ein scharfes Streiflicht auf die runzligen Züge . » Es ist gut ! « sprach Ekkehard . Er verließ die Stube . Audifax war froh , als er wieder blauen Himmel über sich sah . » Dort sind sie gesessen ! « sprach er und deutete den Berg hinaus . » Ich werd ' s ansehen « , sprach Ekkehard . » Du gehst zum hohen Twiel zurück und bestellst zwei Knechte her mit Hacke und Beil und Otfried , den Diakon von Singen , er soll eine Stola mitbringen und sein Meßbuch . « Audifax sprang davon . Ekkehard stieg auf den hohen Krähen . In der Burg zu Hohentwiel war indes die Herzogin an der Mittagstafel gesessen . Sie hatte oft unstet herumgeschaut , als wenn ihr etwas fehle . Die Mahlzeit war kurz . Wie Frau Hadwig mit Praxedis allein war , hub sie an : » Wie gefällt dir unser neuer Lehrer , Praxedis ? « Die Griechin lächelte . » Rede ! « sprach die Herzogin gebietend . » Ich hab ' in Konstantinopolis schon manchen Schulmeister gesehen « , sprach Praxedis wegwerfend . Frau Hadwig drohte mit dem Finger : » Ich werd ' dich aus meinen Augen verbannen ob so unehrerbietiger Rede . Was hast du über Schulmeister zu lästern ? « » Verzeihet « , sprach Praxedis , » es ist nicht schlimm gemeint . Aber wenn ich so einen Mann der Bücher sehe , wie der ernsthaft einherschreitet und einen Anlauf nimmt , um aus seinen Schriften das herauszugraben , von dem wir ungefähr auch ahnen , daß es kommen muß , und wie er mit seinen Pergamenten zusammengewachsen ist , als wär ' s ihm angetan worden , und seine Augen nur für die Buchstaben einen Blick haben und kaum für die Menschen , die um ihn sind : so steht mir das Lachen nahe . Wenn ich nicht weiß , ob Mitleid am rechten Platze , so lach ' ich . Des Mitleids wird er auch nicht bedürfen , er versteht ja mehr als ich . « » Ein Lehrer muß ernst sein « , sagte die Herzogin , » das gehört dazu , wie der Schnee zu unsern Alpen . « » Ernst , ja wohl ! « erwiderte die Griechin , » in diesem Land , wo der Schnee die Berggipfel deckt , muß alles ernst sein . Wär ' ich doch gelehrt wie Herr Ekkehard , um Euch zu sagen , was ich meine . Ich meine , man sollte auch im Scherz lernen können , spielend , ohne den Schweißtropfen der Anstrengung auf der Stirn - was schön ist , muß gefallen und wahr zugleich sein . Ich meine , das Wissen ist wie Honig , verschiedene können ihn holen , der Schmetterling summt um den Blumenkelch und findet ihn auch , doch so ein deutscher weiser Mann kommt mir vor wie ein Bär , der schwerfällig in den Bienenstock hineingreift und , die Tatzen leckt - ich hab ' an Bären keinen Gefallen . « » Du bist ein leichtsinnig Mägdlein « , sprach Frau Hadwig , » und unlustig des Lernens . Wie gefällt dir denn Ekkehard sonst - ich meine , er sei schön ? « Praxedis sah zu ihrer Gebieterin hinüber : » Ich hab ' noch keinen Mönch drum angeschaut , ob er schön sei . « » Warum ? « » Ich hab ' s für unnötig gehalten . « » Du gibst heute sonderbare Antworten « , sprach Frau Hadwig und erhob sich . Sie trat ans Fenster und blickte nordwärts . Jenseits der dunkeln Tannenwälder schaute in plumper Steile der Fels von Hohenkrähen zu ihr herüber . » Der Hirtenbub war vorhin da , er hat Leute hinüber bestellt « , sprach Praxedis . » Der Nachmittag ist mild und sonnig geworden « , sagte die Herzogin , » laß die Pferde rüsten , wir wollen hinüber , reiten und sehen , was sie treiben . Oder - ich hab ' vergessen , daß du dich über die Mühsal beklagt im Sattel zu sitzen , da wir vom heiligen Gallus heimkehrten : ich werd ' alleine ausreiten ... « Ekkehard hatte sich auf dem Hohenkrähen den Schauplatz des nächtlichen Gelages betrachtet . Wenig Spuren waren übrig . Das Erdreich um den Eichbaum war rötlich angefeuchtet . Reste von Kohlen und Asche deuteten auf den Feuerplatz . In den Ästen der Eiche sah er mit Befremden da und dort kleine Wachsbilder von menschlichen Gliedmaßen versteckt hangen , Füße und Hände , Abbilder von Pferden und Kühen , - Gelöbnisse für Heilung von Krankheit an Menschen und Tier , die der bäuerliche Aberglaube damals noch am altersgeweihten Baume lieber löste als in der Kirche des Tales . Zwei Männer mit Haugeräte kamen heran . » Wir sind bestellt « , sprachen sie . » Vom Hohentwiel ? « fragte Ekkehard . - » Wir arbeiten der Herrschaft , unser Sitz ist drüben am Hohenhöwen , wo der Rauch der Kohlenmeiler aufsteigt . « » Gut « , sagte Ekkehard , » ihr sollt mir die Eiche hier fällen . « Die Männer sahen ihn verlegen an . » Vorwärts « , rief er , » und sputet euch ! Bis die Nacht anbricht , muß sie umgehauen liegen . « Da gingen die zwei mit ihren Beilen zu der Eiche hin . Mit offenem Munde standen sie vor dem stolzen Baum . Einer ließ sein Beil zur Erde fallen . » Kommt dir der Platz nicht bekannt vor , Chomuli ? « frug er seinen Nebenmann . » Warum bekannt , Woveli ? « Der Holzhacker deutete nach Sonnenaufgang , setzte die geballte Rechte an den Mund , hob sie , als wenn er trinke und sprach : » Darum , Chomuli . « Da sah der andere nach Ekkehard hinunter und zwinkte mit dem Aug ' : » Wir wissen von nichts , Woveli ! « - »