zu besiegeln , daß sie dir unauslöschlich möge ins Herz geschrieben sein . Höre und richte mich . « - » Was werd ' ich hören ? « sprach die Königin wachsam und fest entschlossen , sich weder täuschen noch erweichen zu lassen . » Ich wär ' ein schlechter Römer , Königin , und du müßtest mich verachten , liebte ich nicht vor allem andern mein Volk . Dies stolze Volk , das selbst du , die Fremde , liebst . Ich wußte , wie du es weißt - daß der Haß gegen euch als Ketzer , als Barbaren in den Herzen fortglimmt . Die letzten strengen Taten deines Vaters hatten ihn geschürt . Ich ahnte eine Verschwörung . Ich suchte , ich entdeckte sie . « - » Und verschwiegst sie ! « sprach die Regentin , zürnend sich erhebend . - » Und verschwieg sie . Bis heute . Die Verblendeten wollten die Griechen herbeirufen und nach Vernichtung der Goten sich dem Kaiser unterwerfen . « - » Die Schändlichen ! « rief Amalaswintha heftig . - » Die Toren ! Sie waren schon soweit gegangen , daß nur Ein Mittel blieb , sie zurückzuhalten : ich trat an ihre Spitze , ich ward ihr Haupt . « - » Cethegus ! « - » Dadurch gewann ich Zeit und konnte edle , wenn auch verblendete Männer von dem Verderben zurückhalten . Allgemach konnte ich ihnen die Augen darüber öffnen , daß ihr Plan , wenn er gelänge , nur eine milde mit einer despotischen Herrschaft vertauschen würde . Sie sahen es ein , sie folgten mir , und kein Byzantiner wird diesen Boden betreten bis ich ihn rufe , ich - oder du . « » Ich ! rasest du ? « - » Nichts ist den Menschen zu verschwören ! sagt Sophokles , dein Liebling . Laß dich warnen , Königin , die du die dringendste Gefahr nicht siehst . Eine andre Verschwörung , viel gefährlicher als jene römische Schwärmerei , bedroht dich , deine Freiheit , das Herrschaftsrecht der Amaler , in nächster Nähe - eine Verschwörung der Goten . « Amalaswintha erbleichte . » Du hast gestern zu deinem Schrecken ersehn , daß nicht deine Hand mehr das Ruder dieses Reiches führt . Ebensowenig dieser edle Tote , der nur ein Werkzeug deiner Feinde war . Du weißt es , Königin , viele in deinem Volk sind blutdürstende Barbaren , raubgierig , roh : sie möchten dies Land brandschatzen , wo Vergil und Tullius gewandelt . Du weißt , dein trotziger Adel haßt die Übermacht des Königshauses und will sich ihm wieder gleichstellen . Du weißt , die rauhen Goten denken nicht würdig von dem Beruf des Weibes zur Herrschaft . « - » Ich weiß es , « sprach sie stolz und zornig . - » Aber nicht weißt du , daß alle diese Parteien sich geeinigt haben . Geeinigt gegen dich und dein römerfreundlich Regiment . Dich wollen sie stürzen oder zu ihrem Willen zwingen . Cassiodor und ich , wir sollen von deiner Seite fort . Unser Senat , unsre Rechte sollen fallen , das Königtum ein Schatte werden . Krieg mit dem Kaiser soll entbrennen . Und Gewalt , Erpressung , Raub über uns Römer hereinbrechen . « - » Du malst eitle Schreckbilder ! « - » War ein eitles Schreckbild , was gestern geschah ? Wenn nicht der Arm des Himmels eingriff , warst nicht du selbst wie ich der Macht beraubt ? Warst du denn noch Herrin in deinem Reich , in deinem Hause ? Sind sie nicht schon so mächtig , daß der heidnische Hildebrand , der bäuerische Witichis , der finstre Teja in deines betörten Sohnes Namen offen deinem Willen trotzen ? Haben sie nicht jene rebellischen drei Herzoge zurückberufen ? Und deine widerspenstige Tochter und - « - » Wahr , zu wahr ! « seufzte die Königin . » Wenn diese Männer herrschen - dann lebt wohl Wissenschaft und Kunst und edle Bildung ! Leb wohl , Italia , Mutter der Menschlichkeit ! Dann lodert in Flammen auf , ihr weißen Pergamente , brecht in Trümmer , schöne Statuen . Gewalt und Blut wird diese Fluren erfüllen , und späte Enkel werden bezeugen : solches geschah unter Amalaswintha , der Tochter Theoderichs . « » Nie , niemals soll das geschehen ! Aber - « » Du willst Beweise ? Ich fürchte , nur zu bald wirst du sie haben . Du siehst jedoch schon jetzt : auf die Goten kannst du dich nicht stützen , wenn du jene Greuel verhindern willst . Gegen sie schützen nur wir dich , wir denen du ohnehin angehörst nach Geist und Bildung , wir Römer . Dann , wenn jene Barbaren lärmend deinen Thron umdrängen , dann laß mich jene Männer um dich scharen , die sich einst gegen dich verschworen , die Patrioten Roms : sie schützen dich und sich selbst zugleich . « » Cethegus , « sprach die bedrängte Frau , » du beherrschest die Menschen leicht ! Wer , sage mir , wer bürgt mir für die Patrioten , für deine Treue ? « » Dies Blatt , Königin , und dieses ! Jenes enthält eine genaue Liste der römischen Verschwornen - du siehst , es sind viele hundert Namen : dies die Glieder des gotischen Bundes , die ich freilich nur erraten konnte . Aber ich rate gut . Mit diesen beiden Blättern geb ' ich die beiden Parteien , geb ' ich mich selbst ganz in deine Hand . Du kannst mich jeden Augenblick bei den Meinen selbst als Verräter entlarven , der vor allem deine Gunst gesucht , kannst mich preisgeben dem Haß der Goten - ich habe jetzt keinen Anhang mehr , sobald du willst : ich stehe allein , allein auf dem Boden deiner Gunst . « Die Königin hatte die Rollen mit leuchtenden Augen durchflogen . » Cethegus , « rief sie jetzt , »