machen und in dieser Eigenschaft zu erhöhen . Sie sehen an solchen Eisenbahnen , die einen niedern Curs ihrer Actien haben , wie das dabei betheiligte Publicum Alles aufbietet , um diesen Curs zu heben und den Werth der Schienenlinie zu erhöhen . Dies ist nur ein ungefähres Beispiel jener organischen Verschmelzung , in der ich mir die Arbeit in das allgemeine Leben des Staats aufgenommen denke . Die Arbeit muß endlich aufhören , eine Ausgesetzte , ein Paria der Gesellschaft zu sein . Dankmar war entzückt . Er theilte diese Meinung theoretisch nicht ganz ; ihn ergriff nur der Contrast der Blouse und dieser geistreichen Worte . Übrigens zweifelte er nicht , daß er hier doch wol einen jener socialistischen Schwärmer vor sich hatte , der sich Handwerker nannte , weil er es wirklich einmal war , längst aber in einen höhern Bildungsstand übertrat und nur die alte Weise beibehielt , um den Arbeitern näher zu stehen und ihnen Vertrauen zu erwecken . Nach einigem Bedenken entgegnete er : Ich habe lange Zeit , um den gewaltsamern radicalen Mitteln zur Besserung der Welt auszuweichen , mich mit diesen linderen beschäftigt , die Sie andeuten . Oft habe ich mir die Menschheit als einen kranken Organismus gedacht , wo der rasche , vielbeschäftigte und ungeduldige Arzt sogleich Eisen und Feuer verordnet , der tieferblickende , wohlwollende und prüfende aber nur eine Umstimmung der Functionen . Wenn ich dann aber zuletzt doch sah , daß zur Umstimmungsmethode Jahrhunderte gehören würden und vor allen Dingen solche Staatsformen , wie wir sie eben von dem Status quo nicht erlangen können , so bin ich immer wieder darauf zurückgekommen , daß wir bei der alten Methode der Französischen Revolution , bei der Zerstörung des Feudalstaats , zur Zeit noch leider müssen stehen bleiben . Wir müssen - es hilft doch nichts - nivelliren . Die Fürsten und der Adel müssen durchaus dem Vorrecht des Bluts entsagen , der Begriff der Gewalt muß in die Souverainetät des Volks gelegt werden und alle bisherigen Stützen der Macht in den Dienst der neuen Staatskräfte treten . So nur finden wir Zeit und Gelegenheit , jene größern , anfangs vielleicht nationalen Naturprocesse durchzumachen , die in der Triebkraft aller solcher Völker liegen , denen die Geschichte die Einwurzelung in ihre Heimatlichkeit und den Glanz und die Größe dieser Heimatlichkeit raubte . Dann können nach den nationalen Wiedergeburten die Völker jene noch größern Beglückungen der Gesellschaft anbahnen , die in einer veränderten Gliederung des Menschengeschlechts überhaupt liegen und in jenen Neuerungen , die Sie andeuten . Ich verkenne keineswegs , wie gefahrvoll die Entwickelung jener Zustände ist , die man die Herrschaft des Volks , Demokratie , nennt . Allein die Reformation hatte auch ihre Bauernkriege , ihre Bildersturmexcesse und ihre Wiedertäufer . Ihr besserer Kern erhielt sich und ließ nicht einmal dasjenige Gute verkennen , das auch in jenen gräuelvollen Misverständnissen noch theilweise lag . So muß es auch mit der Demokratie werden . Oder glauben Sie wirklich , daß unter der Alleinherrschaft der Könige das Alles sich ausführen läßt , was Sie sich unter der Heiligung der Arbeit gedacht haben ? Ich glaube an die Monarchie , als an eine in der menschlichen Natur begründete Staatsform ; aber die edle ideelle Monarchie ist die Monarchie der Zukunft , nicht die der Gegenwart . Mit der Monarchie der Gegenwart , die sich aufs Mittelalter , auf den Adel , das Militair , die Beamten , die gottbegnadete Berufung stützt , ist nichts Derartiges anzufangen , wie Sie sich ' s als heilsam denken . Blicken Sie um sich ! Die deutschen Fürsten haben plötzlich aus der demokratischen Frage eine nationale und nun aus der nationalen gar eine Cabinetsfrage gemacht ! Dynastie wetteifert mit Dynastie , und die alten verjährten Vorurtheile der Völker und Stämme werden aus der Trödelkammer der Geschichte wieder hervorgesucht , abgestäubt , mit dem Firniß neuer Redensarten überputzt und so zum Gefechte geführt . Kommen wir da weiter ? Werden da , wenn diese nutzlosen Kämpfe , die nur Blut , Geld und frivole Gedanken kosten , vorüber sind , nicht wieder dieselben alten Schäden bald zum Vorschein kommen ? Oder ist es nicht gleich besser , zu sagen - Fort mit allen Fürsten und reinen Tisch gemacht ? fiel der Fremde lächelnd ein . Dankmar schwieg , weil ihn der satirische und durchdringende Blick seines Gefährten jetzt plötzlich befremdete . Es spielten ihm um die zusammengekniffenen feinen Mundwinkel soviel pikante Schattirungen , daß er sich plötzlich vornehmen mußte , in seinem Vertrauen nicht zu weit zu gehen . Der Fremde strich seinen schönen Kinnbart , der sich rund um das längliche Oval seines edlen Gesichts zog und ihm viel Ähnlichkeit mit Dankmarn selbst gab , und sagte : Ich muß lachen , wie ich als einfacher Tischler dazu komme , Ihnen , einem studirten Herrn , so ernst entgegnen zu wollen , und doch bin ich nicht Ihrer Meinung .... Sie wirklich ein Tischler ? sagte Dankmar , fast verletzt darüber , daß der Fremde noch jetzt sein Incognito in dieser Weise aufrechterhalten wollte . Ja ! Ja ! Ich bin ein Tischler , sagte der Fremde . Warum denn nicht ? Ich könnte Ihnen manchen eleganten Stuhl zeigen , den ich zusammenleimte , und noch viel mehr hab ' ich mich geübt , Meubles zu zeichnen , hübsche Formen zu erfinden . Doch gesteh ' ich Ihnen sehr gern , daß ich auch , wenn ich will , auf meinen Arbeiten selbst sitzen darf und sie nicht zu verkaufen brauche . Ich bin ein Tischler , aber ich trage diese Blouse nur , weil es , wie Sie sehen ... stäubt . Fürchten Sie da aber nicht , daß man Ihnen einen Paß abfodert und Sie ein Incognito , das Sie zu bezwecken scheinen , lüften müssen ? fragte Dankmar . In diesen Zeiten fodert man keine Pässe ; antwortete der Fremde ; ich gehe auch nur bis Hohenberg . Bis Hohenberg ?