sich seine Blicke auf die Vergangenheit ; er dachte an seine abenteuerlichen Reisen in Frankreich - in Spanien . Ein leises Frösteln durchzuckte seinen Körper , als er an Spanien dachte . Mechanisch griff er nach dem Tische , da fühlte er etwas Hartes , es war das Kästchen . Er erbleichte . Aber im nächsten Augenblick schon lächelte er über die Gedanken , die eben in ihm aufgestiegen . Er öffnete es - - diesmal lächelte er nicht mehr . Ein Medaillon , welches ein Miniaturbild enthielt , das seine Züge trug , glänzte ihm entgegen . - Sie ists - stammelte er - sie ist in meiner Nähe , sie athmet dieselbe Luft mit mir . Wohlan , ich bin gerüstet . Mag sie kommen ! - - - - Dies Weib ist ein Dämon , der sich an meine Fersen klammert ! - Was will sie noch weiter von mir ? - Dein Herzblut , Verräther ! - tönte eine Stimme hinter ihm . Der Fürst drehte sich um . Ines , einen blinkenden Dolch in der Hand , stand vor ihm . Besinnungslos stürzte er zu Boden . So verharrte sie einige Minuten in ihrer drohenden Stellung , als erwarte sie das Wiedererwachen des Fürsten . Dann schritt sie auf den Tisch zu , ergriff eines der Lichter und leuchtete dem Ohnmächtigen ins Gesicht . Das Licht zitterte in ihrer Hand . Sie setzte es auf die Erde nieder , knieete vor dem Fürsten hin und senkte den Kopf auf ihre Brust herab . Nur ein krampfhaftes inneres Schluchzen kündete den Kampf an , der in ihr vorgehen mochte . Dann richtete sich ihr Haupt in die Höhe . Zwei große Thränen standen in ihren Augen . - Er ist schön wie ehemals , als ich ihn in dem blühenden Thale Valencias zum ersten Male sah . Ich kann ihn nicht tödten . Aber ewig soll er vor mir zittern . Sie drückte einen Kuß auf die kalte , bleiche Stirn und erhob sich . Als der Fürst die Augen aufschlug , war Ines verschwunden . Schon war er versucht , das Ganze für einen Traum zu halten , aber das Medaillon zu seinen Füßen und der Dolch , welcher neben seinem Herzen auf dem Boden lag , bewies ihm , daß er nicht geträumt hatte . VIII - Die Tia bleibt lange - sagte Salvador , von Alicen sprechend . Er saß auf einer Fußbank nicht weit von Lydias gewöhnlichem Platz , und hielt seine alte Zither im Arm . - Wird Dir schon die Zeit lang , Kind ? - fragte schwermüthig lächelnd Lydia , von ihrer Arbeit zu ihm niederblickend . - Ich bin kein Kind mehr , Donna - sagte mit zusammengezogenen Brauen der Knabe - und habe keine Langeweile . Ihr wißt recht gut , daß ich am liebsten zu Euren Füßen sitze und Euch meine spanischen Lieder singe . - Nun , so spiel ' und singe doch ! - Nein - sagte Salvador kurz . - Warum nicht ? - Weil ' s Euch traurig macht , und mich auch . - Nun , dann erzähle mir Etwas . - Gut , ich werde Euch Etwas erzählen . - Salvador rückte seine Bank näher zu Lydia heran und begann nach seiner Weise , wie er es früher bei seiner Mutter gethan , zu erzählen , von den duftigen Thälern und grünen Bergen seiner Heimath . Voll kindlicher Einfalt blickte sein Auge zu Lydia empor , als sähe er in das seiner Mutter . Und Lydia selbst fühlte sich wunderbar bewegt von dem Wesen des Knaben . Seine Erzählung bestand meist nur in einfachen Beschreibungen und Erinnerungen aus seiner Kindheit , aber die eigenthümliche Mischung von Sanftheit und Starrheit , von fast weiblicher Milde und männlichem Trotz , die in dem Ton seiner Stimme und in dem Glanz seines großen schwarzen Auges lag , übte einen Zauber auf das ideale Gemüth Lydias aus , dem sie nicht widerstehen konnte . Ihre Hände sanken unthätig in den Schooß herab und ihr Auge senkte sich tief in das des Knaben . Salvador hatte aus dem ihm angeborenen feinen Takt vermieden , viel von seiner Mutter zu sprechen , obgleich , wenn er zufällig nur ihren Namen erwähnte , sein Gesicht jedesmal hell aufleuchtete . Lydia war jene Zurückhaltung nicht aufgefallen . Sie glaubte ihm eine Freude zu machen , wenn sie ihn bäte , von ihr zu erzählen . - Du hast Deine Mutter wohl sehr lieb ? Des Knaben Auge funkelte bei dieser Frage , aber er antwortete nicht . - Oder hast Du Deinen Vater lieber ? Lydia sah an der Blässe , welche bei diesem Worte plötzlich Salvadors Gesicht überzog , daß sie eine unglückliche Frage gethan . - Ich habe keinen Vater gehabt - sagte finster der Knabe . - Du willst sagen : Du hast Deinen Vater nicht gekannt . Er ist so früh gestorben , nicht wahr ? - Nein , ich kenne ihn sehr wohl , und werde ihn nie vergessen . Lydia begriff dies Räthsel nicht , aber sie schwieg , weil sie sah , daß dies Gespräch den Knaben aufregte . Salvador ließ seinen Kopf sinken und schien eingeschlafen zu sein , denn er antwortete Lydia nicht , als sie ihn bat , ihr etwas vom Tische zu reichen . Aber sie erstaunte , als sie den Knaben leise schluchzen hörte . - Was fehlt Dir , Salvador ? fragte sie besorgt , ihre Hand auf seinen Kopf legend . Da warf sich der arme Junge , von dem Schmerz seines Schicksals zerdrückt , zu ihren Füßen , umklammerte ihre Kniee und brach in lautes Weinen aus . Und Lydia , den Schmerz des Knaben ahnend und dadurch ihm sich verwandt fühlend , hob ihn auf , legte seinen Kopf in ihren Schooß und weinte mit . Es ist bekannt , daß nichts mehr tröstet , als den Wiederschein unseres Leidens in den