im vollsten und reinsten Maß genossen ! Da saßen Sie in der Gondel neben Sedlaczech , mit ihm redend , ihn anschauend , auf ihn hörend ; mir wendeten Sie den Rücken zu - denn ich hatte mit Gino ausgemacht , daß ich immer den Platz im Hintertheil der Gondel einnehmen könne . Oder Sie fuhren allein , und saßen stumm und unbeweglich da . In beiden Fällen dachte Ihre Seele nie an mich , hatte nicht die leiseste Ahnung daß ein magnetischer Zug von ihr ausgehend den Faden meiner Existenz in die Ihre hinüberspann . Nun sehen Sie : dennoch war ich selig , denn mich beschäftigte unablässig die Vorstellung wie süß dereinst Ihr Uebergang aus dem traumumfangnen Zustand zu dem Bewußtsein so geliebt zu werden , sein müsse . Zitternd daß durch die Erfüllung Ihrer kleinen Wünsche und Einfälle irgend ein Verdacht auf mich selbst oder auf Gino fallen könne , suchte ich Ihre Gedanken auf einen Fremden zu lenken , und ersann daher die geheimnißvolle Gondel . Als im Winter Ihre langen Gondelfahrten und mit denselben Ninos Dienst aufhörte , wurde ich Ihr Logen-Nachbar . Doch allmälig ward mir schwer , ja unerträglich was mir Anfangs süß gewesen : schweigen zu müssen in Ihrer geliebten Nähe . Allmälig ersehnte ich den Moment , der mich zu Ihren Füßen niederziehen und mir ein Geständniß gestatten würde - - - und ich hab ' es gethan : Sie sind die Herrin meiner Seele , die Königin meines Lebens ; und das sag ' ich Ihnen nicht blos mit Worten , die lügen könnten - sondern mit einer consequenten Reihe von Thatsächlichkeiten , die sich bis zum Anbeginn unserer Bekanntschaft erstrecken , und die unmöglich lügen können . « Ich fühlte mich in seltsamer Weise ergriffen , mehr überwunden als überzeugt , mehr gefangen als gerührt . Und doch war ich auch gerührt , aber mehr auf der Oberfläche als in der Tiefe meines Wesens . Ich mögte sagen daß der Kopf mehr als das Herz gefesselt war . Das Alles hatte Otbert für mich gethan , so lange ohne Hofnung an mir gehalten , o ! dann muß er mich lieben ! so räsonnirte ich .... allein ich fühlte es nicht ohne diese Beweise . Er drang nicht in mich mit Liebeswünschen und Liebesfoderungen ; er schien nichts zu begehren als seine Empfindung an den Tag zu legen . Diese Zuversicht war vielleicht das was ihn für mich unwiderstehlich machte . Ich willigte in unsre Verbindung . Denk ' ich jezt an ihn zurück , so muß ich sagen : er war ein merkwürdiger Mensch ! Er hatte in seiner Empfindungsweise die feine Glut , die bewegliche Reizbarkeit und den gewissen Eigensinn - was Alles man sonst den Weibern beizumessen pflegt , was aber vielleicht ebenso sehr mit einer nervenfeinen und sinnlich flammenden Organisation zusammenhängt , aus welcher wiederum die Dichternatur sich entwickelt . Diese feine lodernde anregende Liebe für alles Schöne , für jeden Genuß , ist für eine solche Dichternatur das , was die feuchtwarme , treibende Frühlingserde für den Pflanzenkeim ist : sie drängt ihn mächtig aus ihrem Schooß empor und hält ihn stets im innigen Zusammenhang mit sich selbst und ihren ahnungsreichen Geheimnissen und Symbolen . Aber sie bleibt nur die Basis seiner ferneren Entwickelung . Lüfte , Gestirne , Ungewitter , alle Elemente , alle Naturwesen , gießen ihren Segen und Unsegen über den zur Blume sich entfaltenden Keim aus ; und wird sie zu jener Wunderblume , die wir Genie nennen , dann stralen wiederum von ihr magische Einflüsse aus - Farbenspiele , Düfte , Stralen , welche Andere ihrer Art nicht üben und nicht haben , und welche die Essenz einer höhern Ordnung der Wesen verrathen . Allein es giebt manche Dichternatur und wenig , sehr wenig Genies . Otbert hatte schöne und reiche Gaben ; frage ich mich was ihm fehlte ? so muß ich sagen : eine gewisse Schwere , die ihn nach Innen gezogen und gesammelt hätte ; die Schwere , welche dem Diamant , der Perle , dem Golde eigen ist und sie so köstlich macht . Weil sie ihm fehlte , drum verflüchtigte er sich . In jener Zeit benahm er sich gegen mich in der anmuthig koketten Weise , welche man ebenfalls als Erbtheil der Frauen betrachtet . Wie er ging , wie er stand , wie er sprach , wie er sich kleidete , wie er sich bewegte - Alles war , ich will nicht sagen berechnet , jedoch bewußt . Es stand ihm so gut , und er vergaß nie was ihm gut stand ! Zuweilen warf ich ihm seine spielerische Eitelkeit vor . » Gefalle ich Ihnen oder nicht ? « fragte er . Dann mußte ich freilich eingestehen , daß er mir ganz außerordentlich und mehr als je irgend ein Mann gefalle . » Nun , dann lassen Sie mich doch gewähren ! entgegnete er . Ich gehöre nun einmal nicht zu jenen täppischen Gesellen , welche sich die Liebe der schönsten Frau der Welt plump gefallen lassen , und durch ihre Derbheit eine häßliche Folie zu der Anmuth des Weibes bilden . Ich kann mir den Adonis nicht als einen schönen aber brutalen Jäger - nicht den Endymion als einen schwerfälligen Schäfer vorstellen nachdem sich die Göttinnen zu ihnen geneigt hatten . Vorher - ja ! nachher - nein ! Zu mir hat sich die Göttin geneigt , Sibylle , und mich in die duftige Atmosphäre ihrer süßen Schönheit gehüllt ; - wie wollen Sie mir verbieten , daß ich mir nun selbst geweiht und verschönt erscheine ! - Komme ich Ihnen weibisch und verweichlicht vor ? - Bedenken Sie doch daß Nino in der gemeinen Tracht des Gondoliers Ihre Barke stundenlang gerudert , und stundenlang auf den Quadern des Quais , auf dem Strande von Torcello und Lido gelegen hat ! « Das war ebenso unbegreiflich als wahr ; und die Summe von dem Allen war endlich - daß ich