Haide , auf der jetzt fast vollkommene Nacht lag , - der kleine Mann murmelte unverständliche Worte , indem er sich möglichst weit von mir entfernte und dann , vermuthlich aus Furcht vor meiner geladenen Flinte , wieder herankam und ganz demüthig erklärte , daß er keineswegs die Absicht gehabt habe , mich zu beleidigen , daß es ja auch ganz undenkbar sei , ein ehrenwerther Steuerbeamter , wie mein Vater , habe seinen Sohn wissentlich zu einem notorischen Schmuggler gethan ; daß auf der andern Seite der Verdacht , ich sei ein Spion im Dienste der Behörden , mit meinem ehrlichen Gesicht und meinem sonstigen loyalen Wesen gänzlich unvereinbar und vollkommen lächerlich sei ; daß er übrigens ja auch herzlich gern zugebe , Alles , was man gegen Herrn von Zehren vorbringe , sei vollkommen aus der Luft gegriffen - die Leute schwatzten ja so vieles , nur , um zu schwatzen ; und er , der sich erst so kurze Zeit in der Gegend aufhalte , könne am wenigsten wissen , was daran sei ; und daß er es sich schließlich als eine Ehre anrechnen werde und sich herzlich freue , mich als Gast auf seinem Hofe , dessen Lichter eben vor uns aufblitzten , und wo die Andern mittlerweile längst angekommen sein müßten , zu begrüßen und eine Flasche Wein mit mir zu trinken . Ich vernahm kaum , was der Mann sagte ; in meiner Seele stürmte es zu gewaltig . Ich erwiederte nur kurz , es sei gut , und ich glaube nicht , daß er es böse gemeint habe . Dann bat ich ihn , mich bei Herrn von Zehren zu entschuldigen , und schritt über die Haide davon , in der Richtung des nun nahen , mir wohlbekannten Weges , der von Melchow , dem Granow ' schen Gut , nach Zehrendorf führte . Elftes Capitel . Der nächste Morgen war so glorreich , daß er auch wohl ein noch schwerer verdüstertes Herz als das meinige hätte aufhellen können . Ueberdies war ich , müde wie ich war , so schnell entschlummert , nachdem ich kaum mein junges , sorgenvolles Haupt auf ' s Kissen gelegt , und hatte so fest geschlafen , ich mußte mich ordentlich erst darauf besinnen , was mich denn gestern Abend nur so außer mir gebracht hatte . Nach und nach fiel es mir freilich wieder ein , und da wurde mir die Stirn heiß , das weite Zimmer zu eng , es litt mich nicht mehr zwischen den Wänden , ich hatte , wie immer in meinen Nöthen , das Gefühl , daß draußen unter dem blauen Himmel Alles besser werden müsse , und ich eilte die steile Hintertreppe hinab in den Park . Nun irrte ich unter den im Morgenwinde leise wehenden Zweigen der hohen Bäume , zwischen den sonnebeglänzten Büschen auf den wildverwachsenen Wegen , bald zum Himmel schauend , bald mit verschränkten Armen düster auf den Boden starrend , zwischendurch einem Vogel lauschend , der unaufhörlich sein monotones kleines Herbstlied zirpte , oder eine Raupe beobachtend , die an einem klafterlangen Faden von einem Zweige herabhängend hin und her schaukelte , und versuchte , jene für einen jungen Menschen so überaus schwierige Aufgabe zu lösen , versuchte , mir meine Situation klar zu machen . Ich hatte gestern Herrn von Granow die Wahrheit gesagt : es hatte sich , seitdem ich auf dem Gute war , nichts ereignet , was jenen Verdacht bestätigt hätte ? Ich war ja kaum von seiner Seite gekommen während dieser ganzen Zeit ! Keine fremden Leute waren auf dem Hofe erschienen , keine verdächtigen Zusammenkünfte hatten stattgefunden ; es waren keine Waaren eingeliefert und außer jenen paar Fässern Wein an die Nachbarn meines Wissens auch keine ausgeliefert worden . Die Leute , die zum Gute gehörten , sahen allerdings aus , als ob sie zu jedem andern Geschäft mehr aufgelegt seien , als zu einer ehrlichen Hantierung , und besonders mein langer geprügelter Freund Jochen hatte unmöglich ein reines Gewissen ; aber die Kathenleute rings herum auf den andern Gütern , in der Nähe des Strandes , waren sämmtlich zum Theil verkommenes , zum Theil verwegenes , seeräubermäßig aussehendes Gesindel , wie denn auch gar viele Fischer und Schiffer gewesen und gelegentlich noch waren . Daß aber die Bande , der wir gestern begegnet , nicht aus unsern Leuten bestanden hatte , davon glaubte ich mich überzeugt zu haben , als ich bei den Tagelöhnerwohnungen vorüber kam und Jochen nebst ein paar Andern wie gewöhnlich vor den Thüren sitzen sah . Und dann ! zugegeben : Herr von Zehren war in Wirklichkeit , wozu ihn der böse Leumund machte ; nun , so trieb er es am Ende nicht schlimmer , als die Andern auch . Ein wenig paschten sie Alle - das hatte ich aus Granow ' s Munde ; und wenn alle diese adeligen Herren sich nicht genirten , ihre Keller mit Wein zu füllen , von dem sie wußten , daß er geschmuggelt war , - der Hehler war so gut wie der Stehler , und Herr von Zehren nur vielleicht hier , wie überall und immer , der kühnere Mann , der den Muth hatte , zu thun , was die Andern gern gethan hätten . Und endlich ! ich war ihm zum tiefsten Dank verpflichtet ! Sollte ich auf einen Verdacht hin , auf die Klatschereien eines Schwätzers hin , ihn verlassen , der immer so gütig , so freundlich zu mir gewesen ? der mir seinen besten Hund und seine beste Flinte , nein ! - seinen zweitbesten Hund und seine zweitbeste Flinte geschenkt , dessen Börse , dessen Cigarrenkiste ( ach ! und welche köstlichen Cigarren führte er - ich hatte nie geglaubt , daß es solche Cigarren gebe ! ) mir alle Zeit offen gestanden ! Nein und abermals nein ! Und wenn er wirklich ein Schmuggler , ein Schmugler von Profession wäre ! - aber wie konnte ich erfahren ,