . Ich hab es nicht gern , wenn du so sprichst , Franziska . Bedenke doch , ich kenne dich von klein auf und weiß nur zu gut , daß dir ganz anders ums Herz ist . Es geht etwas in dir vor , und du willst es nur nicht aufkommen lassen . « » Ach , du bist eine Törin . Aber lassen wir ' s. Ich will nun fort und nach deinem Leidensgefährten sehen , er wird sonst ungeduldig . Hier stell ich dir die Medizin her und das abgebrauste Brausepulver . Und nun hast du alles , was du brauchst , zur Hand . Oder soll ich dir lieber noch die Josephine schicken ? « » O nein . « Und nach diesem Zwiegespräch ging sie treppab . In dem Zimmer unten lag der Graf auf einem Feldbett , nur mit einem Militärmantel zugedeckt . Er hatte so seine Vorstellungen von dem , was sich für einen Soldaten gezieme , wohin vor allem auch ein künstlich genährtes Entsetzen vor dem Federbett gehörte . Nichts als das Ticktack der Uhr unterbrach die Stille . Die schweren Damastvorhänge der Fenster waren geschlossen , und nur vom Tisch her , auf dem eine mit einem Schleier verhangene Lampe stand , fiel ein mattes Licht auf das Lager des Kranken . » Ei , das ist hübsch , daß du kommst , Fränzl . Ich habe die Minuten gezählt . Es ist so leer und öde hier , so leer und öde für mich schon , und wie muß es erst für dich sein ! O dieser Regen ! Es regnet , regnet immer noch . Vorzüglich ! Ich kann diese Zeile von eurem französisch-preußischen Dichter gar nicht loswerden . Aber nun setz dich und nimm den Lampenschleier fort , ich will dich deutlicher sehen können . Oder laß ihn doch lieber , ich komme sonst auch in eine helle Beleuchtung , und ein Kranker präsentiert sich am besten im Halbdunkel , wenn er sich überhaupt präsentiert . Ein vermaledeites Wetter ! Und dreimal vermaledeit diese Neuralgie ! Hier in der Hüfte sitzt es . Sie nannten es Ischias , die Herren Doktoren , aber das ist mir gleich , sie könnten es auch Inferno genannt haben oder geradezu Hölle . Judith , wenn sie davon hörte , würde sagen , es spuke vor . Aber es kann nicht jeder in den Himmel kommen . Dazu muß man eben einen Beichtvater haben wie Feßler , der fromm genug ist , einen Luzifer loszubeten . Glaubst du nicht auch ? Apropos , ist ein Brief