dem bel homme auch noch den Politiker , den Staatsmann , den Redner zu umfangen gewünscht hätte . Ihre in diesem Sinne gemachten Andeutungen waren denn auch unserm Helden nicht entgangen , und wenn ihn schon seine eigne Eitelkeit zu einer politischen Karriere trieb , so sah er schließlich nur einen doppelten Nutzen , wenn er daran dachte , daß ihn auch der geringste Erfolg immer vorteilhafter mit der Herzogin verbinden würde . Du willst als Staatsmann auftreten - sagte Schnapphahnski daher eines Morgens zu sich selbst , indem er den Kopf auf die Hand stützte - , eh bien ! - und er besann sich auf alles , was er je von berühmten Rednern gehört , gesehen und gelesen hatte . Die Alten lagen unserm Helden zu fern . Ein Römer und Schnapphahnski - - der Ritter fühlte , daß er nie ein Römer werden würde . Ohne weiteres wandte er sich daher der neuen Zeit zu , und gewiß würde er sich der Heroen der Konstituante und des Konvents erinnert haben , wenn er nicht bei dem Gedanken an diese » blutdürstigen Ungeheuer « ein solches Herzklopfen bekommen hätte , daß er sich schleunigst der allerneuesten Zeit zuwandte - - da war unser Ritter zu Hause ! Denn bis in die kleinsten Details hinein war ihm das parlamentarische Leben der Franzosen und Briten gegenwärtig . Sollst du ein Montalembert werden , hinreißend durch Beredsamkeit , imponierend durch altadlige Kühnheit und unterjochend durch jene mystisch-katholischen Wendungen , die wie ein riesiger Trauerflor seiner Rede nachwallen ? Oder ein Larochejaquelin , lebendig , auf seinem Thema reitend wie auf geflügeltem Rosse , frech und herausfordernd , sarkastisch-witzig und erobernd durch die ritterliche Keckheit eines ungebändigten Edelmanns ? Oder sollst du Lamartine nachahmen , bald vornehm durch die Nase sprechen und bald in blumenreichen Redensarten dich ergießen , von der Vorsehung säuseln und durch den Namen Gottes Effekt zu machen suchen ; ja , historische und literarische Reminiszenzen auskramen und deine Zuhörer mit dir fortziehen in das rosenduftende Paradies der Rhetorik , wo da wenige praktische Wege und Stege sind , aber desto mehr weiche Mooshügel , Palmen , Trauerweiden und ähnliche wohlfeile dichterische Gegenstände ? Oder sollst du dir den Herrn Guizot zum Muster nehmen , den kalten , tugendhaften Mann , oder gar den kleinen betörenden Thiers , der sich wie eine Schlange auf die Tribüne hinaufwindet und so allerliebst von allem spricht , was er weiß und was er nicht weiß - - ? Unser Ritter wurde immer tiefsinniger . Aber auch die Geister des britischen Parlaments stiegen vor unserem Helden herauf . Sollst du dich naiv ausdrücken wie der alte Wellington ? Sollst du den Rufer im Streit , den Lord Stanley spielen ? Sollst du dich Lord Campbell nähern und behaupten , du seist ein großer Rechtsgelehrter ? Oder sollst du dir gar Henry , den unvergleichlichen Lord Brougham , zum Vorbild nehmen ? Das wäre eine Rolle ! Ja , und im Unterhaus , wen nimmst du dir da zum Muster ? Sollst du , ein Sir Robert Peel , in weißer Weste und im blauen Frack vor deine Zuhörer treten , jetzt die Rechte feierlich erhebend und jetzt rasselnd die grüne Papierdose schlagend ? Oder sollst du wüten wie Roebuck , der ewige Krakeeler , oder die Interessen der Torys vertreten wie ein Lord George oder ein Ferrand ? O göttlicher Lord George , der du aus dem Jockey-Klub kamst und im Parlamente dich erhobst als der Erste deiner Partei , oh , wenn ich dir nicht gleichen kann , so laß mich wenigstens deinem Freunde Disraeli ähnlich sehn , wenn er im Wirbelwinde der Beredsamkeit seine Feinde zu Boden wirft , ihren alten Ruhm entwurzelnd und tabula rasa machend mit ihrem ganzen Einfluß . Was sind die Lorbeeren der Literatur , was die Lorbeeren des Schlachtfeldes gegen die Lorbeeren der Tribüne ! Staunen soll man , wenn ich mich einst erhebe ! Schnapphahnski , o Schnapphahnski ! was steht dir bevor ! In wenigen Worten wirst du z.B. bei irgendeiner Debatte auseinandersetzen , wie es eigentlich gar nicht vonnöten sei , so vielen herrlichen Reden noch die deine folgen zu lassen , und wie nur die Wichtigkeit des vorliegenden Gegenstandes dich zu einigen einfachen Bemerkungen veranlassen könne - einfache Bemerkungen , die sich durch zwei oder drei Stunden hinwinden . Kurz und bündig ziehst du dann die Grenzen deiner etwaigen Rede - um natürlich nie innerhalb dieser Grenzen zu bleiben , sondern abzuschweifen und dich über Spanien und Portugal zu ergehen , über die Heilige Allianz zu sprechen und über die Not der arbeitenden Klasse , über deine Zuneigung zu Don Carlos und über englische Wettrennen und über alles , nur nicht über das , was ursprünglich zum Ziele gesteckt wurde . Bist du mit deiner Exposition fertig , so gibst du dich an die Argumentation und argumentierst mit Händen und Füßen , bis es deinen Zuhörern gelb und grün vor den Augen wird , ja , bis sie zu gähnen anfangen aus reinem Erstaunen vor deiner entsetzlichen Gelehrsamkeit . Dann aber brichst du plötzlich ab und rüstest dich zu der ersten Attacke auf deine Gegner , ein Übergang , der nie seine Wirkung verfehlt , der die Einschlafenden emporrüttelt und sie unwillkürlich in einen neuen Strom deiner Beredsamkeit hineinreißt . Mit Keulen schlägst du anfangs um dich , mit dem Morgenstern echt adliger Unverschämtheit ; dann ziehst du den krummen Säbel des Humors , und zuletzt spielst du mit dem Dolche des Witzes , der spitz die Herzen trifft und tötet , wo bisher nur verwundet wurde . Schrecken , Lachen und lustige Tränen folgen deinen Worten - doch da änderst du plötzlich deinen Ton , und wie du bisher als gewandter Gladiator deinen Gegenstand tief im Staube behandeltest : so schwingst du dich jetzt auf das stolze , hochtrabende Schlachtroß des Pathos und galoppierst zermalmend über die Kadaver deiner Feinde , die Posaune des Sieges an die Lippen drückend , um