die sie raschelnd durch die Büsche gleiten hörte ; da paßte sie sich den Schuh wieder an , erhob sich und trat in die Hütte . XII Muckerl war ohne Sträußchen auf dem Hute von der Stellung zurückgekehrt . Obwohl man das allgemein erwartete , so hatten doch die Kleebinderin und die Matzner Sepherl mit nicht geringem Bangen seiner Heimkunft entgegengesehen . Die Angst der alten Frau war übrigens ganz überflüssig , sie hätten ihr den Buben nicht genommen , und wäre der auch ein Riese gewesen , ja , er hätte sich nicht einmal zu stellen brauchen , wenn sie rechtzeitig gehörigen Ortes dagegen eingeschritten wäre , denn als der einzige Sohn einer Witwe , welcher deren Unterhalt bestreitet , war er militärfrei ; aber es nahm sich eben keiner die Mühe , sie darüber zu belehren . Wo es Pflichten zu erfüllen gilt , da weiß die Ortsobrigkeit auf Meilen in der Runde die Armen und Ärmsten zu finden , ihre Rechte - es sind deren nicht allzu viele - lehrt sie niemand suchen . Nach dem lärmenden Abzuge der Rekruten war es ziemlich stille geworden im Dorfe . Die Bauern , deren Söhne fortgezogen waren , fluchten leise , denn der Entgang zweier kräftiger Arme machte sich bald auf den kleinen Wirtschaften allerorten fühlbar ; nun mußten sich die Alten entweder in vermehrter Arbeitsplage selbst hinunterschinden oder in den Beutel langen und einen Knecht dingen ; es bedurfte just keiner besonderen Arbeitsscheu oder Sparsamkeit , um sie auf jene neidisch zu machen , die keine tauglichen Buben , aber dafür augenscheinlich mehr Patriotismus besaßen , indem sie oft nachdrücklichst ihren Söhnen erklärten : » Kerl , mir tut nur leid , daß dich der Kaiser nit gnommen hat , und wann er dich heut noch wollt , gleich könnt er dich habn ! « Ganz anders und , wie sich das bei ihnen von selbst versteht , edler dachten die Weibsleute von der Sache . Mütter und Schwestern bangten und sorgten nur , was aus dem Steffel , Seppel oder Martel würde , » wenn ein Krieg auskäm « , und gar die Dirnen , deren Schatz fortgezogen war , die machten sich über dieses Äußerste hinaus noch herzinnerste Sorgen , was das lustige Soldatenleben an ihrem liebn Bubn verderben könnte ? ! Warum sie sich besagtes Leben gar so lustig dachten , darüber konnten sie sich selbst oder wollten sie anderen nicht Rechenschaft geben ; aber so eine war wirklich gar übel daran ! Für einen Menschen , der mit der Eigenart seines Geschlechtes einigermaßen vertraut ist , hatte es gar nichts Auffälliges , daß die Männer , trotz ihrer rohen Anschauungen , wenig dem Glücke der alten Kleebinderin nachfragten , während diese , gerade der edleren , weiblichen Denkweise zufolge , mit einmal mehr Neiderinnen zählte , als sie je zuvor in ihrem ganzen Leben besessen . Gewöhnliche Naturen ziehen es indes vor , sich beneiden und nicht bedauern zu lassen , und Muckerls Mutter war eine sehr gewöhnliche . Wenn die Sonne über dem Hügel , auf dem der Sternsteinhof stand , heraufkam und das breit einströmende Licht in der kleinen Hütte alles glänzen und gleißen machte , was dazu angetan war , die Werkzeugklingen auf dem Arbeitstische des Burschen , die Bleche und Glasuren der Küchengeschirre , die Bilderrahmen und die Messingbeschläge der Schränke , da dünkte der alten Frau , das liebe Tagesgestirn leuchte wieder so wärmend und erfreuend , wie es das zu ihren besten Zeiten getan , wo sie als sorgenloses Kind , als aufgeweckte Dirn , als junges Weib und Mutter unter seinen Strahlen sich fröhlich tummelte und - bräunte . Am Sonntage , nachmittags , nach dem Segen , gingen die alte Kleebinderin und Muckerl , die alte Matzner und Sepherl zusammen durch das Dorf . Die beiden Alten trippelten nebeneinander her , und die zwei jungen Leute schritten ihnen vorauf . Die drei Frauenzimmer trugen erstaunlich große Gebetbücher in den Händen , es mochte viel Trost und Erbauung in einem solchen Platz haben . Wenn der Bursche an die Dirne ein Wort verlor oder diese eines an ihn , wackelten die zwei alten Weiber mit den Köpfen und sahen sich bedeutungsvoll an . » Du , Sepherl « , sagte Muckerl , » die Muttergottesin , die d ' bei mir bestellt hast , is fertig , der Anstrich is schon trocken , wann du willst , kannst s ' morgen schon in d ' Kirchen tragen . Ich hoff , du wirst zufrieden sein . « Er schmunzelte dazu . » Das mein ich schon auch « , sagte sie ernst . Daheim stellte er die Statuette auf seinen Arbeitstisch und fragte die Dirne , wie sie ihr gefalle . Sepherl stand lange davor mit wundernden Augen , dann sagte sie leise : » Weißt , die Schlange , das muß ich schon sagen , is dir gar gut graten , völlig fürchten könnt mer sich vor dem Vieh . « Muckerl lachte laut auf . » Und von der Heiligen sagst nix ? « » Die is z ' schön « , flüsterte die Dirne . » Gar z ' schön ! « lachte er noch lauter . » Schau , Muckerl « , fuhr die Sepherl fort , » du mußt mer ' s nit übel aufnehmen , ich red nur , wie ich ' s versteh , und ich versteh leicht gar wenig davon , aber schon lang wollt ich dir ' s sagen , deine Heiligen kommen mir doch alle vor wie reicher Leut Heilige . « » Reicher Leut Heilige - was benamst d ' als selbe ? « » Mein Gott , so Bildeln halt , was reicher Leut Augen schmeicheln , als ob gleich ihnen d ' lieben Heiligen ein Ansehn hätten , so füllig und ausgestalt , wie wenn ein gring Sorgen und Mühen dazu gehöret , daß eins sich ' s Himmelreich erstreit ! Zviel weltlich machst