zu gewinnen , wurde ich eifriger als je in meinen Studien . Ein leidenschaftliches Verlangen und ein Durst nach Wissen und nach Erkenntniß der Wahrheit bemächtigten sich meiner , ich wollte dem genügen , was Fräulein Amanda von sich selber verlangte , was sie in mir voraussetzte . Es giebt nichts Großes , nichts Heiliges , das uns nicht bewegte , nichts Edles , nach dem wir nicht strebten . Wir fühlten uns frei einander gegenüber , und wir trennten uns wie Freunde und Geschwister sich trennen , als der junge Freiherr seine Reisen antrat , auf denen ich ihn begleiten sollte . Es war ausgemacht worden , daß ich dem Fräulein schreiben dürfe . Niemand hatte ein Arg daran , am wenigstens wir selber . Ich wußte , daß alle meine Briefe von der Mutter gelesen wurden , ich vermuthete , daß sie auch die Antworten ihrer Tochter an mich las , und doch blühten auf der offenen Heerstraße dieses Briefwechsels die Blumen auf , deren Duft uns den Sinn verwirrte , deren Ranken uns umstrickten . Der junge Baron und ich , wir blieben zwei Jahre im Auslande . Voll Freude und Zuversicht kehrten wir in die Heimath zurück , aber es war vorüber mit dem friedensvollen Glücke , das ich vor der Reise in dem freiherrlichen Hause genossen . Ich hatte nicht mehr das Herz , dem Fräulein wie sonst zu begegnen , ihr fehlte der Muth , mir zu nahen ; wir vermieden einander . Ich fragte mich nicht , was geschehen sei ; jeder Athemzug sagte es mir . Die Trennung von ihr hatte eine wilde Leidenschaft in mir angeregt , eine Leidenschaft , die in doppeltem Sinne für mich eine Sünde in sich schloß . In heißen Kämpfen , in brünstigen Gebeten rang ich nach Frieden . Er wollte mir nicht kommen . Ich mußte die Ursache meiner Leiden fliehen . Ich forderte meine Entlassung . Baron Franz bedurfte meiner Begleitung auch ferner in der That nicht mehr . In den Tagen fand sich ein Bewerber um des Fräuleins Hand . Amanda bewies sich demselben nicht geneigt . Ahnungslos , nur an das Zutrauen denkend , das die Tochter mir gewährte , wandten die Eltern , welche diese Verbindung wünschten , sich an mich . Ich sollte Amanda bestimmen , dem Verlangen ihrer Eltern nachzugeben , und ich beschloß , da ich selbst den Mann hoch schätzte , der das Fräulein zur Frau begehrte , die schwere Pflicht , die man mir auferlegte , als erste Buße über mich zu nehmen . Ich betete auf meinen Knieen um die Kraft der Selbstbeherrschung , und Gott schenkte sie mir . Ich bezwang mein Herz , ich konnte Amanda sagen , was man von ihr verlangte und was zu Gunsten ihres Bewerbers sprach . Ich rieth ihr , dem Wunsche ihrer Eltern nachzukommen ; ich rieth ihr , den Weg zu gehen , auf den die Vorsehung sie führen zu wollen schien . Sie hörte mich an , still aber entsetzt , als spräche ich eine Gotteslästerung aus . Ihre Augen füllten sich mit Thränen , und die Hände vor der Brust faltend , fragte sie mich mit strafendem Tone : Das verlangen Sie , grade Sie von mir ? Das wagen Sie mir als Tugend , als Pflichterfüllung vorzuzeichnen ? Und als ich verwirrt und sprachlos vor ihr stand , hob sie ihre gefalteten Hände gegen mich empor und fragte schluchzend : Giebt es denn keinen Ausweg aus dem unheilvollen Labyrinthe , keinen Ausweg als den Meineid , an dem der Mensch zeitlich und ewig zu Grunde gehen muß ? Und wieder schwieg der Caplan . Angelika reichte ihm die Hand ; er drückte sie ihr leise und fuhr dann fort : Der Stunde folgte eine Zeit voll schwerer Verblendung , voll großer Noth , voll tiefer Verwirrung . Als Selbstüberwinder , wenn auch herzzerrissen , gingen wir beide daraus hervor . Ich verließ das Haus , Amanda verlangte in ein Kloster einzutreten . Die Zärtlichkeit der Eltern , die Vorsicht des Arztes wollten davon nicht hören , denn ihr Körper war dem Seelenleiden nicht gewachsen ; sie verzehrte sich in ihrem Schmerze . - Niemand wußte , was ihr fehle ; wir hatten einander ewige Trennung und ewiges Schweigen gelobt . Ich hörte nichts von ihr , als in den seltenen Fällen , in denen Baron Franz mir schrieb und ihrer Erwähnung that . Aber er lebte damals nicht im Vaterhause und hatte auch nur brieflich Nachricht von der Schwester . Drei Jahre waren so hingegangen , fuhr der Caplan fort ; ich kehrte von einer Missionsreise aus dem Innern von Südamerika zurück , als ich von Amanda ' s Vater die Anfrage erhielt , ob ich mich entschließen könne , seine Frau und Tochter auf einer Reise zu begleiten . Ein furchtbarer Schrecken kam über mich . Ich wußte , wie es stand , da Amanda mich zu sich rief . Ich fuhr Tag und Nacht . Es war früher Morgen , als ich in dem Schlosse eintraf . Alles schlief . Ich befand mich wieder in ihrer Nähe ; ich wagte nicht , nach ihr zu fragen . Als man sich im Hause erhoben hatte , ließ die Baronin mich rufen . Ihre ersten Worte bestätigten mir , was ich bereits wußte . Sie werden mein armes Kind verändert finden , sehr verändert , sagte die Baronin , indeß Gott ist ja allmächtig und kann Wunder thun ! Die Aerzte vertrösten uns auf die Luft des Südens . Meine Tochter theilt unsere Hoffnungen für ihre Genesung nicht , aber sie wünschte Ihre belehrende Begleitung , und wir waren sicher , daß Sie uns nicht fehlen würden , da wir Ihrer nöthig hatten . Eine Stunde später führte man mich zu Amanda . Welch ein Wiedersehen war das ! - Die Reise wurde nach wenig Tagen angetreten . Noch vor dem Beginne des Herbstes erreichten wir Italien , ließen wir uns in Venedig