Liebe , die sie mir schenkte , und so viel meine Bitten es ihr nur möglich ließen , von sich entfernt . Ich mußte , so oft es bei diesem Alleinstehen sich thun ließ , meinen Beschäftigungen und Vergnügungen nachhängen , doch reiten durfte ich nur in dem weitläuftigen Park , schießen nur in dem beschränkten Schloßhof , zum Tanzen gab es keine Veranlassung , und ich hatte keine Gespielin mehr . Dagegen trieb ich fleißig meine mit Brixton begonnenen Studien , besonders die alten Sprachen , die ich so gerne mag . Da brach , durch den traurigen , feuchten Winter ohne Kälte veranlaßt , bei dem ersten Hauch des Frühjahrs ein schreckliches epidemisches Fieber um uns her aus und raffte Hunderte in unserer Nähe dahin . Ach dies war damals mein größter Kummer , und vermehrt durch das strenge Gebot , nicht über die Grenzen der Terrassen mich zu begeben , wo man die Luft noch am gesundesten hielt . Wie bald ward nun mein Elend von einem Punkt zum andern vermehrt ! Unglaublich war mein Entzücken , als plötzlich meine Tante eintraf . Ihr Entschluß war , bei der Nachricht von der Epidemie , die um uns her wüthete , uns entweder , wenn es die Kräfte meiner Mutter erlaubten , von Nottinghall zu entfernen oder die Schreckenszeit mit uns zu theilen . Meine Mutter wünschte sehnlich uns zu entfernen , aber mit Entsetzen erfüllte mich der Gedanke , die einsam Leidende zu verlassen . Man drang nach den ersten Versuchen nicht weiter in mich ; aber die starke und zärtliche Mutter bot nun ihre letzten Kräfte auf , um abzureisen . Ach , dies große Opfer ihrer Liebe raubte sie uns auf immer . Sie ließ sich auf die Terrasse führen , die lang entwöhnte Luft zu athmen , ach , sie sog den Tod ein , der in dieser Luft seinen Hauch aussandte . Noch in derselben Nacht zeigte sich das schreckliche Fieber , welchem dieser entkräftete Körper keinen Widerstand zu leisten vermochte . Am dritten Tage war sie dahin . Ach , ich habe sie nicht gepflegt , nicht ihren letzten Seufzer gehört . Meine Tante , welche ihr Lager verließ , sagte mir , mein Anblick und die Furcht einer Ansteckung würde sie tödten ; sie brachte mir ihren Segen und ihren letzten Befehl , sogleich abzureisen . Ich war in einer willenlosen Betäubung . Wir reisten den zweiten Tag ab , denn die Folgen dieses Fiebers waren so schrecklich , daß meine Mutter schon den andern Abend nach ihrem Tode beigesetzt werden mußte . Doch so tief ich auch in Schmerz versenkt war , nur zu bald gewahrte ich an meiner theuern Tante , welch ' neues Leiden über uns einbrach ! Sie hatte an dem Bette ihrer Schwester die schreckliche Ansteckung eingeathmet , und das Fieber brach am zweiten Reisetage aus . Wir erreichten das Schloß , aber - laßt mich meine Gefühle übergehen , denkt sie Euch . Ich sah Alles , was mir theuer war , dem Tode verfallen ; der Tod bereitete sich auch in ihren Adern vor . Sie sagte mir , es sei nöthig gewesen , einem jüngern Bruder ihrer Schwester von dem Tode derselben Anzeige zu machen , er werde vielleicht erscheinen , aber sie verlange , daß ich in der Zeit mein Zimmer nicht verließe ; ich würde unter dem Schutze meines ältesten Oheims stehen , von dem sie nur Nachricht erwarte , um mich alsdann in Sicherheit zu wissen . Außerdem sollte ich Hanna und Gersem , ihrem Kammerdiener , folgen , sie hätten in allen Fällen ihre Befehle für meine Sicherheit . Sie blieb noch lange bei mir und war bemüht , meinen grenzenlosen Schmerz zu mäßigen , obwohl sie selbst oft ihre Thränen strömen ließ . Gegen das Ende unserer Unterredung ward sie ohnmächtig . Man trug sie auf ihr Bett ; sie verließ es nicht wieder . Ach , was von da an mit mir geschah , so lang ich im Schlosse war , weiß ich kaum . Ich lag in dem Vorzimmer , das zu meiner Tante führte , auf den Knieen , bis sie mir ihren Tod nicht mehr verheimlichen konnten . Mich verließ die Besinnung . Als ich erwachte , saß Hanna an meinem Bette , ich durfte nicht weinen , todtenstille im verhängten Zimmer mußte ich bleiben , der gefürchtete jüngere Oheim war angekommen , Alles bebte vor ihm , man zitterte , ihm meine Gegenwart zu verbergen , man fürchtete noch mehr , sie zu verrathen . Ein mir völlig fremdes Gefühl , das der Furcht vor einem Menschen , so unbekannt , so grauenhaft , weil ich nicht errathen konnte , was ich zu fürchten hatte , ergriff mit dem Schmerze zugleich meine Seele . Noch war keine Nachricht von meinem älteren Oheim , meinem Beschützer , eingegangen , und ohne diesen durften wir das Schloß nicht verlassen . Gersem war in die Nähe des gefürchteten neuen Herrn gebannt , der indeß von Allem Besitz nahm , und dem diese Zimmer nur entgingen , weil sie ein Anbau in einem kleinen Seitentheil des ganz alten Schlosses waren . Die Leiche meiner Tante war auf seinen Befehl ausgestellt , und Hanna sagte mir , sie sei schön und unverstellt , wie lebend , denn das Fieber schien , wenn auch noch tödtlich , doch seinen zerstörenden Karakter an dieser schönen Leiche verloren zu haben . Ach , diese Worte vollendeten mein Unglück . Von da an ließ meine heißeste Sehnsucht , sie noch einmal zu sehen , mir keine Ruhe mehr . Hanna blieb unerbittlich und schob endlich Alles auf Gersem , der am Abend , wenn er sich von seinem Herrn entfernen dürfte , zu uns kommen wollte . Er kam und blieb lange fest , denn der Saal , in dem sie stand , war nur durch eine Gallerie zu erreichen , an der die Zimmer lagen , die der Oheim bewohnte ;