volleuchtende Kerze hinterdrein , von Jungfer Lieschen getragen . » Bist du da ? « fragte die Mutter , indem sie ihre Haube abnimmt , um sie auf ihren nächtlichen Stammhalter , eine grüne Bouteille , zu hängen . » Ja « , rufen wir beide , und aus dem Dunkel tritt ein besternter Mann hervor und fragt : » Frau Rat , werd ich heut abend mit Ihnen einen Specksalat mit Eierkuchen essen ? « Daraus schloß ich denn ganz richtig , daß Hans ein Prinz von Mecklenburg sei ; denn wer hätte die schöne Geschichte nicht von Deiner Mutter gehört , wie auf der Kaiserkrönung die jetzige Königin von Preußen , damals als junges Prinzessinnenkind und ihr Bruder der Frau Rat zusahen , wie sie ein solches Gericht zu speisen im Begriff war , und daß dies ihren Appetit so reizte , daß sie es beide verzehrten , ohne ein Blatt zu lassen . Auch diesmal wurde die Geschichte mit vielem Genuß vorgetragen und noch manche andre , z.B. wie sie den Prinzessinnen den Genuß verschaffte , sich im Hof am Brunnen recht satt Wasser zu pumpen , und die Hofmeisterin durch alle mögliche Argumente abhält , die Prinzessinnen abzurufen , und endlich , da diese nicht darauf Rücksicht nimmt , Gewalt braucht und sie im Zimmer einschließt . » Denn « , sagte die Mutter , » ich hätte mir eher den ärgsten Verdruß über den Hals kommen lassen , als daß man sie in den unschuldigen Vergnügungen gestört hätte , das ihnen nirgendwo gegönnt war als in meinem Hause ; auch haben sie mir ' s beim Abschied gesagt , daß sie nie vergessen würden , wie glücklich und vergnügt sie bei mir waren . « - So könnte ich Dir noch ein Paar Bogen voll schreiben von allen Rückerinnerungen ! Adieu , lieber Herr ! - Die Frau grüß ich , Riemers Sonett kracht wie neue Sohlen ; er soll meiner Geschäfte gewärtig sein und seinen Diensteifer nicht umsonst gehabt haben . Gelt , ich mach ' s grade wie Dein Liebchen , schreibe , kritzele , mach Tintenkleckse und Orthographiefehler und denk , es schadet nichts , weil er weiß , daß ich ihn liebe , und der Brief , den Du mir geschrieben , war doch so artig und zierlich abgefaßt , das Papier mit goldnem Schnitt ! - Aber , Goethe , erst ganz zuletzt denkst Du an mich ! Erlaub , daß ich so frei bin , Dir einen Verweis zu geben für diesen Brief , fasse alles kurz ab , was Du verlangst , und schreib ' s mit eigner Hand , ich weiß nicht , warum Du einen Sekretär anstellst , um das Überflüssige zu melden , ich kann ' s nicht vertragen , es beleidigt mich , es macht mich krank ; im Anfang glaubt ich , der Brief sei gar nicht an mich , nun trag ich doch gern solch einen Brief auf dem Herzen , solange bis der neue kommt , - wie kann ich aber mit einer solchen fremden Sekretärhand verfahren ? Nein , diesmal hab ich Dich in meinem Zorn verdammt , daß Du gleich mit dem Sekretär in die alte Schublade eingeklemmt wurdest , und der Mutter hab ich gar nicht gesagt , daß Du geschrieben hattest , ich hätte mich geschämt , wenn ich ihr diesen Perückenstil hätte vortragen müssen . Adieu , schreibe mir das einzige , was Du zu sagen hast , und nicht mehr . Bettine An Goethe Am 15. März Nun sind ' s beinahe sechs Wochen , daß ich auch nur ein Wort von Dir gehört habe , weder durch die Frau Mutter noch durch irgendeine andre Gelegenheit . Ich glaube nicht , daß , wie viele andere sind , Du auch bist , und Dir durch Geschäfte und andere Wichtigkeiten den Weg zum Herzen versperrst ; aber ich muß fürchten , daß meine Briefe Dir zu häufig kommen , und muß mich zurückhalten , was mich doch selig machen könnte , wenn es nicht so wär und ich glauben dürfte , daß meine Liebe , die so anspruchslos ist , daß sie selbst Deinen Ruhm vergißt und zu Dir wie zu einem Zwillingsbruder spricht , Dich erfreut . Wie ein Löwe möcht ich für Dich fechten , möcht alles verderben und in die Flucht jagen , was nicht wert ist , Dich zu berühren ; muß um deinetwillen die ganze Welt verachten , muß ihr um deinetwillen Gnade widerfahren lassen , weil Du sie verherrlichst , und weiß nichts von Dir ! Sag nur , ob Du ' s zufrieden bist , daß ich Dir schreibe ? - Sag nur : » Ja , du darfst ! « Wenn ich nun in etlichen Wochen , denn da haben wir schon Frühling hier , ins Rheingau gehe , dann schreib ich Dir von jedem Berg aus ; bin Dir so immer viel näher , wenn ich außer den Stadtmauern bin , da glaub ich manchmal , mit jedem Atemzug Dich zu fühlen , wie Du im Herzen regierst , wenn es recht schön ist draußen , wenn die Luft schmeichelt , ja wenn die Natur gut und freundlich ist wie Du , da fühl ich Dich so deutlich . - Aber was soll ich mit Dir ? - Du selbst hast mir nichts zu sagen ; in dem Brief , den Du mir schriebst , den ich zwar so lieb habe wie meinen Augapfel , da nennst Du mich nicht einmal , wie Du gewohnt warst , grad als ob ich Deiner Vertraulichkeiten nicht wert wäre . Ach , es geht ja von Mund zu Herzen bei mir ! Ich würde nichts von Schatz und Herz und Kuß veräußern , und wenn ich auch am Hungertuch nagen müßte . In der Karmeliterkirche hab ich im Herbst allerlei geschrieben , Erinnerungen aus der Kindheit , - sie fielen mir immer ein , wenn ich dahin kam , und