einen Schlitten hat er gemacht , der einen Schwan vorstellt , weiß glaciert mit schwarzem Schnabel , ein Mohr steht hinten drauf , schwarzbraun glaciert mit einem grünen Kittel . Dieses Kunstwerk besitze ich selbst , es steht in meiner Kunstkammer , das heißt unter meinem Bett . - Dem Töpfer hatte ich damals seinen ganzen Tonkunstvorrat abgekauft für die Kinder , jedes ging mit einem Lamm oder Fuchs oder Wolf , Bär , Löwe usw. ab , ich behielt das Hauptstück , den Schlitten ; er wollte nun eiligst wieder Neues anfertigen , und ich wollte gern mit ansehen , wie er damit fertig werde . Und , liebster Clemente , ich hab drei Abende bei dem Mann zugebracht , Frau und Kinder saßen bei der Lampe und machten Tiere , die Gott nachträglich noch schaffen muß , wenn er gerecht sein will , oder seine Unendlichkeit bleibt unerwiesen , denn was die Phantasie der Töpferskinder erfunden hat , ist noch nicht im Naturreich geschaffen , dem Vater war aber alles recht , er gab diesen Geschöpfen einen Schneller und einen Drucker und setzte sie auf Postamente , sie wurden angemalt von einem Kittel mit einem breiten Schlapphut als Kopf , er saß in der Ecke beim Feuer am Herd und warf einen mächtigen Schatten . Wie ich nun sah , daß alles so fix ging , daß keiner zagte , seine Kunstwerke zu fördern , wie keiner eine Kritik übte , wie alles recht war , was da entstand , da schämte ich mich meiner Schüchternheit . Ich saß nun auch am Tisch und machte Tonkünste , ins Tierreich wollte ich mich nicht wagen , ich machte einen Baum , auf seinen Zweigen sitzen Vögel , so recht antik mit wenig Blättern , kannst Du denken . - Kaum fing er an zu werden , so hatte der Schlapphut eine Schlange drum geringelt , und der Töpfer Adam und Eva drunter gestellt . - - An Bettine Wer kann auf Deine Briefe antworten , mein Kind , da es so kalt ist hier und so einsam , wenn Dein liebes Bild nicht neben mir stände und alle Deine Liebe ruhig empfing , ich armer Bewußtloser , von mir selber und von Menschen Verlassner , wäre erschrocken über die vielen Herrlichkeiten , die Du um mich hervorzauberst ; eine Welt ist mit Deinen Blättern eingedrungen , und doch , ich bin ' s nicht würdig , denn was kann ich Dir wiedergeben ? - Etwas hat mich geärgert , aber es tut nichts , auch habe ich mit dem Fuß gestampft , das ist , weil Dich Sch ... z geküßt hat , der ein guter , freundlicher Mann , aber etwas sentimental und stark wie die Großmutter ist , leid das nicht wieder ; - und was mich angeht , macht er mir schreckliche Langeweile , er liebäugelt mit dem Universum , das noch nie an ihn gedacht hat , und meint immer , es meine ihn , wenn es ihn gar nicht meint . - So viel über diesen Freund , der über mich mit Dir spricht und mit mir sehr gern über dich sprechen würde , daran zweifle ich keineswegs , allein da hat er seine Mühe verloren , wenn er einen ganzen Milchkübel von Sentimenten aus mir melken will - und bin ich nicht ungerecht , wenn ich des Teufels über ihn werde : da ich doch grade so mit Savigny stehe , von dem ich wieder nichts losbringen kann , darüber nur folgende Worte : ich gehe nun schon lange mit Savigny um und ringe vergebens gegen seine Verschlossenheit , die mir zwar nichts verbirgt , weil ich durch lange Übung eine Sprache an ihm erfunden habe , die er nicht spricht , sondern die sich selbst spricht . Ich empfinde diese Verschlossenheit jetzt mehr als sonst , weil ich fauler geworden bin zu buchstabieren . Seine Äußerung über meine Bitte hierum war die , daß ich alles um mich herum eher verschließen als eröffnen könne ; dies befremdete mich nicht , weil mir es schon mehrmals geäußert wurde . Da ich nun keinen einzigen Menschen sehe als ihn und unser gegenseitiges Verstummen etwas Peinliches hat , solang es mit dem Lusten zum Sprechen kämpft , so will ich diesen Lusten , der von ihm in gleichem Maße erwidert werden dürfte , nach und nach aufheben . - Ich habe nun nichts mehr in der Welt , wovon ich gern rede als von Dir , und habe weiter auch niemand , mit dem ich ' s könnte . Savigny verstummt dann ganz , wenn ich von Dir rede , ist es eingeborne Antipathie gegen Dich oder gegen meine Art zu sprechen . - Wenn Dich ' s interessiert , so lege Dir ' s selber aus . Ach , ich sehe immer nach Deinem Bilde hin und bin unendlich einsam , da hab ich gestern zwei Lieder geschrieben für Dich . Wie sich auch die Zeit will wenden , enden Will sich nimmer doch die Ferne , Freude mag der Mai mir spenden , senden Möcht dir alles gerne , weil ich Freude nur erlerne , Wenn du mit gefaltnen Händen Freudig hebst der Augen Sterne . Alle Blumen mich nicht grüßen , süßen Gruß nehm ich von deinem Munde . Was nicht blühet dir zu Füßen , büßen Muß es bald zur Stunde , eher ich auch nicht gesunde , Bis du mir mit frohen Küssen Bringest meines Frühlings Kunde . Wenn die Abendlüfte wehen , sehen Mich die lieben Vöglein kleine Traurig an der Linde stehen , spähen , Wen ich wohl so ernstlich meine , daß ich helle Tränen weine , Wollen auch nicht schlafen gehen , Denn sonst wär ich ganz alleine . Vöglein , euch mag ' s nicht gelingen , klingen Darf es nur von ihrem Sange , Wie des Maies Wonneschlingen , fingen Alles ein in neuem Zwange ; aber daß ich dein verlange Und du mein