Herz liebt nur einmal , wie es nur einmal bricht . Es war ein artiges Spiel des Zufalls , daß unter den Blumen , die ich von Ottokar erhielt , auch die Eine sich befindet , welche nur einmal um Mitternacht eine Stunde lang blüht und dann auf immer sich schließt . Ich erhielt in dieser Blume ein Vorbild meines Geschicks , und von ihm . « » Gabriele , wüßtest du , wie diese deine kalte Verzweiflung mich quält ! « rief Frau von Willnangen ; was soll , was kann ich thun , um dich davon zu retten ? ach ich selbst , ich Unbesonnene , war es ja , welche in deinem jungen Gemüthe Wünsche und Hoffnungen immer mehr entflammte , die ich hätte unterdrücken sollen , die nun dein Verderben sind ! Jetzt weiß ich dieß , aber damals blendete ich mich selbst . Ich wollte an die Erfüllung jener Wünsche und Hoffnungen glauben , weil auch ich sie im Herzen hegte , und du gehst nun an ihnen zu Grunde . « » Wie Sie mich mißverstehen , theure Frau ! « erwiederte mit wehmüthigem Lächeln Gabriele . » Ich bin ja fern von Verzweiflung , glauben Sie mir , ich bin sogar nicht unglücklich , denn wehmüthige Erinnerungen , tiefgefühlte Sehnsucht sind ja nicht Unglück . Verstehen Sie doch alles wörtlich , wie ich es Ihnen sage , ich flehe darum , denn wie ich es meine , spreche ich es aus , immer in einfacher Wahrheit . Nie hegte ich die Wünsche , die Hoffnungen , auf welche Sie mit Winken hindeuteten , die ich jetzt erst verstehe . Nie sogar habe ich mit Bewußtseyn mir ihre Möglichkeit gedacht , nie sie empfunden . Ich liebte Ottokar , wie ich athme , wie ich die Sonne , das Leben liebte . Ich vergaß bei ihm der Vergangenheit und gedachte keiner Zukunft ; ich war glücklich und unglücklich in der Gegenwart , ohne mich weiter um etwas zu kümmern . Ja ich will Ihnen nichts verhehlen ; nur wie ich Aurelien als seine Braut sah , da erst fiel es mir ein , daß auch auf mich seine Wahl hätte fallen können , da erst , liebe Mutter ! und legen Sie es mir nicht als Unwahrheit aus , wenn ich sage , ich hätte eingewilligt , wenn er mich gewählt hätte , wie ich in alles willigen müßte , was er so recht aus der Tiefe seines Gemüths wollen könnte , aber es wäre ein Opfer gewesen , das ich seinem Wollen brachte . Neidlos sehe ich Aureliens Geschick ; ich habe es nie für mich gewünscht , glauben Sie es mir ; segnen will ich sie , sie lieben wie ihn , wenn sie ihn so glücklich macht , wie er es durch eine solche heilige Verbindung werden könnte . « Mit diesen Worten und der Bitte , den Tag ganz allein bleiben zu dürfen , zog Gabriele sich in ihr Zimmer zurück . Dort in der Einsamkeit ließ allmählig die Spannung nach , in welche Eugeniens Erzählung und das darauf folgende Gespräch mit ihren Freundinnen sie versetzt hatten . Sie versank in tiefes Nachdenken ; jedes Wort , jede noch so leise Andeutung Eugeniens gingen nochmals ihrem Geiste vorüber ; alle waren ihr ein unerschöpflicher Quell von Freude und Schmerz , von dem sie zu fühlen glaubte , daß er ihr ganzes Leben hindurch nicht versiegen könne . Aus dem von Eugenien nur ganz obenhin erwähnten Umstande , daß sie Ernestos Hand auf einem Briefe an ihn bemerkt habe , ahnete Gabriele , was wirklich geschehen war . Ottokar war auf irgend eine Weise von ihrem Erkranken benachrichtiget worden , er hatte alle Qualen der bängsten , zur Hülfe ohnmächtigen Sorge um sie gelitten , er hatte in martervoller Todesangst um sie gebebt , während sie an den Pforten des Todes in süßer Bewußtlosigkeit lag und wahrscheinlich so hinüber geschlummert wäre , ohne Schmerzen zu fühlen . Durch Ernesto hatte er gewußt bestimmte Nachricht von ihr zu erhalten , ohne ihn dennoch zum Vertrauten der Art des Antheils zu machen , den Gabriele in ihm erregte . Als ob Ottokar selbst es ihr gestanden habe , so bestimmt wußte Gabriele jetzt , daß nur Besorgniß um ihr Leben seinen auffallenden Trübsinn veranlaßte , über den Eugenia sich so spottend geäußert hatte ; daß nur diese Sorge ihn bewog , den Tag seiner Vermählung immer weiter hinaus zu schieben , und daß nur die Ueberzeugung , sie sey genesen , ihn ermuthigen konnte , das unvermeidliche Opfer endlich zu bringen , welches für das ganze Leben ihn von ihr trennte und ihn sogar aus der Luft verbannte , in welcher sie athmete . Aureliens und ihrer sich immer gleichbleibenden Art sich gegen Ottokar zu benehmen , gedachte Gabriele nur mit tiefem Schmerz ; denn alles überzeugte sie , daß diese kalte , lieblose , spottende Natur sich nie an seiner Seite erwärmen , nie ihn liebend beglücken könne . Daher vermied sie den Gedanken an sie , oder versuchte wenigstens , sich selbst durch die Hoffnung zu täuschen , daß es am Ende ihm doch wohl gelingen könne , die bösen Geister , die sein Glück verhinderten , durch die seiner höhern Natur eigne Güte zu bannen und die Gefährtin seines Lebens für sich zu gewinnen . Wenn alles fehl schlägt , so bleibt ihm der Trost , an den auch ich mich halte , die Ueberzeugung , das Rechte gewollt und vollbracht zu haben , und mein Andenken , setzte sie ganz leise sich zur Beruhigung hinzu . Noch während dem Laufe des Winters hatte Frau von Willnangen den Entschluß gefaßt , den größten Theil des Sommers in den böhmischen Bädern zuzubringen . Durch Gabrielens Krankheit war die Ausführung dieses Plans einstweilen in Vergessenheit gerathen ; nun sie aber wieder genas , kam er aufs neue zur Sprache . Der Arzt drang sogar darauf , ihn baldmöglichst , und zwar in