, kann sich melden . Ich verpflichte mich , euch innerhalb acht Tagen abzuholen und gebe Verpflegung und Wein , soviel ihr wollt , nur dürft ihr das Versteck der Waren nicht verraten , sondern müßt , wenn euch die Fischer aufspüren sollten , irgendein Märchen erfinden . Nun , wer will ? « Robert trat mit der Mütze in der Hand vor . Seine Augen baten so eindringlich , daß Worte gar nicht nötig waren . » Herr Kapitän , bitte lassen Sie mich mitgehen ! « Van Swieten lächelte . » Meinetwegen , du Schlingel . Willst gern ein bißchen Robinson spielen , nicht wahr ? Na , geh nur mit . In Havanna finden wir uns hoffentlich auf einem neuen Schiff wieder zusammen , wenn es auch nicht die arme brave Antje Marie ist , und wenn wir auch den alten Geisterseher nicht mehr bei uns haben . Gott gebe ihm die ewige Ruhe , amen ! « Dann wurden die beiden zum Bleiben auf der Insel bestimmten Matrosen ausgewählt ; Mohrs Seekiste kam als Roberts Eigentum in die Kapitänskajüte , um zunächst der Gefahr entzogen zu werden , man peilte nochmals und fand , daß das Wasser im Raum nicht gestiegen war - dann ging die Mannschaft zur Koje . Robert schlief nicht . Zuviel stürmte auf ihn ein , zu viele Gedanken , frohe und traurige , beschäftigten ihn . Die acht Tage auf der Insel sollten ihm zu einem einzigen Freudentag werden ! Was er sich jemals Märchenhaftes und Abenteuerliches ausgedacht hatte , sollte jetzt Wirklichkeit werden ! In Pinneberg veranstalteten ja schon die größeren Jungen so gern allerlei Räuberspiele ; sie führten untereinander Krieg auf den Inseln im Mühlenteich und in der Aue , wobei Robert jedesmal der Anführer gewesen war , - aber was war das gegen die Freude , in einer wirklichen Wildnis zu leben , in unbekannte Gegenden vorzudringen und Neues , immer Neues zu sehen ? Sein Herz hüpfte vor Freude , und wäre es nicht das Bild des alten Mohr gewesen , das zuweilen wie ein Schatten auftauchte , so würde der Junge heimlich den Schiffbruch der Galliot als ein sehr frohes Ereignis bezeichnet haben . Aber die Erinnerung an den verlorenen Freund kam immer wieder zurück , mischte sich in jede Hoffnung , jede Freude - er konnte sie nicht zurückdrängen , sooft er es auch versuchte . Wo mochte jetzt die Leiche sein ? Vielleicht von den Haien gefressen , vielleicht treibend im weiten Weltmeer . Roberts Augen wurden feucht , als er an den Alten dachte . Ja , sein Wunsch sollte erfüllt werden , in Havanna wollte er nach Hamburg anmustern und mit den Ersparnissen des unglücklichen Menschen nach Hause zurückkehren . Er wollte später von Mohrs Erbe das Steuermannsexamen machen , ja , und wenn er einmal ein Schiff besaß , so sollte es » Der Geisterseher « heißen , zum Andenken an den verlorenen Freund . Allmählich schlief er ein . Wunderbar ruhig und still war die Tropennacht . Kein Hauch , keine Welle bewegte das Wasser . Hoch oben am Himmel glänzte der Vollmond , und im Meer spiegelte sich sein helles , lächelndes Rund . Träumte Robert oder wachte er , als er zu hören glaubte , daß sich das Deck mit Männern anfüllte , daß ein Ringen und Stampfen , ein Ächzen und Fluchen die Stille der Mitternachtsstunde unterbrach ? - - War es Wirklichkeit , daß er die Männer an den Pumpen gefesselt an Deck liegen sah , und daß die fremden Gestalten ihre Arbeit übernommen hatten , während andere den Kapitän und den Obersteuermann gebunden in ein Boot schleppten ? Robert fuhr auf und sah hart neben sich das braune , bärtige Gesicht eines der Fischer . Noch war er selbst nicht bemerkt worden , und sein Verstand riet ihm , sich vollkommen regungslos zu verhalten . Was konnte der Überfall bedeuten ? Das Rätsel sollte bald gelöst werden . Er hörte , wie van Swieten und Renefier in deutscher Sprache miteinander verhandelten . » Die Schurken « , knirschte der Kapitän , » die verfluchten Schurken ! « Renefier seufzte . » Du bist an allem schuld ! « gab er zurück . Ein lautes Rufen der Spanier übertönte seine Worte . Sie schnatterten durcheinander und begannen im Logis und in der Kajüte zu suchen . Robert horchte angestrengt . » Sie können den Jungen nicht finden « , sagte van Swieten . » Ich wollte wünschen , daß er entkäme . « Es rann heiß und kalt durch Roberts Adern . Auf dem Bündel alter Segel , das er sich hinter der Kombüse als Lager eingerichtet hatte , war er bis jetzt den Räubern entgangen , aber wie lange würde es dauern , bis man ihn entdeckt haben und mit den andern gefesselt in das Boot schaffen würde ? Er durfte nicht zögern . Auf der Insel befand sich alles , was man für mehrere Wochen zum Leben brauchte , an Bord dagegen kam er in die Gefangenschaft einer Verbrecherbande . Schnell entschlossen ergriff er ein starkes Tau , zog es durch einen eisernen Ring der Bordwand und ließ sich geräuschlos daran hinabgleiten in das Wasser . Dann zog er , um seine Flucht gänzlich zu verbergen , das Tau schleunigst nach und schwamm in langen Zügen der Insel zu . Niemand entdeckte ihn , keiner der Räuber ahnte etwas . Das Boot mit der gefangenen Mannschaft stieß ab , als der Junge das Ufer erkletterte . Durchnäßt bis auf die Haut , allein in der weglosen Wildnis , zitternd vor Schwäche und Anstrengung sah er , wie auf dem Schiff die Piraten das Kommando ergriffen hatten und die Ladung als ihr Eigentum in Besitz nahmen . Als Robert den letzten Schatten des Bootes aus den Augen verloren hatte , sank er , von der Aufregung betäubt , ohnmächtig zu Boden . Allein Die Nacht verging , und die Räuber arbeiteten eifrig . Sie schafften