- « Eduard unterbrach seinen Freund : » Still , « rief er , » still - Mann der Wahrheit , auch Sie können einem so elenden Gerüchte Glauben beimessen , auch Ihnen ist die Heilige , die sich zum Sünder herabläßt , nichts als eine gemeine Buhlerin ? Ist ' s möglich ! « Ottfried blieb kalt bei diesen Vorwürfen des Freundes , stumm wandelte er an seiner Seite , und ließ den leidenschaftlichen Jüngling seinem begeisterten Gefühl Worte leihen ; dann entgegnete er mit gleicher Ruhe : » Wenn ich jetzt rede , so thue ich es mit schwerem Herzen , denn ich muß fürchten , von dem Gegenstand meiner Neigung und Achtung verkannt zu werden , dennoch rede ich . Hören Sie , was man noch für gewiß behauptet : Das Fräulein ist ein Werkzeug in den Händen politischer Schwärmer ; sie ist in geheimer Mission am Hofe , um den Fürsten und seine Anhänger zu stürzen , sie in dem Ansehen beim Volke herabzusetzen , und den ersten , vom Thron zu entfernen . « - » Genug , « rief Eduard , » genug von den tollen Mißverständnissen und finstern Verläumdungen , die von Unverständigen dem unruhigen Haufen mitgetheilt werden . Lassen Sie mich dergleichen nie wieder hören , theurer Freund , ich verachte dieß Geschwätz . Wie , ist nicht die Wiedervereinigung des Fürsten mit seiner Braut ein Werk des Fräuleins ? ist die moralische Wiedergeburt jenes gewissenlosen Mannes nicht durch sie erzeugt ? Sind Milde , Aufopferung , Güte , Geduld , Glaube und Andacht die Eigenschaften eines verderbten Sinnes , der sich zum Werkzeug niedriger Zwecke brauchen läßt ? Ottfried , o wenn Sie in dieses klare Auge sehen dürften , so hineinschauen dürften , wie ich es darf , nie würden Worte der Art mehr über Ihre Lippen kommen ! glauben Sie mir ! « Die Freunde hatten jetzt das Schloß erreicht , und indem sie im Begriff waren , hinaufzusteigen , wandte sich Ottfried noch einmal zu seinem jungen Begleiter um ; eine Thräne glänzte in seinem Auge , seine Stimme zitterte , als er die Worte sprach : » Erinnern Sie sich der Stelle im Liede : Nur wer sich ganz verwaiset achtet , nur wer sich ganz verloren gibt , nur wer im heißen Weh verschmachtet , wer bis zum Sterben sich betrübt , nur bei dem zieht die ewige Verklärung ein ; o Freund , wenn einmal dieser furchtbarste aller Schmerzen über sie einbricht , wird ihre junge Seele ihn ertragen können ? wird sie Kraft genug behalten , um dann sich dem ewigen Lichte zuzuschwingen ? « Er umarmte Eduarden , und entfernte sich dann schnell . Als der Gewarnte sich auf seinem einsamen Zimmer befand , dachte er über jene Worte nach , doch sie schienen ihm ein Räthsel zu seyn , dessen Lösung er in Ottfried ' s trüber , oft seltsamer Stimmung suchen zu müssen glaubte . Sophie und ihr Geliebter waren vom Baron über alle Erwartung gnädig aufgenommen worden , und es hatte allerdings den Anschein , als habe der Journalist auf die Willfährigkeit des Alten in Betreff der Erfüllung seiner kühnen Plane nicht mit Unrecht gezählt . Alles im Hause ließ sich wiederum zu Freude und Lust an , als ein neuer unerwarteter Vorfall die größte Bestürzung erregte . Man erfuhr nämlich , daß sich die Prinzessin rüste , so bald als möglich das Schloß zu verlassen und das , wie es schien , auf immer . - Die Beweggründe dieser Abreise , die wie eine Flucht aussah , wußte Niemand mit Bestimmtheit anzugeben , doch gab es hier und da Vermuthungen , die nur leise ausgesprochen werden durften ; man raunte sich in die Ohren , die fürstliche Verbindung gehe zurück , der Herzog habe seine erwählte Braut auf das Empfindlichste gekränkt , und sie eile jetzt den Ihrigen zu , welche gewiß nicht unterlassen würden , die erwiesene Schmach auf das Strengste zu rächen . Zur Verbreitung dieser Meinung hatte der Journalist viel beigetragen , denn er gab vor , die genauesten Nachrichten von seinen Freunden erhalten zu haben ; man maß ihm völligen Glauben bei , um so mehr , da das geheimnißvolle Wesen , welches jetzt auf dem Schlosse umging , ein Unheil dieser Art nur zu deutlich zu bekunden schien . Zwei fremde Kavaliere , anscheinend von sehr hohem Range , waren angekommen , und die von ihnen mitgetheilten Briefe und Aufträge mußten in dem Entschluß der Fürstin jene auffallende Aenderung bewirkt haben , welche die ganze Umgegend , die mit Liebe und Verehrung an der so höchst liebenswürdigen Dame hing , in Trauer versetzte . Der Leibarzt war zu der plötzlich Erkrankten gerufen worden , und so viel Mühe man anwandte , alle diese Ereignisse der Umgebung zu verschweigen , hatte doch Neugier und Theilnahme Mittel gefunden , hinter den verhüllenden Schleier zu dringen . Eduard war natürlich einer der Ersten gewesen , der an der Seite seiner angebeteten Magdalena nach der Lösung des Räthsels geforscht , doch die Geliebte selbst zeigte ein durch diese trüben Vorfälle so verwundetes Gemüth , sie war augenscheinlich so heftig erschüttert und bewegt , bat ihren Freund so zärtlich , ihrem Busen nicht ein Geheimniß entwinden zu wollen , an dessen Bewahrung sie so schwer trage , daß dieser nicht weiter in sie drang , sondern sich begnügte , mit ihr zusammen das Schicksal anzuklagen , das sie einer teilnehmenden edlen Freundin beraubte , in dem Moment , wo beide sich entschlossen hatten , aus dem Bunde ihrer Herzen kein Geheimniß mehr zu machen . Es war festgesetzt worden , daß die Oberhofmeisterin und zwei junge Damen die Prinzessin begleiteten , Magdalena jedoch sollte in Gesellschaft ihrer Tante noch einige Tage zurückbleiben . Die endlich erfolgende Abreise war ein allgemeines Trauerfest ; obgleich die Anstalten so getroffen worden , daß man in der Stille den Pallast verlassen konnte , so hatte sich trotz dessen eine große Menge Landvolks eingefunden