, meine Dine , sie bezahlte mit Zuckerlecken seine Schulden . « Nun hieß es alle Hände rühren . Schon früh um neun erschien der Friseur . Kaum war der kunstvolle Turmbau mit erster Kraft und Laune vollendet , stellte auch schon Dörtchen sich ein , um die Taille zu schnüren und die Points vor dem Busen festzuheften . » O das hat ja noch Zeit ! « sagte ich abwehrend . » Ich muß mich doch aber auch anziehen , Fräulein Hardine , « entgegnete die Kleine » und noch früher oben sein als Sie . « » Du ? « fragte ich verwundert . » Ich helfe dem Vater nur ein wenig ; der arme Mann weiß nicht , wo ihm der Kopf steht , Fräulein Hardine . « Dawider konnte nun im Grunde nichts eingewendet werden . Ich ließ mich daher zur Wespe zusammenpressen und saß viele Stunden beklemmt und mit noch röterem Angesicht denn sonst im väterlichen Lehnstuhl . Die Mama huschte zwischen Backofen und Toilettentisch hin und wieder ; der Papa hatte Not , sich in die alte Galamontur zu zwängen . Zwischen Stück und Stück probierte er ein Entrechat , um die Glieder für die große Abendaufgabe gelenk zu machen . An ein Mittagbrot dachte von der gesamten Donnerstagsgesellschaft heute schwerlich ein Mensch . Endlich , endlich schlug es vier . Die amtmännliche Karosse rollte vorüber , und die Familie Reckenburg schlüpfte durch das Pförtchen des seligen Leibbarbiers auf die Schloßterrasse und in den Pavillon . Sie war die erste auf dem Platz . Einem Prinzen von Geblüt darf man nicht nur , man muß ihm zuvorkommen . Das Wetter war sommermild ; Bäume und Sträucher blühten . Man hätte Ende April keinen günstigeren Nachmittag treffen können , wenn es auf eine fête champêtre abgesehen gewesen wäre . Da es aber auf die Präsentation eines Fürstensohnes abgesehen war , hatte man sich anstandshalber für das herzogliche Lusthaus entschieden , wie Mutter Reckenburg für die Robe von drap d ' argent . Das Lusthaus bestand allerdings nur aus einem einzigen Saal , war aber für den heutigen komplizierten Zweck mit Hilfe einer Draperie in zwei Hälften geteilt worden . Die vordere diente zum Empfang und darauffolgendem Tanz , die hintere passierte als Speisesaal . Die vorausgesendeten Gerichte gewährten eine verlockende Dekoration wie auch , gemischt mit den vom Garten hereindringenden Frühlingsdüften , einen gar würzigen Parfüm . Unter der Draperie , zwischen beiden Abteilungen , stand Meister Müllers Büfett , und seine behäbige Gestalt lehnte in der Tür , die zur Seite in Küche und Keller führte . Dorothee verhielt sich natürlich hinter der Szene . In diesem Raume , der übrigens sein fürstliches Ansehen leidlich bewahrt hatte , harrte die vollzählig versammelte Gesellschaft eine Stunde lang , zwei Stunden , noch länger auf den Ersehnten , der - nicht kam . Keiner setzte sich , keiner hatte die Geduld , ein Gespräch fortzuführen . Aller Blicke hingen gespannt an der geöffneten Tür . Es war so stumm in dem gefüllten Saale , daß man die Vögel draußen zwitschern hörte . Auf der Tribüne hielt die Regimentsmusik standhaft die Trompeten am Munde , um den Bewillkommnungstusch nicht zu versäumen . Unter dem Eingange stand im Prallsonnenscheine , chapeau bas , das Komitee , an seiner Spitze mit zum Tubus gehöhlter Hand der Rittmeister von Reckenburg . Alles lauschte , lugte , lauerte - kein Prinz kam . Absichtliche Unpünktlichkeit von seiten eines kursächsischen Blutsverwandten konnte nicht angenommen werden ; es mußte ein Mißverständnis obwalten oder ein Unfall eingetreten sein . Nach langer Deliberation setzte sich der Chef des Komitees zu einer untertänigen Anfrage in Bewegung , und hat die Familie dieses Chefs späterhin vertraulich in Erfahrung gebracht , daß es mit der unannehmbaren fürstlichen Unhöflichkeit doch nicht so ganz ohne gewesen sei . Als der Abgesandte vor dem hohen Gaste erschien , lag derselbe gemächlich im Schlafrock auf der Causeuse ausgestreckt , eine lange Türkenpfeife im Munde und den Hamburger Korrespondenten in der Hand . » Schon ? « fragte er gähnend . » Sind die Schönen ihrer Reize so sicher , um sie bei Sonnenschein preiszugeben ? « Doch verhieß er sein Erscheinen , sobald Zeitung und Toilette vollendet sein würden . Es dämmerte bereits , als der Abgesandte mit dieser Botschaft zurückkehrte . Flugs wurden die Fensterläden geschlossen , die Kronleuchter angezündet . Die Gesellschaft rangierte sich in zwei Heckenwände , zwischen denen der erlauchte Gast seinen Durchgang nehmen sollte . Obenan die Gemahlinnen des Adels , dann die bürgerlichen ; nunmehr die Fräulein , neben ihnen die Demoiselles und endlich die Herren in gleicher Rangordnung . Noch dauerte es eine gute Weile , ehe der lange gehegte Tusch und gleich darauf die vorstellende Stimme des maître de plaisir am oberen Ende erschallten . Ich hatte mich nicht umgeblickt und mein Haupt in stolzester Haltung aufgerichtet , um das schlagende Herz vor mir selber Lügen zu strafen . Erst als ich meinen Vater den Namen : » Freifräulein Eberhardine von Reckenburg « nennen hörte , und während ich mich zu der bewährten Menuettsenkung niederließ , hob ich das Auge , so ruhig ich vermochte , zu dem Vorüberstreifenden empor . Ich war auf einen schönen Mann vorbereitet ; der aber , meine Freunde , welcher meinem Blick begegnete , er war nicht nur der schönste Mann , den ich bis dahin gesehen - denn das würde nicht viel bedeuten - , aber es war und blieb , ich weiß keinen bezeichnenderen Ausdruck als : der anmutvollste Jüngling , den das Leben mir vorgeführt hat . Hatte er in seine Jugend gestürmt , das Äußere wenigstens trug von diesen Stürmen keine Spur , nicht die schlanke , geschmeidige Gestalt , nicht die rosige Farbe von fast mädchenhafter Transparenz , nicht die Züge , welche vielleicht zu weich und fein erschienen sein würden ohne das große , schwarzblaue Auge , das mit kühnem Feuer das Antlitz beherrschte . Dazu das lichtblonde Bärtchen über der heiter