sich befaßt , Herrgott , was da gesalbet und geschmiert werden muß ! Man frage einen Waadtländer , der wird auch was erzählen können über diesen Punkt . Es wird also niemand ungläubig den Kopf schütteln ob unserer Äußerung über die Doppelnatur der Zunge , die zwei ist und doch eins , und also niemand sich wundern , wenn sie auch bei Elisi scharf hervortrat . Wir haben im Berndeutsch gar herrliche Worte , die verschiedenen Sorten und Abarten des Geschwätzes zu bezeichnen : dampen , dämperlen , klapperen , stürmen , schwadronieren , poleten , hässelen , giftlen , schnäderen , ausführen , kifeln , rühmseln usw. Hässeln und schnädern möchten die beiden bezeichnendsten Worte für die Richtungen von Elisis Unterhaltungen sein . Am liebsten salbete es seine Zunge mit was Süßem und was Rotem , doch verschmähete es auch Fische , Pasteten , Geflügel nicht , so wenig als weißen Wein vom Jahre 1834 und Muskatwein , welcher bekanntlich gelb ist . Von Arbeiten war gar keine Rede mehr , selbst nicht mehr von Korallenanziehen , zog es doch nicht einmal sein eigen Kind an , hätte es , wenn es niemand anders tat , tagelang liegen lassen . Die eilf ägyptischen Plagen sind bekannt , eben angenehm sind sie nicht zu nennen ; aber auf einem Bauernhofe , wo alles arbeiten soll , jeder sein angewiesenes Tagewerk hat , eine Person zu haben , welche nichts tut als allenthalben herumstehen , alle versäumen mit Schnädern und Befehlen , mit Gerede von allen Sorten , alle Augenblicke was wollen , welches nicht zu haben und zu machen ist , und dann ein Geschrei und einen Jammer verführen ärger als ein junges Schwein in eines ungeschickten Metzgers Händen , das ist eine Plage , an welche Moses nicht gedacht zu haben scheint . Mach , wie wenn du daheim wärest , so sagt man zu einem Menschen , wenn man wünscht , daß es ihm recht behaglich und heimlich werde . So brauchte man aber zu Elisi nicht zu reden ; es tat wirklich , als wäre es daheim , und nahm von dem neuen Verhältnis , nach welchem Uli und Vreneli im Hause Meister waren , keine Notiz . Es lief im Hause herum wie im Stock , es stellte sich bei Mägden und Knechten , nahm sie in Anspruch bald für dieses , bald für jenes , strich besonders Uli nach ; wenn es ihn irgendwo merkte , hatte es keine Ruhe , bis es bei ihm war . Bitterlich dagegen haßte es Vrenelis schönes Kind und zeigte das so unverhohlen , daß man es so wenig allein bei ihm lassen durfte , als man eine Katze bei einem Kinde läßt ; Elisi wäre imstande gewesen , es zu kneifen und zu kratzen , und da es das nicht durfte . grinste es ihns wenigstens an , so daß dasselbe allemal sich zu fürchten und zu weinen anfing , wenn es Elisi von weitem sah . Nun sollte auch sein eigen Kind auf einmal so hübsch werden , und dazu wußte es kein ander Mittel , als demselben den ganzen Tag zu essen zu geben oder geben zu lassen , es förmlich zu mästen , und zwar mit dem größten Unverstand ; gute Milch gab es ihm keine mehr , es mußte dicker Rahm sein , stopfte ihm den ganzen Tag Brei in den Leib , schüttete ihm Wein darüber , stieß Zuckerbrot oder so was nach , daß das Kind erst fast erstickte und dann Bauchweh oder so was kriegte , jämmerlich schrie , bis es himmelblau wurde im Gesicht . Wollte die Mutter wehren , dann schrie Elisi , die Mutter gönne ihm kein schönes Kind , sie halte es mit Vreneli und dessen Balg ; wenn es wüßte , wie dem vergeben , es täte es noch heute , sparte es nicht bis morgen ; sie sollten sich in acht nehmen , wenn es dasselbe einmal in die Hände kriege , wolle es ihm die Hübsche vertreiben für sein Leben lang . Dann kam Joggeli und begehrte auf über das fortwährende Geschrei ; es sei eine halbe Stunde in der Runde kein Winkel , wo man einen ruhigen Augenblick haben könne , höre Eines auf , so fange das Andere an . Daß es ihm in seinen alten Tagen noch so gehen könne , daran habe er nie gedacht , aber er wisse wohl , wer an allem schuld sei , man möge es glauben wollen oder nicht . Die gute Base hatte wirklich böse Tage , Tage von denen sie sagen mußte , sie gefielen ihr nicht . Sie sah alle Tage eine Sache heller ein , an welche sie früher nicht gedacht hatte ; sie war ihr nie so recht vor die Augen gekommen , und die Erfahrung ists , welche Wissenschaft und Weisheit bringt . Sie hatte nämlich nie gesehen , was eine Person von Elisis Schlage für eine Mutter wird . Man kümmert sich manchmal darum , welche Haushälterin ein Mädchen werde , aber was es für eine Mutter werde , daran denkt man nicht oder man meint , der Verstand dazu werde ihm schon kommen , es wer , de ihns schon lehren . Ja , daß Gott erbarm , lehren ! Mutter wird Manche , ungesinnet , aber eine rechte Mutter sein , das ist ein schwer Ding , ist wohl die höchste Aufgabe im Menschenleben . Schon alleine der bloße Anblick der Mutter ist von unnennbarem Einflusse auf das Kind , kann das Kreuz mit der Schlange sein , bei welchem die Juden in der Wüste Heilung und Sicherheit vor den Schlangen fanden . Was gewährt aber nun so ein grinsend , unfreundlich , unsauber Ding wie Elisi einem Kinde für einen Anblick ? Welche Eindrücke saugt es ein ? Oder was meint man , muß es dem Kinde nicht ganz anders werden im Gemüte , wenn ihm an seiner Wiege des Tages und in der Nacht