war und dann mit ihm aufbrechen sollte , saß still neben Ursula , nicht minder beklommen von der nahen Abschiedsstunde wie von der Gegenwart seines Vaters und Bruders , die zwar jetzt in der gewissen Zuversicht , das Stephan , wenn er nur einmal von Ursula getrennt sei , ihr auch nicht treu bleiben werde , jetzt seine Huldigungen für sie weniger mißfällig bemerkten , aber ihn doch immer beobachteten , was ihn noch mehr in der Seele der Jungfrau beengte denn in der eigenen . Ebenso schien der Ritter von Weyspriach zu beklagen , daß er von Beatrix Immhof scheiden mußte , für die er an seine Erzählungen aus dem Morgenlande manche Galanterie geknüpft ; und so gab es noch manchen fremden Herrn und manche für ritterliche Artigkeit empfängliche Nürnbergerin , die alle das Ende dieser harmlos fröhlichen Festtage bedauerten , und darum schon im voraus die gute Laune verloren hatten , so daß die ersten Gänge der auserlesenen Mahlzeit ziemlich still eingenommen worden waren , bis endlich Kunz von der Rosen sich in ' s Mittel schlug und in langer mit vielen Späßen und Seitenhieben » auf Männlein wie Weiblein « , wie er sich ausdrückte , gewürzten Rede sich für den einzigen Vernünftigen und Alle für Narren und Närrinnen erklärte , die mit dem Gedanken an die künftigen Entbehrungen sich schon die gegenwärtigen Genüsse verdarben und durch eigene Schuld in Gift verwandelten . Das half endlich und ebenso der massenhaft genossene Wein , der die Zungen löste zu freier Rede und fröhlichem Lachen , so daß die Unterhaltung bald die lebhafteste ward , die man je in diesen Tagen geführt . Da hob der König die Tafel auf . Es war das Zeichen zum baldigen Aufbruch . Kunz trat zu Elisabeth und Ursula und flüsterte ihnen zu : » Ich wollte Euch wohl einen guten Rath geben , wenn Ihr mir mit ein paar anderen Frauen hinausfolgtet in die anderen Gemächer . « Elisabeth hatte bis jetzt immer die Einfälle des Narren zu ihren Gunsten gefunden , warum sollte sie ihm jetzt nicht vertrauen ? Sie folgte ihm also mit Ursula , Beatrix , Eleonora Tucher und ein paar anderen Frauen . Er führte sie durch verschiedene Corridore und Säle bis in das Gemach des Königs . » Seht , « sagte er , » da liegt die Rüstung , die er zu dem Ritt anlegen wird - da liegen seine Stiefel und Sporen . Ich weiß aber , er gebe etwas darum , wenn er einen Grund fände , heute noch hier zu bleiben . Wer weiß , giebt es nicht ein Unglück wenn wir reiten , denn ich glaube , es wird Mancher von uns schief im Sattel sitzen . Nun aber nimmt der König nie einen einmal gegebenen Befehl zurück , es sei denn , er würde durch einen Scherz oder von den Fürbitten schöner Frauen dazu gebracht ; wäret Ihr nicht alle froh , wenn wir noch heute hier blieben und noch einmal zusammen tanzten , statt allein auf den schlechten Wegen zu Pferd die Balanze zu verlieren ? « Alle riefen : » O wenn das möglich wäre ! « Kunz hob Maxens Stiefel empor , legte den einen der gewaltigen Ritterstiefel von unbeschreiblicher Last auf Elisabeth ' s weiße Arme , den andern gab er Frau Tucher und sagte : » Nun wohl , hier habt Ihr seine Stiefel , versteckt sie , so kann er nicht fort ; aber eilt , damit er uns nicht bei der That erwische . « Wirklich hörte man draußen Tritte , und Kunz entfloh mit den Frauen durch eine kleine Tapetenthüre eine düstere Treppe hinab . Hier wurden die Stiefel in den finstersten Winkel gestellt , und auf einem anderen Weg kehrten die Nürnbergerinnen wieder in den Speisesaal zurück . Der König mit den Rittern hatte sich entfernt , sich zum Fortritt zu rüsten . Markgraf Friedrich , der nicht mit nach Neuenmarkt wollte , war noch da bei seinen anderen Gästen . Da meldete ihm ein Diener : es sei unbegreiflich , aber die Stiefel Sr. Majestät wären verschwunden und hätten doch vorhin bei der Rüstung gestanden . Der Markgraf wollte aufschäumen über die Fahrlässigkeit des Gesindes , da trat Elisabeth vor und sagte : » Wir wollen es nur gestehen : wir haben Sr. Majestät Stiefel und Sporen verborgen , damit er noch heute bei uns in Nürnberg bleibe . « » Und mit uns tanze ! « fügte Eleonora hinzu ; » da kann er der Reiterstiefel und Sporen entbehren . « Der Markgraf lachte und ging zum König . Es dauerte nicht lange , so brachte er ihn wieder ; fröhliches Jauchzen empfing ihn und die Trompeten schmetterten . » Sehet ! « sagte Elisabeth , als der König zu ihr trat : » schon habe ich nun bei Euer Majestät etwas für mich selbst erbeten - und ich hätte auf die Rose , nun mein höchstes Kleinod gedeutet , wenn Ihr ' s verweigert . « Max nahm den Scherz gnädig auf und war gern bereit noch zu bleiben . In die Stadt sandte man Boten , noch andere Herren und Damen zum Tanz zu holen , der noch die ganze Nacht durch währte . Noch einmal durfte Elisabeth die Huldigungen des Königs empfangen , noch einmal Ursula mit Stephan in trauter Nähe die Schwüre ewiger Treue tauschen - aber auch die plötzlich noch geschenkten Stunden verflogen und verrauschten , und endlich kam doch die letzte , die den Abschied brachte . - - Am folgenden Tage war es sehr still in Nürnberg . Der König war in aller Frühe und Stille mit seinem Gefolge zur Stadt hinausgeritten , als könne er sonst noch einmal zurückgehalten werden . » Die Gefangenschaft war weder so lang noch so langweilig wie die zu Brügge ! « flüsterte Kunz ihm zu . Die Nürnberger aber hatten Mühe , sich wieder in das alte Geleise ihres thätigen Lebens zurückzufinden . Zehntes Capitel Elisabeth